Archivbild: Blick auf die einstigen Gebäude des Joachimsthalschen Gymnasiums in Templin (Brandenburg, Luftaufnahme). (Quelle: dpa/P. Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 26.01.2021 | Claudia Baradoy | | Bild: dpa/P. Pleul

Umbau zur Europäischen Schule - Sanierung des Joachimthalschen Gymnasiums in Templin soll im Februar starten

In den kommenden drei Jahren soll die leerstehende Immobilie des Joachimthalschen Gymnasiums in Templin zu einer Europäischen Schule ausgebaut werden. Die Arbeiten sollen bereits im Februar beginnen. Auch der Bund fördert das Projekt.

Wer von Prenzlau aus über die Bundesstraße 109 nach Templin hineinfährt, kann die großzügige Anlage des des Joachimthalschen Gymnasiums gleich hinter dem Ortseingangsschild nicht übersehen. Hufeisenförmig umschließen mehrere einstmals gelbgetünchte Häuser einen weiten Platz. Die symmetrische Anordnung und schlichte Erscheinung geben dem Ensemble eine kühle Strenge. Aufgelockert wird die Architektur von einem kleinen Tempel im Barock-Stil, aufgesetzten Türmen und Torbögen, von denen einer den Blick auf den nahen See freigibt.

Denkmal im Verfall

Doch das denkmalgeschützte Ensemble steht seit Jahren leer. Jetzt wird es saniert und zu einer Europäischen Schule umgebaut. Damit startet in diesen Tagen eines der größten Bauprojekte in der Uckermark für die nächsten Jahre.

Gebaut wurde das Ensemble ab 1911 als Nachfolgebau für das zu klein gewordene Joachimthalsche Gymnasiums in Berlin. Dessen Anfänge reichen bis 1607 zurück. Zu DDR-Zeiten wurden in Templin dann Lehrer und Kindergärtner ausgebildet. Seit 1996 steht die Anlage nun leer. Bürgermeister Detlef Tappert (Die Linke) sagte dem rbb: "Das war eine lange Zeit der Trauer. Seit vielen Jahren schlummert dieses schöne Areal am Standrand vor sich hin und war im Verfall. Umso schöner ist es, dass sich in diesem Jahr dort die Baukräne drehen."

Seit sich 2016 eine Stiftung zum Erhalt der Einrichtung gegründet hat, ist der Verfall gestoppt. Die Stiftung brachte auch die Idee für eine Europäische Schule in Templin ein. Europäische Schulen werden gemeinsam von den Regierungen der EU-Mitgliedsstaaten gegründet und bieten mehrsprachigen Unterricht bis zum sogenannten europäischen Abitur. 13 solcher Schulen gibt es bereits, die meisten davon in Westeuropa. In Templin soll es nun die erste Schule in Ostdeutschland werden. Die künftigen Schüler, von denen weniger als die Hälfte aus Deutschland käme, würden zum Teil im dortigen Internat wohnen.

Gelder aus Spenden und Förderung des Bundes

Bevor es soweit ist, muss aber saniert werden. Für Ferdinand von Saint André, dem Geschäftsführer der Stiftung zum Erhalt, drängt die Zeit. "Wir haben Feuchte-Schäden an der Dachgaube, durch die Wasser eindringt. Das ist mittlerweile schon im ersten Stockwerk." Um die Baukosten zu decken, warb die Stiftung von privaten Spendern Gelder in Millionen-Höhe ein. Für die Sanierung des 13 Hektar großen Geländes reichten die bisherigen Einnahmen allerdings nicht. Es brauchte einen langen Atem der Beteiligten, bis auch die Bundesregierung bereit war Fördermittel in den laut Stiftung notwendigen Größenordnungen zu geben.

Das Objekt ist 2020 zum Förderprojekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz ernannt worden. Zur Bedeutung des einstigen Gymnasiums, sagte Thomas Merz vom Denkmalschutz: "An dem Gymnasium wird ein Stück deutsche Geschichte greifbar. In Templin ist sehr schön zu beobachten, wie man weggeht vom Wilhelminischen Kasernenbau hin zu den damals sehr modernen und bis heute weiterentwickelten Bildungsformen. Mit mehr Luft und Licht sollten sich die Schüler besser entfalten können."

Baustart im Februar

Mit den nun bewilligten 30 Millionen Euro kann die Sanierung beginnen. Zuerst werden die Dächer des Alumnats-Gebäudes, also die Wohnhäuser der Schüler, saniert. "Wir hatten gerade Vergabetermine, und die Bauanlauf-Besprechung ist Mitte Februar", so der Stiftungsleiter. "Wir gehen davon aus, dass in der zweiten Februarhälfte der Gerüstbau beginnt."

Anstelle der einst 180 Schüler sollen nun etwa 450 Schüler in den Häusern Platz finden. Das stellt auch für die Architekten eine Herausforderung dar. Denn der prägende Gesamteindruck der denkmalgeschützten Anlage soll nicht zerstört werden. Ein Potsdamer Architekturbüro hat behutsame Ergänzungen geplant. Vorgesehen sei etwa eine neue, lichte Aula oberhalb des Sees, eine geräumige Turnhalle und eine Mensa.

2024 soll die Schule nach derzeitigen Plänen als erste Europäische Schule in Ostdeutschland ihren Betrieb aufnehmen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 26.01.2021, 15:10 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Die Bezeichnung "Joachimthalsches Gymnasium" hebt sich wohltuend ab von den heutigen, recht abgehetzten Bezeichnungen, entlang derer auch Teile der französischen Administration als Frankreichs Ministerpräsident, Frankreichs Ministerin für ... u. s. w. bezeichnet wird. Deutschlands Innen-, Außen- und Sonstwie-Minister steht noch aus.

    Gerade im Land Brandenburg wäre es gut zu unterscheiden zwischen Brandenburg und Brandenburgisch, hat doch die Stadtverwaltung Brandenburg an der Havel ziemlich oft alle Hände voll zu tun, zu erklären, dass nicht sie die richtige Adresse für eine entsprechende Anfrage sei, sondern eines der brandenburgischen Ministerien in Potsdam.

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