Eis Hochwasser auf der Oder 4
Audio: Brandenburg aktuell | 18.02.2021 | Fred Pilarski | Bild: rbb

Eisbrecher im Einsatz - Oderdeiche durch Eis-Hochwasser gefährdet

Das Eis-Hochwasser auf der Oder ist ein echtes Naturschauspiel. Was die einen begeistert, bereitet anderen jedoch Sorgen: Es könnte Schäden an den Deichen geben. Eisbrecher sind schon in der Spur, gesucht werden noch Deichläufer.

Die Oder führt derzeit Hochwasser. Am Pegel Hohensaaten-Finow (Märkisch-Oderland) fehlten am Donnerstag noch 13 Zentimeter bis zur Hochwasser-Warnstufe 3. Weiter flussaufwärts im Süden ist die Lage noch etwas entspannter. Allerdings ist die Oder zurzeit auch noch vereist.

Bei Güstebieser Loose, wo im Sommer die Fähre zwischen Deutschland und Polen übersetzt, sind hunderte Meter Deichvorland zugefroren. Und auch die Oder - überzogen von übereinandergeschobenen Eisschollen - ist zum Stillstand gekommen.

Das Naturschauspiel zieht derzeit Schaulustige mit Ferngläsern oder Kameras an die Ufer. Ein Angler zeigte sich gegenüber dem rbb erfreut, dass die Oder-Wiesen seit langer Zeit wieder einmal überschwemmt sind. "Für die Fische ist das optimal. Das sind Laichgebiete. Wenn es aufgetaut ist, ziehen sich die Fische da rein. Das gab es in den letzten Jahren gar nicht und das hat man beim Angeln auch gemerkt."

Auch Wolfgang Werner aus Seelow (Märkisch-Oderland) ist gekommen, um sich das Eis anzuschauen. Er erinnert sich dabei aber auch an das Winterhochwasser von 1981. "Da war es kritisch", sagt er. "Auf dem alten Oderdeich wurde von der ehemaligen Volksarmee ein knapper Dreiviertel-Meter Sand aufgefüllt."

Eis Hochwasser auf der Oder 3

Deichläufer fehlen an der Oder

Kritisch ist die Situation momentan an der Oder zwar nicht. Eisversetzungen und Tauwetter könnten aber dafür sorgen, dass der Pegel schnell in die Höhe steigt. Dann, ab Warnstufe 3, werden rund um die Uhr Deichläufer eingesetzt, die darauf achten, dass sich keine Eisschollen in den Deich bohren.

Allerdings sieht es etwa im Amt Golzow derzeit mit Deichläufern schlecht aus. Das Amt ist für 19 Kilometer Oderdeich verantwortlich. Laut Amtsdirektor Lothar Ebers fehlen aber 24 von 48 Freiwilligen. Zum letzten Mal im Einsatz waren die Läufer vor über zehn Jahren. Deswegen sei das Thema ein Stück aus dem Fokus geraten. "Wir haben sehr viele ehrenamtliche Deichläufer gehabt, aber die sind mittlerweile ein bisschen an die Altersgrenze gekommen und wir brauchen Nachwuchs", sagt Ebert. Die Deichläufer sind in Zwölf-Stunden-Schichten im Einsatz und arbeiten ehrenamtlich. Gestellt werden allein Kleidung und Verpflegung.

Eisbrecher sorgen für Entspannung

Um der Gefahr Einhalt zu gebieten, sind zurzeit auch schon Oder-Eisbrecher unterwegs. So waren auch am Donnerstag wieder sieben polnische und sechs deutsche Schiffe im Einsatz. Diese bewegen sich in Richtung Schwedt (Uckermark) und sind laut dem Landesamt für Umwelt am Donnertag an der dortigen Oderbrücke angekommen. Bereits am Mittwoch sind die Eisbrecher an der deutsch-polnischen Grenze auf eine große Eisbarriere gestoßen, sagt Regina Jeske Einsatzleiterin beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Eberswalde (Barnim). Bei Widuchowa mussten sich die Schiffe immer wieder auf die Eismassen schieben, um sie mit ihrem Gewicht zu zerstören. Durch den Einsatz sind am Pegel in Schwedt die Wasserstände nun wieder stark gefallen.

Eis Hochwasser auf der Oder 2

Am Freitagvormittag hat Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) seinen Besuch am Grenzfluss angekündigt. Er will sich in Hohenwutzen über die Hochwasser-Lage informieren.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.02.2021, 16:40 Uhr

9 Kommentare

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  1. 9.

    Auch so eine einseitige Auffassung. Deutschland macht nicht nichts und gibt auch keine Anweisungen.
    Wenn der Nachbar etwas machen möchte, was Einfluss auf mich oder mein Grundstück hat, dann hat man das Recht mitzureden.
    Und ja das Deutschland bei manchen Projekten (z.B. Energiewende) jahrelang keine klare Linie gefahren ist, ist ein Problem für die europäischen Nachbarn. Die Kritik dafür muss D einstecken.
    Ob ein Eingriff in die Natur „schlimm“ ist, weiß man aus Erfahrung eben meist erst viele Jahre später oder wenn man sich die Zeit nimmt genau zu prüfen und abzuwägen. Schnellschüsse mit katastrophalen Folgen hat sich die Menschheit nun oft genug geleistet. Die Zyklen der Natur sind einfach langsamer als die der Menschen.

