Audio: Antenne Brandenburg | 15.01.2021 | Dorett Kirmse, Dilan Polat |

Prozessauftakt in Frankfurt (Oder) - 38-Jähriger gesteht Vermittlung von sieben Scheinehen

Ein Vietnamese soll von Seelow aus Scheinehen mit Landsleuten vermittelt und groß abkassiert haben. Seit Montag steht der 38-Jährige in Frankfurt (Oder) vor Gericht. Zum Prozessauftakt berichtete er detailliert, wie er bei dem Betrug vorging. Von Dorett Kirmse

Eine lukrative Nebeneinnahmequelle soll sich ein 38 Jahre alter Vietnamese, der seit fast 30 Jahren in Seelow in Märkisch-Oderland lebt, verschafft haben. Der Mann soll Scheinehen zwischen seinen Landsmännern und –frauen an Deutsche organisiert haben, so dass die Vietnamesen eine Aufenthaltserlaubnis für Deutschland bekommen. Seit Montag muss sich der 38-Jährige dafür vor dem Frankfurter Landgericht verantworten.

Eigenes Restaurant als Ansprechbasis

Zu Prozessauftakt zeigte sich der 38-Jährige am Montag geständig, bestätigte die Anbahnung von insgesamt sieben Scheinehen. Und er erzählte auch ausführlich, wie alles abgelaufen sei. So berichtete er, dass er zusammen mit seiner Familie ein Restaurant in Seelow (Märkisch-Oderland) betreibt. Diesen Rahmen nutzte er regelmäßig für sein Nebengeschäft. Hier sprach er Frauen an, von denen er wusste, dass sie in Geldnot sind. Kurzerhand bot er Bargeld für das Eingehen einer Scheinehe an.

In Dänemark könne leichter geheiratet werden

Er beteuerte vor Gericht, dass er glaubte, das seine Aktivitäten legal seien. Schließlich sei niemand zur Eheschließung gezwungen worden. Die Vietnamesen sollen bis zu 23.000 Euro pro Eheschließung gezahlt haben. Die erste wurde noch in Seelow geschlossen. Das sei aber in der Folge viel zu kompliziert und langwierig gewesen, sagte der Angeklagte in seiner Einlassung, weil so viele Dokumente benötigt worden seien. Also sei er mit seinen "Eheleuten" und den Hochzeiten nach Dänemark gewechselt. Dort brauche man nur gültige Pässe und eine Meldebescheinigung.

Die deutschen Scheinehepartner hätten für ihre Dienste vom Angeklagten zwischen 5.000 und 8.000 Euro erhalten. Das Geld floss aber nur scheibchenweise an sie, weil die Ehe ja mindestens drei Jahre halten musste, so dass die Vietnamesen dauerhaft in Deutschland bleiben konnten.

Männer wie in Schichten bei Ehefrauen zu Hause

Eine Zeugin, eine der Scheinehe-Partnerinnen hatte bei der Polizei angegeben, dass sie ihren Mann auf einem Supermarkt-Parkplatz kennen gelernt habe. Der Angeklagte stellte dort den potenziellen vietnamesischen Ehemann vor. Doch das sei sehr schwer gewesen, weil die Männer kein Wort Deutsch gesprochen hätten, sagte sie. Teil der Abmachung war es dann auch, dass die Männer sich nach der Hochzeit täglich zwischen sechs und 14 Uhr in ihrer Wohnung aufhalten mussten, für den Fall, dass die Ausländerbehörde mal vorbeischaut.

Ende kommender Woche wird das Urteil erwartet

Das Ganze flog auf, weil eine der Frauen Anzeige erstattete. Seit Ende 2017 hatte die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) den 38-Jährigen und seine mutmaßlichen Komplizen dann im Visier.

Den Angeklagten erwartet eine Haftstrafe zwischen zweieinhalb und drei Jahren. Das ist schon klar, denn das Gericht hat das bereits vorab angeboten, wenn der Angeklagte umfassend gesteht. Da er das tut, kann auch auf mehrere Zeugen verzichtet werden, so dass es in dem Verfahren bereits in der kommenden Woche ein Urteil geben kann.

Seine mutmaßlichen Komplizen sehen gesonderten Verfahren entgegen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.02.2021, 16:40 Uhr

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