Bestattungskultur - Der Wald nimmt dem Tod etwas von seiner Bedrohlichkeit

Ruheforst Schlaubetal
Audio: Antenne Brandenburg | 17.03.2021 | Lucia Heisterkamp | Bild: Lucia Heisterkamp/rbb

Die Bestattungskultur befindet sich im Wandel. Immer mehr Menschen wollen ihren Hinterblieben nach ihrem Ableben nicht die Grabpflege aufbürden. Die Mehrheit entscheidet sich für eine Urnenbeisetzung - doch längst nicht mehr nur auf Friedhöfen.

Lothar Budach mag es individuell. Auch im Tod soll es für den Ostbrandenburger über das Übliche hinausgehen. Daher hat sich der Forstarbeiter zusammen mit seiner Frau dafür entschieden, später in einem Ruheforst unter einem Baum beigesetzt zu werden.

Mit seinem Wunsch liegt der 60-Jährige voll im Trend, denn die deutsche Bestattungskultur befindet sich im Wandel: Schon seit Jahren weicht die traditionelle Erdbestattung immer mehr der Feuerbestattung.

Nach Angaben der Bestatter-Innung Berlin-Brandenburg machen Urnenbestattungen mittlerweile einen Anteil von rund 60 Prozent aus. Viele wollten ihren Hinterbliebenen mit der Grabpflege nicht zur Last fallen, heißt es immer wieder. Während einige anonyme Urnengräber bevorzugen, setzen andere wie Budach auf Ruheforste, wo Urnen unter Bäumen beigesetzt werden können.

Im Schlaubetal im Landkreis Oder-Spree befindet sich ein solcher Ruheforst. Die Stiftung "Stift Neuzelle" hatte ihn Ende vergangenen Jahres in der Nähe des Forsthauses Siehdichum eröffnet. Derzeit stehen dort 400 Bäume zur Verfügung, unter denen die sterblichen Überreste beigesetzt werden können.

Im Schlaubetal im Landkreis Oder-Spree befindet sich so einer. Die Stiftung Stift Neuzelle hat Ende vergangenen Jahres in der Nähe des Forsthaus Siehdichum einen Ruheforst eröffnet. Den Angaben zufolge stehen derzeit 400 Bäume zur Verfügung, unter denen die sterblichen Überreste beigesetzt werden können.
Im Schlaubetal im Landkreis Oder-Spree befindet sich so einer. Die Stiftung Stift Neuzelle hat Ende vergangenen Jahres in der Nähe des Forsthaus Siehdichum einen Ruheforst eröffnet. Den Angaben zufolge stehen derzeit 400 Bäume zur Verfügung, unter denen die sterblichen Überreste beigesetzt werden können.

Vorher alles geklärt

Und auch Lothar Budach hat sich bereits im Schlaubetal eingekauft. Zusammen mit seiner Partnerin will er später unter einem Baum mit Seeblick beigesetzt werden. Idyllisch, meint er, denn nur wenige Meter daneben befindet sich eine Bank, wo Angehörige ihnen dann sehr nah sein könnten.

Budach hat als Forstarbeiter sein halbes Leben im Wald verbracht. Auch deshalb möchte er später nicht auf einem konventionellen Friedhof bestattet werden, sondern mitten in der Natur.

Auslöser dafür, sich überhaupt mit dem Thema zu befassen, waren allerdings zwei Sterbefälle in der Familie, die im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie standen. Da habe er Gänsehaut bekommen und ist ins Grübeln gekommen. Er habe gesehen, wie schnelllebig die Welt sei. "Und deswegen wollte ich das alles vorher geklärt haben. Ich habe einen Baum ausgesucht, dann haben die Kinder nachher nicht mehr die Verpflichtung", erklärt er.

Bereits viele Bäume reserviert

Im Schlaubetaler Ruheforst haben bereits die ersten Verstorbenen ihre letzte Ruhestelle gefunden. Beleg dafür sind kleine Plätten mit Namen an einigen Bäumen. Insgesamt finden die Überreste von zwölf Menschen unter einem Baum Platz. Zudem haben die Ruheforst-Planer der Stiftung "Stift Neuzelle" auch Platz für Familien- oder Freundschaftsbäume gelassen.

