Gegen den Klimawandel - Magnet-Angler fischen in Barnimer Gewässern nach Schrott

Leon Holub und Devon Hoffmann beim Schrott-Angeln
Video: Brandenburg Aktuell | 16.02.2021 | | Bild: rbb

Manch einer verzichtet auf's Auto, andere ernähren sich vegan, zwei 18-Jährige aus dem Barnim gehen für den Klimaschutz zum Angeln. Mit großen Magneten stehen sie regelmäßig an Seen und Flüssen und fischen Schrott aus dem Wasser.

Ihre Generation geht mit "Fridays for Future" auf die Straße, sie gehen für die Umwelt zum Angeln: Leon Holub und Devon Hoffmann aus Bernau und Panketal (Barnim) nennen sich "Magnet 4 Future" und verbringen ihre Sonntage an Flüssen und Seen in der Region. Mit Magneten fischen sie Schrott aus dem Wasser. Trotzdem begreifen sich die beiden auch abseits der Demonstrationen als Teil der jungen Klima-Bewegung und wollen mit Aktionen auch Aufklären.

Petri Heil - Klima dankt

Kraftvoll schwingen die beiden 18-Jährigen zwei schwere Magnete in den Finow-Kanal. Mit einem lauten Platschen tauchen die Geräte in die Dunkelheit hinab, wobei das kalte Wasser an die Hosenbeine spritzt. Jeden Sonntag stehen sie mit ihren Seilen am Ufer und angeln.

Ihr Equipment haben sie aus dem Internet. Der günstigste Magnet kostet 20 Euro. Fische haben Leon und Devon dabei aber nie am Haken, sondern Hausmüll und Schrott. "Die Highlights waren auf jeden Fall ein Fahrrad, Anhänger und ein Nebelhorn aus der Sowjetunion, die wir rausgezogen haben", sagt Devon stolz.

Bis zu 500 Kilogramm lassen sich mit den glänzenden Scheiben aus dem Wasser ziehen. Den meisten Schrott finden sie unter Brücken oder in fließenden Gewässern. Schätze sind selten dabei. So türmt sich in ihrem Plastik-Eimer an Ende der Tour vor allem Schrott.

Auf Instagram posten sie Fotos von ihren Funden. Nach nur drei Monaten hat das Duo schon über 1.000 Abonnenten [www.intragram.com]. "Wir wollen Menschen auf das Thema aufmerksam machen und darüber zum Nachdenken anregen, was alles in unseren Gewässern drin ist. Unser Hauptaspekt ist aber auch, andere Menschen zu inspirieren bei uns mitzumachen."

Ganz nebenbei rätselt die Community aus Spaß an der Sache auch noch darüber, welche Teile sich da unter dem Rost und Schmutz verbergen.

Schrott-Eimer von Leon Holub und Devon HoffmannSammel-Eimer der Barnimer Schrott-Angler

Jedes Gramm zählt

Drei Stunden lang schmeißen Leon und Devon ihre Scheiben zwischen die Eisschollen. Die Minusgrade machen den Magnetfischern in ihren warmen Armee-Hosen nichts aus. Kronkorken, rostige Nägel, eine poröse Metallplatte und ein Fahrradgriff waren die Ausbeute des letzten Ausflugs an den Kanal. Enttäuscht über den eher kleinen Fang sind die beiden trotzdem nicht. "Kleinvieh macht auch Mist und uns ist jedes geangelte Gramm recht", sagt Leon. "Und dann genau diesen Nagel rauszuholen, wo eventuell ein Hund hätte reintreten können, macht mich glücklich."

Größere Beute bringt Leons Opa auf den Schrottplatz und verdient sich ein paar Euro dazu. Für die beiden Männer selbst bleibt der Spaß am Angeln und ihr kleiner Beitrag für saubere Seen und Flüsse das Wichtigste. Deshalb sind sie auch am kommenden Sonntag wieder im Barnim unterwegs.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 16.02.2021, 19:30 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    ...und so angelten und fischten sie, bis sie eines Tages den Zünder einer Weltkriegsbombe am “Haken” hatten... derlei Munition - das weiss man doch - wurden ab 1945 tonnenweise in die Gewässer in der Region verklappt.

  2. 5.

    Ich weiß nicht, wie alt der Redakteur bzw. die Redakteurin ist, aber "Teil der jungen Klima-Bewegung" ist ausgemachter Unfug. Bin selbst Jahrgang 1978, ein Jahr später fand die erste Weltklimakonferenz statt (übrigens mit ähnlichen Erkenntnissen und Beschlüssen wie im vergangenen Jahr) und eine breite Umweltbewegung gab es damals bereits. Getan hat sich seither wahrlich nicht sehr viel.

    Hier war offenbar einmal mehr eine Insta-Entdeckung in der Redaktion Ursprung des Artikels. Trotz des begrüßenswerten Anliegens der Akteure tendiert der Nachrichtenwert streng gen Null. Aus Metern Tiefe einen Nagel zu bergen und damit zu verhindern, dass ein Hund drauf tritt? Nicht Euer Ernst. Sprachliche Unwuchten wie etwa einen Magneten ins Wasser zu "schmeißen" lassen das Niveau dann ganz schnell wirklich auf ZiSch-Niveau (ZiSch = Zeitung in der Schule)sinken, um es freundlich zu formulieren.

    Naja, Provinz-Nachrichten aus der Berlin-Brandenburger Diaspora... ;-)

  3. 4.

    Ich denke es ist eine spannende Outdoorbeschäftigung und natürlich ist das Entfernen von Metall auch gut für die Umwelt.
    In erster Liebe kann man sich mit Altmetall was dazu verdienen u findet vlt sogar eine Rarität. Wenn bei diesem Hobby der "Beifang" auch entfernt wird und nicht wieder retour im Wasser landet, dann ist es auch wirklich umweltfreundlich.

  4. 3.

    Ich hatte gestern abend eher den Eindruck, die Jungs wollten die rbb-Reporter verar***en.
    Von wegen, die angeln nach Nägeln und Kronkorken ... wegen der "Verletzungsgefahr für Hunde".
    Und das Ganze dann auch noch an einem Mini-Eisloch am Ufer.

    Heute noch die Steigerung mit "Gegen den Klimawandel" und "Magnet 4 Future". ;-)

    Ich glaube, der rbb hat sich da einen mächtigen Bären aufbinden lassen.

  5. 2.

    Super Sache Jungs! DANKE!
    P.S.: In Berlin liegen etliche E-Räder in den Flüssen (unter der Elsen Brücke z. B.). Will nicht wissen, was die Batterien für Schäden in den Gewässen anrichten. Aber interessiert hier keinen. BSR anscheinend auch nicht.

  6. 1.

    Hmmm...gestern kam schon ein Beitrag im Radio.
    Ähnlich zu diesem Artikel.
    Und wieder bin ich etwas schockiert, wie blauäugig hier berichtet wird.
    Zur Information:
    Bitte geben Sie in die Suchmaschine Ihrer Wahl die Worte "Magnetangeln" und "gefährlich" ein.
    In manchen Regionen in Dtl ist dies sogar verboten!

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