Mini-U-Boot im Werbellinsee - Die Vermessung der Kaffenkähne

u-boot nemo werbelinsee
Video: rbb|24 | 20.03.2021 | Autor: Michael Lietz | Bild: Michael Lietz/rbb

Im Werbellinsee ist aktuell ein Mini-U-Boot unterwegs. Experten versuchen unter Wasser, einen vor 135 Jahren gesunkenen Holzkahn zu vermessen. Ziel ist es, ein 3-D-Modell davon zu fertigen. Von Michael Lietz

Michaela Reinfeld steht fröstelnd am Ufer des Werbellinsees. Die Archäologin wartet auf ihr Arbeitsmittel - auf ein orangenes Mini-U-Boot. Reinfeld will auf dem Grund des Sees nach Wracks tauchen, die seit dem 18. und 19. Jahrhundert dort fast unberührt liegen. Lastenkähne, die heißbegehrte Baustoffe nach Berlin bringen sollten.

Doch immer wieder kam es zu Unglückfällen, die Boote kenterten und sanken in die Tiefe. Noch etwa ein Dutzend Kähne lassen sich dort heute ausmachen. Für Archäologen ein spannender Trip in die Arbeitswelt der Gründerzeit.

Mit einem orangen Zweisitzer geht es in die Seetiefen

Das Mini-U-Boot, auf das Reinfeld wartet, bietet im Inneren gerade mal zwei Personen Platz. Durch halbrunde Plexiglasscheiben haben die Insassen dafür gute Sicht nach allen Seiten.

Und dann geht es los. Ein Extraschiff zieht das U-Boot mitten auf den Werbellinsee. Reinfeld nimmt letzte Handgriffe vor, montiert Kameras an ein Gestell, das sie an der Seite des Tauchbootes befestigt. Mit den Kameras sollen Videoaufnahmen und Serienbilder aufgenommen werden, eine lückenlose Dokumentation der Funde, die es so bislang nicht gab.

Oft überladen unterwegs

"Das Wrack liegt in etwa 34 Meter Tiefe“, sagt Reinfeld. Als Taucher könne man in so einer Tiefe nicht lange arbeiten. "Deshalb starten wir zum ersten Mal den Versuch, den Kaffenkahn am Dornbusch mit einem U-Boot zu untersuchen", erklärt die Archäologin.

Kaffenkähne waren etwa 30 Meter lange Holzboote. Vor 100 bis 200 Jahren brachten sie Baumaterialen aus der Mark ins schnell wachsende Berlin. An der Spree gab es einen enormen Bedarf an Ziegeln, Ton, Holz und Steinen. Deshalb gingen die Kähne oft überladen auf Tour. "Und wenn sie dann in wechselnde Wetterlagen gerieten, kenterten sie schnell und versanken", erklärt Bernd Leschnik vom Kaffenkahn-Verein.

Ideale Sichtverhältnisse unten

Die Ehrenamtlichen kümmern sich seit vielen Jahren um die Dokumentation der im See versunkenen Kähne. Ein geborgenes Wrack steht heute übrigens im Berliner Technik-Museum. Auf dem Grund des Werbellinsees liegen aber immer noch ein Dutzend solcher Kähne.

Mit U-Boot-Kapitän und Erbauer Thomas Breinig geht es dann in die Tiefe. Die Sicht ist ideal. Am Ende des Winters ist die beste Zeit für solche Tauchgänge, erklärt Breinig. Bojen markieren die Stelle, an denen das Dornbusch-Wrack liegt. Das Unglück soll übrigens nur der Schiffsjunge überlebt haben.

Wrack ist noch gut erhalten

Immer wieder gibt Reinfeld Kommandos, um die richtige Position für die Film- und Fotoaufnahmen zu erreichen. "Wichtig ist es, mit dem Boot keine Sedimente aufzuwühlen oder gar das Wrack zu zerstören", sagt sie. Etwa eine Stunde bleibt bis zum Auftauchen. Dann müssen die Akkus der Scheinwerfer gewechselt werden. "Das Schiff ist gut erhalten, auch wenn die Kajüte zerstört ist", berichtet Reinfeld, bevor sie später zum zweiten Tauchgang aufbricht.

Ergebnisse sollen in ein 3-D-Modell fließen

Nach Abschluss der Tauchgänge wartet auf Reinfeld noch viel Arbeit. Alles muss aufgearbeitet werden, denn die Ergebnisse sollen später öffentlich zugänglich sein. Außerdem soll ein 3-D-Modell erstellt werden. Die Ehrenamtlichen des Kaffenkahn-Vereins hoffen, dass auch noch die anderen versunken Boote erkundet werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 18.03.2021, 15:10 Uhr

1 Kommentar

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  1. 1.

    Das Ausstellungsstück im Technikmuseum habe ich mir schon mit meinen Kindern angesehen. Ich finde es äußert spannend einen Eindruck zu erhalten, wie früher gelebt und gearbeitet wurde. Das nach so langer Zeit noch Holzboote im Wasser zu finden sind finde ich faszinierend.

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