Seit Oktober hat die Stiftung bereits 100 Reservierungen entgegengenommen, sagt Stiftungssprecher Boris Schnittker. Die Mehrzahl der Interessenten kämen aus der Gegend. "Ganz offensichtlich identifizieren sich viele Personen aus der Region mit dem Schlaubetal."

Ausreichend Platz für Individualität

Der Schlaubetaler Ruheforst ist mit einem kleinen Andachtsplatz mit Holzbänken und einer Engelsstatue ausgestattet. Hier können auch Trauerfeiern abgehalten werden. An eine bestimmte Konfession ist der Ruheforst dabei nicht gebunden. "Hier kann sich jeder bestatten lassen, der mag", betont Schnittker. Zudem gebe es auch keine vorgeschriebenen Rituale für Trauerfeiern. "Das lässt sich individuell gestalten."

Dass sich viele Menschen eine Beisetzung im Schlaubetaler Ruheforst vorstellen können, freut Schnittker. Er führt dieses Interesse auch auf die Atmosphäre im Wald zurück, die Themen wie Tod und Sterben etwas von ihrer Bedrohlichkeit nimmt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 17.03.2021, 14:40 Uhr

6 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 6.

    Die Holländer sind noch viel weiter, meine Mama, d.h. ihre Asche haben wir hier verstreut, den Platz haben wir uns selbst ausgesucht, wir brauchten noch nicht einmal eine Urne. Wir wissen, wo ihre Asche verstreut ist, wir können Blumen dort in einer Vase hinstellen, das wichtigste ist, sie bleibt in unseren Herzen. Das ist genau das, was sie sich gewünscht hätte, und was ich mir auch für mich wünsche.

  2. 5.

    Ich bin extra mal vor einer Weile nach Fürstenwalde gefahren, um mir den dortigen Friedwald anzuschauen, da ich rund um Berlin nichts Vergleichbares gefunde hatte. Der Friedwald dort gefällt mir sehr gut und ich habe schon mal sicherheitshalber meinem Umfeld bescheid gegeben, dass ich dort gerne enden würde.

    Die deutsche Begräbnis- und Trauerkultur ist völlig veraltet und überholt. Es wird Zeit, dass jüngere Generationen bei deren (Um)gestaltung mitreden dürfen und dass mehr Alternativen für nichtreligiöse Menschen zugelassen werden.

  3. 4.

    Solange der Wald nicht dem Klimawandel zum Opfer gefallen ist, schön.

  4. 3.

    Als meine jüngste Tochter 2009 starb, sagte ihre ältere Schwester „bloß keinen Grabstein!“ Einige Wochen vorher hatte ich einen Bericht über einen Friedwald gesehen und an den erinnerte ich mich. Wir haben uns für Hangelsberg bei Grünheide entschieden. Wir suchten einen Gemeinschaftsbaum, eine Buche, aus. Sie sollte nicht alleine liegen. Der große Vorteil ist, man kann hingehen, muss es aber nicht, wenn es emotional zu belastend ist. Es gibt keinen Zwang, ein Grab zu pflegen, das macht die Natur. Ich habe vor ein paar Jahren eine Buchecker mitgenommen und es ist tatsächlich ein Baum daraus gewachsen. Für mich ist meine Tochter sowieso nicht im Wald, sie ist immer in meinem Herzen. Und die Besuche im Wald, die natürlich emotional sind, haben auch etwas Tröstliches. Ich bin sehr froh, dieses Alternative zu haben.

  5. 2.

    Auf dem Bild von Lucia Heisterkamp (siehe oben am Artikelanfang)findet man unter dem Namen "Ruheforst Schlaubetal" eine frei interpretierte Zeile aus einem Goethe-Gedicht. Im Original lautet das Goethe-Gedicht "Wanderer Nachtlied" tatsächlich so:
    Über allen Gipfeln
    Ist Ruh,
    In allen Wipfeln
    Spürest du
    Kaum einen Hauch;
    Die Vögelein schweigen im Walde.
    Warte nur, balde
    Ruhest du auch.

  6. 1.

    Da der Tod ja zum Leben gehört sollte man sich damit befassen was passieren soll wenn er dann da ist.
    Ich habe mich über diese Art von Bestattung mal richtig informiert. Eine wunderbare Sache.
    Ich glaube das in der Bestattungsart sich in nächsten Jahren vieles ändern wird, weil die Friedhöfe zu klein sind.
    Ich und mein Mann haben alles geregelt.

Nächster Artikel