Symbolbild: Studierende sitzen unter Wahrung der Abstandsregel in einem Hörsaal und warten auf den Beginn der Klausur. (Quelle: dpa/Uwe Zucchi)
Bild: dpa/Uwe Zucchi

Wiederholungsprüfung für knapp 360 Studierende - Viadrina annuliert Online-Klausuren nach Mogeleien

Online-Vorlesungen und -Prüfungen sollen den Unibetrieb in Corona-Zeiten am Laufen halten. Bei Klausuren öffnet der digitale Modus allerdings auch neue Möglichkeiten zu mogeln. An der Viadrina kam es jetzt zu Zwischenfällen.

Die Frankfurter Europa-Universität Viadrina hat zwei Online-Klausuren der Wirtschaftswissenschaften nach großflächigem Betrug annulliert. 357 Bachelor-Studierende der Wirtschaftsinformatik und des englischsprachigen Studienangebots "Business Informatics" müssen deshalb noch einmal zur Prüfung antreten, wie die Viadrina am Donnerstag mitteilte. "Es hat in erheblichem Umfang - bei etwa einem Fünftel der Teilnehmenden - Täuschungen gegeben", sagte Viadrina-Präsidentin Julia von Blumenthal dem rbb.

Bei insgesamt 65 Studierenden waren die Lösungen so frapierend ähnlich, dass etwas nicht stimmen konnte, erklärte sie. Es bestand zunächst der Verdacht, dass Prüfungsaufgaben vorher bekannt waren. Doch es habe sich herausgestellt, dass bei der zweistündigen "Open-Block-Klausur" Messenger-Dienste genutzt wurden und Studierende verbotenerweise Lösungen austauschten.

Prüfungswiederholung aufgrund von Chancengleichheit

Bei der aufgrund der Corona-Pandemie am 10. März online abgehaltenen Prüfung gab es allerdings nur ein Kommunikationsverbot - sämtliche Hilfsmittel und Materialien waren zugelassen, hieß es. Umso unverständlicher sei die Täuschung.

"Der notwendige Vertrauensvorschuss ist aufgebraucht", erklärte Viadrina-Sprecherin Michaela Grün in diesem Zusammenhang. Viele Prüfungen könnten wegen der hohen Hygiene-Auflagen einfach nicht im Präsenzmodus abgehalten werden. Wenn dies ausgenutzt werde, bleibe keine andere Lösung, als im Sinne der Chancengleichheit die Klausur im Präsenzmodus zu wiederholen, so Grün weiter. Es tue ihr für alle Studierenden leid, die nicht getäuscht hätten und jetzt noch einmal antreten müssten.

Betrugsversuche vermerkt

"Die nachgewiesenen Täuschungsversuche wurden geahndet, um insbesondere auch gegenüber den ehrlichen Studierenden eine deutlich unterschiedliche Behandlung zu zeigen", erklärte von Blumenthal. Es sei ein entsprechender Eintrag in die jeweiligen Studierenden-Akten vorgenommen worden.

Die Prüfungen werden vom 7. bis 9. April 2021 in Präsenz und unter Einhaltung der pandemiebedingten Vorschriften und Auflagen durchgeführt. Ein Zweittermin folgt im Mai. Um in Zukunft Betrugsversuche zu verhindern, sollen Aufgabenstellungen pro Online-Klausur in mehreren Versionen ausgegeben werden. So sollen eventuelle Absprachen erschwert werden, weil schlicht nicht klar sei, wer welches Aufgabendesign erhalten hat, erklärte Grün.


Sendung: Antenne Brandenburg, 25.03.2021, 12:30 Uhr

4 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 4.

    Mhhh ... J.B.O. - Alles Nur Geklaut ;-)

  2. 3.

    Dem kann ich nur beipflichten. Es wurde und wird immer geschummelt, nur man muss so intelligent sein, dass es nicht auffällt. Das war hier wohl zu auffällig und damit auch nicht belohnenswert....

  3. 2.

    Später im Berufsleben leben Firmen vom geteilten Wissen untereinander. Sie haben also alles richtig gemacht. Da hat nur jemand die anderen "empowered".

  4. 1.

    Da muss man sich als ehemalige Studentin der Wirtschaftswissenschaft der Uni Magdeburg wirklich fragen, wie man auf die Idee kommt bei einer "Kofferklausur" noch betrügen zu müssen. Kleiner Tipp an die Uni Frankfurt aus meiner Studienzeit. Bei uns gab es Zwischenklausuren, die bereits 40% der Endnote ausmachten. Und damit es noch mehr Spaß machte im Sommersemester immer am Freitag direkt nach Himmelfahrt.

Nächster Artikel