  2. 8.

    Hab ich irgendetwas gegen die Instandsetzung der Buhnen auf polnischer Seite gesagt? Das kann ich fachlich gar nicht einschätzen.
    Und meine Logik behalte ich für mich und lasse sie nicht durch andere verwurschteln.
    Das Polen Gelder der Weltbank explizit für nachhaltigen Hochwasserschutz bekommt und diese nun in die Dauerschiffbarkeit der Oder unter dem Deckmantel Hochwasserschutz steckt, ist mindestens kritikwürdig und auch keine Besserwisserei. Den Vorwurf, dass sie das jahrelang vernachlässigt haben, muss sich Polen schon gefallen lassen.
    Mit einem dauerhaften Schiffsverkehr auf der Oder, habe ich persönlich schon ein Problem.
    Da Sie auf die polnischen Pläne konkret verweisen, wo findet man die? Ich kann kein polnisch.

  3. 7.

    Geht das nicht auch mit Drohnen? 12 h am Deich lang laufen als Ehrenamt, wer macht das?

  4. 6.

    Da Polen und Deutschland den Hochwasserschutz wollen, das Niedrigwasser berücksichtigen wollen, sind die Bedingungen gut, gemeinsam Lösungen umzusetzen. Man muss sich auf Augenhöhe begegnen, wenn es etwas werden soll. Weder hat Polen etwas "Schlimmes" vor, noch hat Dtl. die Meinungshoheit. Nur ideologisches Nichtstun und Anweisen ist wie immer hinderlich. Wir hier müssen überlegen, ob wir mitmachen wollen oder die Auswirkungen des Handelns unserer Nachbarn auf unserer Seite nur durch reagieren spüren werden. Mitmachen ist besser als moralisierend alles besser wissen wollen. Die Tschechen und Polen haben gute Gründe und auch eigene Naturschutzideen nicht ohne Streit im eigenem Land. Schlaue Ideen sind dabei. Egal die machen etwas, auch ohne Dtl., "wenn die nicht wollen".

  5. 5.

    Toll, wie überall, ein Job der u.U. Leben rettet und vor großen volkswirtschaftlichen Schäden bewahrt, was ist er wert? Essen und Kleidung!

  6. 4.

    Und Polen darf jetzt nicht seine Buhnen sanieren? Nein, weil sie schlimme Pläne verfolgen. Bitte mal die polnischen Pläne anschauen und erklären was der Unterschied zwischen einer sanierten polnischen und deutschen Buhne ist. Ich dachte das Ergebnis ist identisch. Nach ihrer Logik würde Deutschland schon seit langem insgeheim die Binnenschifffahrt auf der Oder fördern. Bei den anderen Inhalten stimme ich Ihnen selbstverständlich zu, Hochwasserschutz bedeutet mehr. Und ich stimme zu, es dauert alles viel zu lange. Und Wetter ist unberechenbar und wird es mindestens bleiben. Konkrete Gedankenspiele umsetzen ist schwierig siehe Unteres Odertal. Das aufschlitzen der Deiche aktuell können Sie gern in Hohensaaten bestaunen oder in der MOZ, Ausgabe Bad Freienwalde nachlesen.

  7. 3.

    Sie haben aber schon eine gut gefilterte Wahrnehmung.
    Nur weil es Menschen gibt die nicht von den polnischen Ideen überzeugt sind, ist Hochwasserschutz kein Thema in Deutschland? Zumal die polnischen Interessen wenig mit Hochwasserschutz zu tun haben.
    Was ist denn mit den zurückversetzten und komplett neu gebauten Deichen insbesondere an der Oder? Alles in den letzten 20 Jahren passiert.
    Die Buhnen auf deutscher Seite sind zumindest im Frankfurter Raum in besserem Zustand als in Polen. Das passiert nicht von allein.
    Und der beste Hochwasserschutz findet übrigens nicht am Fluss, sondern an den Zuläufen statt. Und da gibt es gute Diskussionen, konkrete Gedankenspiele und auch Projekte in Deutschland, um zukünftig das Wasser besser zurückzuhalten, auch wenn der Zulauf zur Oder aus D kaum relevant für die Oder ist.
    Das dauert natürlich alles zu lange aber es läuft.
    Manchmal ist es besser das Dinge einfach passieren ohne viel Geräusch und Medienpräsenz.

  8. 2.

    Da ich auf Jerichower/Fischbecker/Tangermünder Seite elberprobt bin, außer wegen Krankheit 2013, würde ich mich als Deichläufer zur Verfügung stellen.
    Mit freundl. Grüßen

  9. 1.

    Gut das die Eisbrecher fahren können, so gibt es es hoffentlich bald Entwarnung. Jetzt können wir nur hoffen Herr Minister Vogel überdenkt beim morgigen Besuch an der Oder seine Haltung zu den polnischen Plänen zur Instandsetzung der Buhnen. Und es wird uns nun vor Augen geführt wie wichtig Hochwasserschutz ist. Bei Hohenwutzen gab es bereits erste leichte Schäden durch Eis, welches die Deiche aufgeschlitzt hat. Viel Erfolg den Besatzungen auf den Eisbrechern! Und danke nach Polen, ohne Sie wäre das Thema Hochwasserschutz leider in Deutschland überhaupt nicht präsent, zumindest bei denen die die Oder nur mal am Wochenende besuchen.

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