Wartburg-Automobilwerk (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger(
Audio: Antenne Brandenburg | 09.04.2021 | Anna Bayer | Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Produktionsstopp vor 30 Jahren - Echte Wartburg-Liebe endet nie

In der DDR heiß begehrt, nach der Wende ging die Ära der Ost-Karosse für immer zu Ende. Am Samstag vor 30 Jahren lief im thüringischen Eisenach der letzte Wartburg vom Band. In Briesen bei Frankfurt (Oder) ist der Wartburg noch immer die Nummer 1. Von Anna Bayer

Vor der Wende warteten DDR-Bürger bis zu 15 Jahre und länger, bis sie an ihren nagelneuen Wartburg kamen. Bis zu 21.000 DDR-Mark verlangte der Staat. Auch im gebrauchten Zustand musste ein fünfstelliger Betrag gezahlt werden. Doch nach der Wende war der technisch vollkommen veraltete Wagen nicht mehr verkäuflich. Am Samstag vor 30 Jahren lief deshalb das letzte Gefährt im thüringischen Eisenach vom Band. Aus dem heutigen Straßenverkehr sind sie nahezu verschwunden.

Blick in die Produktionshalle des Wartburg-Werks (Quelle: dpa)
| Bild: dpa

"Meine kleine lila Rennflunder"

Nur vereinzelt gehören sie noch zum Straßenbild wie in Briesen bei Frankfurt (Oder). Dort tuckert Malermeister René Heyer mit einem Wartburg als Dienstwagen zu seinen verdutzt guckenden Kunden. "Meine kleine 'lila Rennflunder' sag ich immer dazu. Das ist ein 1.3er, der verfügt schon über einen Viertaktmotor", erklärt Heyer fachkundig.

Der Malermeister ist ein echter "Wartburg-Liebhaber". In seiner Garage nahe der A12 hortet er neun fahrbereite Modelle. Drei davon sind noch für den Straßenverkehr zugelassen. Seine Liebe zum Wartburg stammt aus der Kindheit. Bereits seine Eltern nutzten einen als Firmenwagen. "Wie man sich vorstellen kann, musste da immer was dran geschraubt werden." Das Auto war Baujahr 1958. Da habe er schon als kleiner Steppke mit seinem Vater dran rumgeschraubt. "Und als ich 1991 meinen Führerschein gemacht habe, war mein erstes Auto gleich ein alter 353", sagt Heyer und verzieht dabei ganz verzückt sein Gesicht.

Wartburg-Erhalt ist Do-it-yourself

Es verstehe sich von selbst, sagt Heyer, dass er seine jetzigen Karossen alle selbst auf Vordermann hält: Karosserie schweißen, Bremsbelag erneuern - alles kein Problem, sagt Hayer.

Zum Glück könne er sein Hobby mit Gleichgesinnten im Wartburgclub Berlin-Brandenburg teilen. Zu Spitzenzeiten hatte der Club rund 100 Mitglieder. Aktuell sind Treffs aufgrund der Kontaktbeschrängungen in der Corona-Pandemie untersagt. "Als ich 1991 mit meinem ersten Wartburg anfing, dachte ich, dass ich der letzte Mohikaner bin." Zehn Jahre später stieß er im Internet auf den Club. Da sei gleich klar gewesen, dass er Mitglied werden muss.

DDR-Autos auf dem Schrott. (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)

Liebhaber zahlen bis zu 30.000 Euro

Laut Kraftfahrtbundesamt fahren auf Brandenburgs Straßen zurzeit von mehr als 1.600.000 produzierten Fahrzeugen noch 1.500 Wartburgs [kba]. Zulassungsschwierigkeiten habe man mittlerweile nur noch selten, sagt Heyer: "Mein Auto hat sogar eine grüne Umweltplakette. Läuft, fährt wunderbar, man kann nicht meckern."

Und auch unter Oldtimer- und Bastelfreunden wird das DDR-Geschoss immer beliebter, wie die Verkaufspreise im Internet es beweisen. Teilweise muss man für einen gut erhaltenen Wartburg 30.000 Euro auf den Tisch legen. Als die Mitarbeiter der Auto-Fabrik in Eisenach vor 30 Jahren dem Wartburg das letzte Geleit gaben, hätten sie wohl nicht gedacht, dass das Auto wieder so begehrt werden würde.

