Symbolbild: Zebrastreifen in Krakau, Polen (Quelle: dpa/Dominika Zarzycka)
Bild: dpa/Dominika Zarzycka

Straßenverkehr - Zebrastreifen in Polen werden fußgängerfreundlicher

Bislang mussten Autos und Motorräder an polnischen Zebrastreifen nur anhalten, wenn sich die Fußgänger bereits auf der Straße befanden. Anders als in Deutschland hatten Fußgänger am Fußgängerüberweg keinen Vorrang. Solange sie noch am Straßenrand standen, durften die PKWs weiterfahren.

Mit dieser Regelung verzeichnet Polen deutlich mehr Unfälle als die Länder der EU im Durchschnitt. Während EU-weit zehn Fußgänger je eine Million Einwohnenden im Straßenverkehr sterben, sind es in Polen 22. Darüber hinaus wurden sie immer wieder wegen Eindringens in den Straßenverkehr für mitschuldig erklärt. Was die Sicherheit betreffe, bezeichnet ein Polizeisprecher der Stadt Warschau das Land als schwarzen Fleck im Straßenverkehr.

Kaum Konsequenzen bei überhöhter Geschwindigkeit

Das soll sich jetzt ändern. Im Juni tritt ein neues Gesetz in Kraft, das die Rechte der Fußgänger stärkt. Autofahrer müssen dann Acht geben, bevor Fußgänger auf der Straße stehen. Dafür dürfen diese die Straße nicht mit Handy am Ohr überqueren.

Jan Mencwel von der Initiative Miasto Jest Nasze (Die Stadt ist unser), begrüßt diese Veränderung: "Bislang konnte ein Fahrer einem Passanten, der am Zebrastreifen wartet, quasi über die Zehen fahren." Herabgesetzt werden soll auch die nächtliche Geschwindigkeitsbegrenzung in geschlossenen Ortschaften. Ob sich hierdurch die Zahl der Unfälle reduziert, bleibt abzuwarten. Denn geblitzt wird bisher kaum und selbst wer mit stark überhöhter Geschwindigkeit erwischt wird, muss umgerechnet nur 100 Euro zahlen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.03.2021, 15:40 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Ich kann in unserer Grenzstadt nur immer wieder feststellen, dass außer Fahrschulfahrzeugen die polnischen Kraftfahrer auch an gekennzeichneten Straßenübergängen viel rücksichtsvoller und entgegenkommender sind als unsere Landsleute. Auch die großen Brummis schließe ich da mit ein. An den Kreisverkehren dagegen kennt anscheinend niemand so recht die Verkehrsregeln. So meine persönliche Erfahrung.

  2. 1.

    Zugegebenermaßen geht es in unserem Nachbarland schon etwas Archaischer zu und so manch einer fragt sich, wieso denn er oder sie als stolzer Besitzer und Fahrender eines Automobils vor Denjenigen Halt machen sollte, die sich "nur" zu Fuß bewegen. Jetzt kommt für die gefühlte Mehrheit der Polen eine äußere Regelung hinein, die hoffentlich nach und nach auch zu einer inneren Regelung wird, sodass da bald nicht mehr großartig darüber nachgedacht werden muss.

    Bislang kann es jedenfalls vor Zebrastreifen immer noch zu Missverständnissen kommen zwischen Polen und denjenigen, die Polen nur besuchen.

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