Ein Wildschwein steht im Schilf (Quelle: dpa/Volkmar Heinz)
Bild: dpa/Volkmar Heinz

Maßnahme gegen Schweinepest - Schilfflächen in der Neuzeller Niederung werden abgebrannt

In Ostbrandenburg laufen an verschiedenen Fronten Bemühungen, aktuell grassierende Tierseuchen einzugrenzen. Während im Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest Schilfgürtel weichen sollen, wurde in Oder-Spree der erste Fall der Geflügelpest nachgewiesen.

Im Kampf gegen die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) sollen in dieser Woche streifenweise Schilfflächen in der Neuzeller Niederung (Oder-Spree) abgebrannt werden. Wie der Landkreis Oder-Spree bereits vor einer Woche mitteilte [landkreis-oder-spree.de], soll durch das Abbrennen des Schilfgürtels eine schwarzwildfreie Zone zwischen zwei festen Zauntrassen entstehen.

Zum einen gebe es einen Zaun entlang des Oderdeichs, der das Eindringen infizierter Tiere von Polen aus verhindern soll. Parallel dazu solle eine zweite Trasse entlang der B112 "zur Abschirmung des Inlandes" gezogen werden, hieß es. Zwischen beiden Zäunen werde nun eine Zone geschaffen, die mit Hilfe von Jägern dauerhaft frei von Schwarzwild gehalten wird.

Ornithologen einbezogen

Die Schilfbestände würden nicht vernichtet werden, betonte der Kreis in seiner Mitteilung. Nach dem Abbrennen könnte der Schilf möglicherweise sogar dichter wieder aufwachsen. Der Landkreis versicherte, dass Naturschutzbehörden und -verbände involviert seien und die Maßnahme unterstützen würden. "Auch aus ornithologischer Sicht wird eine Entbuschung und Verjüngung der Schilfflächen (...) begrüßt", hieß es. Zuletzt sei auch der hohe Schwarzwildbestand zusehens eine Gefahr für die Bruterfolge der Wiesenbrüter geworden.

Mit einer Drohne werde dennoch überwacht, "dass es zu keiner aktiven Gefährdung von Tieren kommt". Den Angaben zufolge überwacht die Feuerwehr das Abbrennen. Eine Schilfmahd sei auf den feuchten Moorflächen technisch nicht machbar.

Geflügelpest jetzt auch in Oder-Spree nachgewiesen

Unterdessen meldet Oder-Spree, dass erstmals ein Fall der Geflügelpest (H5N8) bei einer Saatgans im Kreis nachgewiesen wurden. Das verendete Tier wurde unlängst in Beeskow gefunden. Das nationale Referenzlabor des Friedrich-Löffler-Instituts auf der Ostseeinsel Riems hat entsprechende hochpathogene Erreger nachgewiesen.

H5N8 wir seit Anfang November 2020 vermehrt bei Wildvögeln zumeist im Nordens Brandenburgs nachgewiesen. Auch ist bereits zu beobachten, dass sich das Virus in Nutzgeflügelhaltungen und anderen Vogelbeständen sind mittlerweile findet. Es ist für Brandenburg aktuell der achte nachgewiesene Fund. Oder-Spree fordert alle Nutztiergeflügelhalter im Kreisgebiet auf, ihre "Biosicherheitsmaßnahmen zu überprüfen und zu verstärken", wie die Kreisverwaltung am Montag mitteilte.

Oder-Spree hat Monitoring seit Dezember hochgefahren

Oder-Spree hatte bereits Mitte Dezember als Vorsichtsmaßnahme bereits ein Aufstallungsgebot erlassen. Demnach sind alle Tierhalter verpflichtet ihr Geflügel in geschlossenen Stallungen oder geeigneten Volieren zu halten. Zusätzlich sind Geflügelausstellungen, - märkte und ähnliches verboten. Zusätzlich hat Oder-Spree Überwachungsmaßnahmen zu tot aufgefundenen oder kranken Wildvögeln verstärkt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 01.03.2021, 10:30 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Nein, im Land Brandenburg ist nach guter alter Tradition das Interesse der Schweineproduzenten identisch mit den Interessen aller Menschen - und wie wir nun erneut staunend hören, sogar identisch mit den Interessen des Naturschutzes! Denn natürlich macht das Feuer einen großen Bogen um alles, was nicht Wildschwein ist. Biber z.B.? Na ja, die stressen eh. Vögel im Schilf? Wir müssen schliesslich auch was gegen die Geflügelpest tun. Und immerhin kommen die beim Verbrennen ja mittels Drohne noch auf ein Video. - Durch die Millionen EUR teuren und hunderte Kilometer langen Schweinezäune werden selbstverständlich ausschliesslich die altbösen Schweine aufgehalten. Alle anderen Tiere, etwa der natürliche Feind des Wildschweins, oder jene Arten, die es zwischen maschinengerechten Agrarflächen, Neubaugebieten und Bundesstraßen bisher noch überleben, werden durch die Zäune weder in ihren Lebensräumen noch in ihrer Revierfindung beeinträchtigt. Wir leben echt in einer Total Schönen Neuen Welt!

  2. 5.

    Da kann man nur hoffen, dass sich an den Rändern der Schilfflächen Jäger befinden, die die sich darin aufhaltenden Wildschweinen weihdgerecht entnehmen und damit dem Ansinnen, die ASP einzudämmen, Nachdruck verleihen.
    Als passionierter Jäger wäre ich gerne dabei.

  3. 4.

    Unverschämt, wie hier die Interessen der Schweinezüchter Vorrang vor Umwelt- und Tierschutz haben. Man fackelt Schilfgürtel ab und tötet durch die Zäune Wildtiere, damit die industrialisierte Massentierhaltung weiter billigst produzieren und in alle Welt exportieren kann. Und die Gülle aus den riesigen Schweineställen wird auf unseren Äckern verklappt, deren Boden so vergiftet und unser Grundwasser durch Nitrate verunreinigt wird.

    Ich finde, das ist ein Skandal! Mal wieder setzen sich wirtschaftliche Einzelinteressen von großen Agrarunternehmen durch, egal was es uns kostet und egal, welche Umweltschäden es verursacht.

  4. 3.

    Früher wurden auch Schilfrohr abgebrannt hat auch keinen geschadet. So haben die Schweine kein Unterschlupf mehr.

  5. 1.

    Schreibfehler: "HJilfe von Jäger" - bitte ändern.

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