Forstbetriebsleiter Boris Schnittker von der Stiftung Stift Neuzelle
Audio: Antenne Brandenburg | 03.12.2020 | Marie Stumpf | Bild: Marie Stumpf/ rbb

Afrikanische Schweinepest - Wachsende Wildpopulation schädigt die Wälder in der Kernzone

Die Afrikanische Schweinepest könnte langfristig Folgen für den Waldumbau haben. Wegen des absoluten Jagdverbotes in der Kernzone darf neben Schweinen auch kein Reh- und Rotwild gejagt werden. Das aber schädigt nun die neu gepflanzten Laubbäume. Von Marie Stumpf

Anfang der Woche gab es gute Nachrichten für Landwirte und Förster im Landkreis Oder-Spree. Sie dürfen ab sofort ihre Felder und Wälder wieder bewirtschaften. Der Landkreis hatte dazu eine neue Verordnung herausgegeben [www.landkreis-oder-spree.de].

Das Problem der Wildschäden löst das allerdings nicht. Gejagt werden darf längere Zeit im Kerngebiet der Afrikanische Schweinepest nicht. So konnte sich das Wild dort ungestört vermehren. Die Folgen laut Waldbesitzer: erhebliche Schäden in den Wäldern.

Zäune sind keine Hindernisse

Dazu zählen etwa abgeschälte Rinden, abgeknabberte Knospen oder umgeknickte Bäume. Seit im Wald der Stiftung Stift Neuzelle nicht mehr gejagt werden darf, haben die Wildschäden stark zugenommen. 182 von rund 9.000 Hektar der Stiftung sind mit so genannten Kulturzäunen abgesteckt, um die dortigen neu gepflanzten Bäume vor Rehen und Hirschen zu schützen. Aktuell ist das laut Forstbetriebsleiter Boris Schnittker von der Stiftung Stift Neuzelle wirkungslos. Er ist regelmäßig in dem Gebiet auf Spurensuche. Er zeigt Stellen im Drahtzaun, die vom Rotwild zerstört wurden. "Wir hatten eine Fallwild-Suche mit der Bundeswehr. Dabei sind die Hirsche durch die Reihen der Soldaten und durch die Zäune durchgebrochen."

Wildschäden an Bäumen in der ASP-KernzoneWildschäden an jungen Bäumen

Für den Waldumbau ist das ein echtes Problem und laut Schnittker sogar das größte im Zusammenhang mit der Schweinepest. Die Kulturen, die bereits vor vier bis fünf Jahren speziell geschützt angepflanzt wurden, werden nun beschädigt. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass wir ganze Anpflanzungen verlieren können", so Schnittker. "Sollte das passieren, fangen wir bei null an."

Keine Lösung in Aussicht

Ein Aussetzen des Jagdverbotes ist derzeit nicht in Sicht. Erst muss die Seuchenbekämpfung komplett abgeschlossen sein, heißt es vom Land Brandenburg. Doch selbst wenn zeitnah wieder gejagt werden dürfte, kommen dann die Schonzeiten des Wilds dazwischen, sagt Schnittker, der selbst auch als Jäger tätig ist. "Es ist so, dass das meiste Wild im Frühjahr den Nachwuchs erwartet. In dieser Zeit besteht ein Jagdverbot und insofern können wir da erst wieder ab August eingreifen." Dadurch, dass momentan nicht gejagt werden darf, falle für die Jäger ein ganzes Jahr aus. Dies könne nicht ohne Weiteres im kommenden Jahr wieder aufgeholt werden, so der Forstbetriebsleiter.

Land und Kreis übernehmen Kosten

Wie groß die Wildschäden wirklich sind, wird erst im Frühjahr ersichtlich sein. Dann will Boris Schnittker sie von einem Gutachter dokumentieren lassen. Finanziell drohten Verluste von bis zu 100 Euro je Hektar pro Jahr. Für die Stiftung Neuzelle würde dies ein Minus von insgesamt 900.000 Euro bedeuten. Zwar könnten die Flächen laut Schnittker durch intensiveren Zaunbau geschützt werden, doch würde das mehr Kosten und personellen Aufwand bedeuten.

Erstatten will die bisherigen Schäden der Landkreis, zusammen mit dem Land, bestätigte die Beigeordnete für ländliche Entwicklung von Oder-Spree, Gundula Teltewskaja auf Nachfrage. Bisher spräche nichts gegen eine Übernahme im kompletten Umfang.

Sendung: Antenne Brandenburg, 03.12.2020, 16:40 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Jawoll! Das alte Lied der Jägerlobby fällt mal wieder auf fruchtbaren Boden. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, dass ein gesunder Wildbestand gut für die Entwicklung des Waldes ist. Verbisse halten sich in einem naturnahen Wald in Grenzen und manche Bäume sind natürlicherweise sogar auf Verbiss eingerichtet. Aber was nicht passt, wird nicht gehört, nicht gelesen und nicht beachtet. Bumm, bumm, tot.

  2. 6.

    Tja, da muss wohl der Wolf ran, der darf noch jagen. :-)

  3. 5.

    Land und Forstwirtschaft werden ja häufig zusammen genannt. Da gehört Jammern und Fördermittel bzw. Entschädigung beantragen zur Ausbildung im ersten Lehrjahr bzw. Grundstudium.

  4. 4.

    Anfang der Woche war es noch ein Wildschaden von 500.000€, jetzt sind es schon 900.000€, ein Schelm wer böses dabei denkt....
    Die Stiftung kümmert sich selbst um die Jagdverpachtung etc. hat also selbst die Kontrolle und Verantwortung für den zu hohen Wildbestand. Und wie ein Vorkommentator schon sagte, ein so großer Wildschaden in dieser kurzen Zeit ist fraglich. da stimmte schon vorher etwas nicht.

  5. 3.

    "Wir hatten eine Fallwild-Suche mit der Bundeswehr. Dabei sind die Hirsche durch die Reihen der Soldaten und durch die Zäune durchgebrochen."
    Das wird ja echt dramatisch. Selbst die Armee, äh Bundeswehr, wurde von millitanten Hirschen "überrannt". Was kommt als nächstes? Die Dachse untergraben die Hochsitze?

    Ich glaube eher, das so'n schießwütiger Schnitzler Angst hat, das ihm das Pulver verschimmelt.

  6. 2.

    Dann sollte man mit diesen riesigen Maisflächen aufhören, dann finden die Schwarzkittel nicht soviel Futter und vermehren sich weniger, die Rotten sind weiter voneinander weg, die Pest hat weniger Angriffsfläche.

  7. 1.

    Es ist vielleicht sprachliche Korinthenkackerei, aber ich frage mich, wie sich das Wild seit dem 10.9. (1. Fall von ASP) spontan "vermehrt" haben soll.
    Natürlich kann man gerade keine diesjährigen Kitze / Kitzböcke oder letztjährige Schmalrehe schießen, sprich den Wildzuwachs dieses Jahres nicht "regulieren". Aber von "Vermehrung" lässt sich da nicht sprechen: Die findet ja wie im Artikel beschrieben bereits in den Frühsommermonaten statt.

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