Waldbrandsaison beginnt - Zweite Waldbrandzentrale öffnet in Eberswalde

Koordinator einer Waldbrandzentrale sitzt vor mehreren Computermonitoren und überwacht Waldflächen. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

In den letzten Jahren hat es in Brandenburger Wäldern mehrer hundert Mal gebrannt. In Eberswalde hat daher am Montag die zweite modernisierte Waldbrandzentrale im Land ihre Arbeit aufgenommen. So sollen Waldbrände früher entdeckt werden. Von Anna Bayer

Den Panoramablick über die Baumkronen haben die fünf Mitarbeitenden der Waldbrandzentrale Nord in Eberswalde (Barnim) seit Montag jeden Tag. Mit Kameras, die in 30 Meter Höhe in den Baumwipfeln installiert sind, kontrollieren sie, ob sich Rauch entwickelt. In dem Großraumbüro zeigen an jedem Arbeitsplatz drei Bildschirme die Aufnahmen aus den Bäumen an; an die Wände sind Karten projiziert. Für Forstminister Axel Vogel (Bündnis90/Die Grünen) hat sich dieses System bewährt: "Die Sensoren sind landesweit verteilt und melden einen möglichen Brand, also eine Rauchentwicklung." Schlägt das System an, werde sofort eine Fernerkundung durchgeführt und auf Knopfdruck die Leitzentrale der Feuerwehr informiert.

Grenzüberschreitende Brandbekämpfung

Von Eberswalde aus haben die Mitarbeitenden sieben Landkreise im Westen und Norden Brandenburgs im Blick. Gemeinsam mit der Waldbrandzentrale Süd, die im vergangenen Jahr in Wünsdorf (Teltow-Fläming) eröffnete, wird der brandenburgische Wald jetzt mit moderner Früherkennung überwacht. Die bisher sechs Waldbrandzentralen wurden zu zweien zusammengefasst und modernisiert.

Zusätzlich gibt es jetzt die Möglichkeit zur grenzübergreifenden Waldbrandbekämpfung. Wenn in Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen-Anhalt das System ausfällt, kann Eberswalde die Überwachung übernehmen, denn die Systeme sind einheitlich. Laut Raimund Engel, Waldbrandschutzbeauftragter des Landes Brandenburgs, ist das ein entscheidender Fortschritt: "Ich hoffe, dass wir Waldbrände noch früher erkennen können." Die Technik sei jetzt auf dem aktuellen Stand.

Modernisierung mit 4,2 Millionen Euro

44 Kameras senden ihre Bilder an die Zentrale in Eberswalde. Landesweit erfassen 105 Sensoren aufsteigenden Rauch und alarmieren den Brand- und Katastrophenschutz. Forstministervogel erwartet mit dem sich verstärkenden Klimawandel mehr Waldbrände in Brandenburg. Im vergangenen Jahr wurden in Brandenburg bei 287 Bränden etwa 115 Hektar Wald vernichtet. In den beiden Jahren zuvor brannte es an über 400 Stellen. 4,2 Millionen Euro hat der Landesbetrieb Forst Brandenburg nach eigenen Angaben aus dem EU-Fonds zur Entwicklung des ländlichen Raumes in den letzten drei Jahren in die Modernisierung der Früherkennungssysteme investiert.

Die 133 Feuerwachtürme, auf denen Forstmitarbeiter mit dem Fernglas früher nach Bränden schauten, hätten lange ausgedient, sagte Minister Vogel bei der Eröffnung der neuen Zentrale. Trotzdem sei es weiterhin hilfreich, wenn Spaziergänger im Wald aufmerksam bleiben und einen Brand sofort der Feuerwehr melden. "Viele Bürgerinnen und Bürger haben ihr Handy im Wald dabei und tun das einzig Richtige, wenn sie einen Brand erkennen: Sie rufen den Notruf 112", so Waldbrandschutzbeauftragter Engel.

Feuerwehrleute fehlen im ländlichen Raum

Doch auch mit dem besten Frühwarnsystem brauche man immer noch Leute, die die Brände löschen, erinnert Minister Vogel: "Ein Problem ist, dass es mit dem demografischen Wandel zunehmen schwierig wird, im ländlichen Bereich freiwillige Feuerwehrleute zu finden."

In Brandenburg beginnt am 1. März die Waldbrandsaison. Ab diesem Tag aktualisiert das Umweltministerium täglich die Waldbrandgefahrenstufen der Landkreise.

Beitrag von Anna Bayer

1 Kommentar

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  1. 1.

    Sehr gut das man die technischen Möglichkeiten des 21Jhd. endlich mal ausschöpft. Das Feld der Waldbrandbekämpfung sollte Brandenburg als zukünftiges Innovationsfeld und Markt verstehen, da geht noch mehr.

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