Nachhaltige Forstwirtschaft - Der regenerative "Weihnachtsbaum for Future"

Beschneiden eines regenerativen Weihnachtsbaums. (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 25.11.2020 | Lucia Heisterkamp | Bild: rbb

Auf dem Schlossgut Alt-Madlitz werden regenerative Weihnachtsbäume angebaut. Statt die Tannen zu fällen, werden lediglich die Spitzen abgesägt. Der Rest des Baums soll neu wachsen und irgendwann wieder zum Christbaum werden. Von Lucia Heisterkamp

So ganz wie ein Weihnachtsbaum sieht er noch nicht aus: der Tannenbaum mit abgeschnittenem Stumpf, aus dem die ersten zarten Triebe sprießen. Vor einem Jahr wurde der Baum geköpft, wie man auf der Baumplantage "Gut und Bösel" auf dem Schlossgut Alt-Madlitz (Oder-Spree) sagt. Nun soll ihm eine neue Spitze wachsen.

Weihnachtsbaum der Zukunft

Sechs bis sieben Jahre wird das dauern - dann kann ein neuer Weihnachtsbaum geerntet werden. Öko-Landwirt Renke de Vries zeigt sich zufrieden. "Hier kommt schon der Weihnachtsbaum der Zukunft raus", sagt er und deutet auf einen der winzigen Triebe. Ob aus dem am Ende tatsächlich eine prächtige und gerade Weihnachtsbaumspitze wächst, lässt sich wohl erst in ein paar Jahren beurteilen. De Vries ist jedoch optimistisch. "Bislang spricht nichts dagegen, dass die Methode funktioniert."

Weg von der Monokultur

Mehrere tausend Weihnachtsbäume wachsen auf der Plantage. Etwa 600 werden auch in diesem Jahr auf einer Höhe von 1,60 Meter abgesägt und als Christbäume verkauft. Doch auf der Plantage in Alt-Madlitz sprießen nicht nur Tannen in die Höhe. Auch Brombeersträucher ranken zwischen den Bäumen. An einigen Stellen wachsen Erdbeersträucher. Unter der Erde hat der Landwirt Kartoffeln gepflanzt, die diesen Sommer schon geerntet wurden. Langfristig sollen auch Kastanienbäume angebaut werden, die dann Schatten für die Tannenbäume spenden.

Ein Anbausystem mit mehreren Schichten, dass den Boden feucht halten und hohe Photosynthese-Raten entwickeln soll. Aber auch ökonomisch ist die Methode sinnvoll, meint de Vries. Schließlich lässt sich durch den Verkauf von Beeren und Kartoffeln auch Gewinn erzielen.

regenerativer Weihnachtsbaum Alt Madlitz 1Plantage mit regenerativen Weihnachtsbäumen

In Deutschland wenig verbreitet

Für die Verbindung von Forst- und Ackerbau gibt es verschiedene Bezeichnungen: Agroforst, regenerative Landwirtschaft oder auch syntropische Landwirtschaft. Verbreitet ist die Methode in den tropischen Ländern. In Europa wird sie laut der Europäischen Agroforst-Vereinigung (Euraf) lediglich in einigen südlichen Ländern angewendet. In Frankreich werden knapp sechs Prozent der landwirtschaftlichen Flächen agroforstlich genutzt, in Deutschland sind die Flächen wesentlich kleiner.

"Im Moment finden sich diese Systeme bei uns im Versuchsstadium", sagt Peter Spathelf, Professor für Angewandten Waldbau an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (Barnim). "Inwieweit sie auch großflächig zur Anwendung kommen können, muss man sehen, die Erfahrungen sind da relativ begrenzt."

Angewendet bei Christbäumen ist die Agroforst-Methode fast eine Weltneuheit, sagt Landwirt de Vries. Teurer als konventionelle Bäume sind die nachhaltigen Tannen mit rund 30 Euro pro Stück nicht. Wer in diesem Jahr einen nachhaltigen Baum kaufen möchte, muss diesen per E-Mail auf der Baumplantage von Renke de Vries vorbestellen. Käufer können sich doppelt freuen: Über den Baum und weil sie damit noch etwas Gutes fürs Klima tun.

Sendung: Brandenburg aktuelle, 25.11.2020, 19:30 Uhr

Beitrag von Lucia Heisterkamp

8 Kommentare

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  1. 8.

    Ich bin sehr gespannt, ob das mit den Bäumen gelingt. Aber noch interessanter finde ich die "Erdbeersträucher". So einen hätte ich wirklich gerne! Oder gibt's die am Ende gar nicht? Lieber rbb, könnten Sie mich dahingehend aufklären?

  2. 7.

    Toll ! Auf eine Krücke von Weihnachtsbaum ohne Spitze wartet die Welt.
    Der Herr Professor sollte eigentlich wissen, dass der Beschnitt des Haupttriebes fast nie zur Ausbildung eines Neuen führt. Aber ideologische Verblendung schaltet eben den Verstand aus !

  3. 6.

    Also liebe Freunde ,ganz ruhig bleiben .Nicht beknackte Grüne Ideologien in die Botanik streuen .Wenn ich bei einer Pflanze ,Bäume sind Pflanzen , den Haupttrieb weg schneide ,also die appikale Dominanz breche ,dann schiebt dieser Baum keinen Haupttrieb weiter sondern er schickt Nebentriebe in das Rennen .Und diese haben mit Ästhetik nix zu tun.
    Aber wer es mag .Warum nicht.Besser als jede PVC Krücke.

  4. 5.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass man so ordentliche Qualitäten zu akzeptablen Kosten produzieren kann. Außerdem: Was sind Erdbeersträucher?

  5. 4.

    Solange ich da trotzdem einen 2,50m Baum bekomme soll's mir sehr recht sein. Prima Idee. Und ein bissel krumm ist doch schön, kerzengerade und gleichmäßig gibt's aus der Kunststoffspritzgussmaschine. Pfui.

  6. 3.

    Erinnert mich an Frank Schöbel's: "Alle Jahre wieder die gleiche doofe Tour..."
    Da werden Erinnerungen wach.

  7. 2.

    Wissen die überhaupt wie ein Baum wächst, wenn die spitze gekappt ist? Mit so einer Krücke brauche ich nicht nach Hause kommen.

  8. 1.

    Einfach stark - so stellt man sich risikohaftes Handeln, gepaart mit kreativen Wissen vor. Ohne Neid und Missgunst sei hier Erfolg gewünscht. Passt auch gut hierher: https://www.rbb24.de/wirtschaft/beitrag/av7/video-gemeinwohloekonomie-in-berlin.html - solche Leute haben keine Zeit zu verschenken...

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