Archivbild: Das Landgericht Frankfurt (Oder) am 19.06.2018 (Bild: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 29.03.2021 | Dorett Kirmse | Bild: dpa/Patrick Pleul

Prozess um größten Heroinfund Deutschlands - 65-Jähriger Drogenschmuggler zu sechseinhalb Jahren verurteilt

Es war der größte Heroin-Aufgriff in Deutschland: In einem Laster wurden unter Süßigkeiten 650 Kilo Drogen gefunden. Jetzt hat das Landgericht Frankfurt (Oder) den Lkw-Fahrer verurteilt. Der entscheidende Tipp bei der Suche nach dem Mann kam aus den Niederlanden.

Das Landgericht Frankfurt (Oder) hat einen 65 Jahre alten Drogenschmuggler im Prozess um den größten Heroinfund Deutschlands am Montag zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht blieb damit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die zehn Jahre beantragt hatte.

Die Verteidigung verlangte hingegen einen Freispruch, weil der Angeklagte nicht gewusst habe, dass er 650 Kilogramm Heroin im Wert von rund 14 Millionen Euro Tausende Kilometer durch Asien und Europa transportiert habe.

Bande längere Zeit im Fokus der Ermittler

Das Gericht sah das aber anders: In der Urteilsbegründung hieß es am Montag, dass es mehrere Hinweise darauf gab, dass der Fahrer genau Bescheid wusste. Unter anderem schaltete der Fahrer immer erst kurz vor den Grenzkontrollen die Kühlung für die Ladefläche an. Zudem wurde mehrfach die eingeschlagene Route geändert. Das Heroin soll laut Anklageschrift aus dem Iran stammen, das in Kirgisistan verpackt wurde, um dann über Polen und Deutschland in die Niederlande gebracht zu werden.

Niederländische Fahnder hatten bereits seit Anfang 2018 eine Bande überwacht, die verschiedene Drogen aus Kirgisistan in die Niederlande geschmuggelt haben sollen. Es wurden Telefone überwacht und in den mitgehörten Gesprächen war unter anderem auch von dem Herointransport die Rede.

Parallel zu dem Verfahren in Frankfurt (Oder) liefen auch mehrere Verfahren in den Niederlanden gegen die Hintermänner der Bande. Der am Montag verurteilte Fahrer gehört übrigens zur Bande. Das hat das Gericht klargestellt. Er habe die Fahrt wegen akuter Geldnot übernommen.

Entschiedender Tipp aus Niederlanden

Im Mai 2019 gaben die Niederländer dem deutschen Zoll dann den entscheidenden Hinweis. Die Beamten stoppten den Laster auf der A 12 bei Fürstenwalde (Oder-Spree). Die auf der Ladefläche versteckten 650 Kilogramm Heroin waren die bislang größte Menge, die jemals in Deutschland beschlagnahmt wurde.

Der Prozess am Frankfurter Landgericht dauerte insgesamt ein Jahr und vier Monate. Wegen der Corona-Pandemie musste er im vergangenen jahr längere Zeit unterbrochen werden.
Hinzu kamen Probleme bei der Vernehmung der Zeugen. Die niederländischen Ermittler erschienen erst nicht vor Gericht. Dann stellte sich heraus, dass sie überhaupt keine Aussage-genehmigung von ihrer Behörde für das Verfahren am Frankfurter Landgericht hatten. Als sie dann schließlich aussagen durften, sollten sie per Videoschalte vernommen werden, aber die Verbindung brach immer wieder zusammen. So verzögerte der Prozess sich immer weiter.

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.03.2021, 11:30 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Und der Fahrer hatte mit dem ganzen nichts zu tun und hatte keinen Anteil, keine eigenen finanziellen Interessen? Tut mir leid, aber laut Bericht hat der voll mit dringehangen und sein Verhalten deutete sehr wohl darauf hin, dass er genau wusste, was er da tat. Über die Höhe der Strafe kann man, gerade im Vergleich mit anderen Delikten, sehr wohl unterschiedlicher Auffassung sein, aber "nur der Fahrer" war der Verurteilte sicher nicht. Er war sogar ein entscheidendes, wenn auch kleines Rädchen im großen Getriebe. In den Herkunftsländern der Drogen wäre er jedenfalls so glimpflich nicht davon gekommen.

  2. 5.

    Ich gehe mal davon aus, dass Sie jetzt die Urteilsbegründung wissen. So wie ich auch. Er war nur der Fahrer und hatte sonst mit den Drogen nichts zu tun. Um es salopp auszudrücken.

  3. 4.

    Vllt hängt das Gericht der Zahlenmystik an: 650 kg transportiert von einem 65-jährigen gibt natürlich 6,5 Jahre... Wie auch immer, faszinierend sind die Gründe für die Prozessverzögerung im EUropa des Jahres 2021: erst fehlt die Aussage-Genehmigung der Niederländer, und dann brechen die Leitungen zusammen - EU weia. (Bin theoretisch durchaus EU-Sympathisant, aber das ist schon wieder sehr ernüchternde Praxis.)

  4. 2.

    Den Ermittlungsbehörden, insbesondere den Beamten aus den Niederlanden, Glückwunsch für diesen Erfolg. Das das Urteil wieder die typische deutsche Milde zeigt, ist bedauerlich. Wenn man bedenkt, wie viel Elend diese 650 kg Heroin unter den Süchtigen verbreitet hätten. Denn Heroin ist eine der Drogen die Sucht und viel Elend hervorbringt.
    Auch hier werden wieder die Drogenbefürworter schreiben wie wünschenswert die Freigabe von Drogen wie Heroin doch sei und dann kommt der absurde Vergleich mit Alkohol. Aber diesen Leuten sei gesagt, ja Alkohol bringt auch Süchtige hervor aber uns sollte doch das eine Suchtmittel reichen und da muss nicht noch der Markt erweitert werden um noch mehr Süchtige hervorzubringen.
    Daher ist es gut, dass soviel wie möglich von diesem Gift dem Verkauf entzogen und vernichtet wird.

  5. 1.

    10 Jahre wären hier auch angemessen gewesen. Aber sicher auf Grund des Alters herabgestuft worden.

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