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.04.2021, 16:10 Uhr

Beitrag von Anna Bayer

24 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 24.

    Hallo, Angela, danke für den Tipp!
    Die Fehlermeldungen kenne ich aber; ich drücke dann ein zweites Mal, und dann geht es für gewöhnlich.
    Aber vielleicht habe ich gestern am späten Abend auch einmal nicht so darauf geachtet... :-)
    Einen schönen Abend noch!

  2. 23.

    Ich finde es ganz toll, wenn und dass Leute ihre alten Autos hegen und pflegen, ob nun Wartburg, Trabant oder 50er-Jahre-Opel. Vielen Dank an den RBB für diese schöne Reportage bzw. den Artikel. Es ist schön, dass Erinnerungen so wachgehalten werden. Unsere lieben Falkenseer Bekannten, inzwischen schon lange tot, fuhren auch noch nach der Wende lange Wartburg, einen schönen grünen. Finde es toll, dass diese Autos weiterhin ihren Liebhaberkreis haben.

  3. 22.

    Hallo Pete, sind Sie sicher, dass Ihr Beitrag abgeschickt wurde? Oft bekommt man stattdessen nämlich Fehlermeldungen. Ist ein technisches Problem. Möglicherweise hat also Ihr Post den RBB nie erreicht?! (Wichtig: Sie müssen immer drauf achten, dass "Vielen Dank für Ihre Meinung" erscheint.)

  4. 21.

    Ich habe in den letzten Jahren selbst einen Wartburg 311 wieder aufgebaut, da dieses Modell für mich schon immer zu den formschönsten Fahrzeugen der 60er Jahre (nicht nur Ost) gehörte. Die Marke Wartburg war übeigends die zweitälteste Automobilachmiede der Welt (1896 gegründet)! Schade, dass die zu DDR Zeiten widerbelebte Marke nicht überleben konnte. Mittlerweile völlig zu Recht sehr beliebt und teuer.

  5. 20.

    Was soll der Quatsch mit dem Polomotor? Es war ein 1,3 l Motor aus dem VW- Konzern, ob Polo oder Golf spielt dabei doch gar keine Rolle!

  6. 19.

    Anscheinend hat der RBB das als Kritik empfunden und meinen Kommentar von gestern abend nicht genehmigt :-) , aber es war ja nur als Feststellung gemeint: Die ganze Diskussion über das Foto der zeitunglesenden Arbeiterin könnte man sich ja ersparen, wenn der RBB einfach mal mit den Angaben zu dem Bild herausrücken würde.
    Es ist ja als DPA-Foto gekennzeichnet, dazu gehören also genaue Angaben, was dort genau zu sehen ist und wann und wo es aufgenommen wurde. Es wäre also ganz einfach - wenn man nur wollte... :-)

  7. 18.

    Es gibt keine Schwarzmärkte. Das sind nur freie Märkte, an denen sich das natürliche Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage einstellen kann, was in reglementierten Märkten verhindert wird.

  8. 17.

    Ich bin selbst Autonarr, daher verstehe ich sehr gut was Die Wartburgliebhaber an Ihren Fahrzeugen lieben. Die heute gebauten „Plastikbomber“ vollgestopft mit sinnloser Technik deren Lebensdauer auf maximal 7-10 Jahre ausgelegt ist. Hochgezüchtete Minimotörchen mit „Beatmungsgeräten“ die kaum 200.000km überdauern ! Hätte ich das Budget würde ich einen Mercedes 450SEL 6.9 fahren . Grundsolide, Motorlebensdauer bei guter Pflege unendlich.

  9. 16.

    Also zu Zeiten der Mauer kannte ich die DDR nur aus Erzählungen. Entsprechend voreingenommen trat man als WESSI einem mit sächsischem Dialekt sprechendem gegenüber. Dann war ich 5 Jahre im Außendienst und betreute die Region von Plz. 01*** über 20*** bis 99***. Jeden Montag fuhr ich gegen 04:00 Uhr gen Osten und fühlte mich spätestens ab Wechsel auf A38 oder hinter Celle der A2 so etwas von sauwohl. Jeder OSSI den ich traf war alles Andere als ein Hinterwäldler. Aber die Angst des Wessis vor der Ehrlichkeit und Solidarität eines Ossis lässt das Thema heut noch aufflackern. Schade eigentlich.

  10. 15.

    Ich spreche da aus eigener Erfahrung. Ich habe meinen Trabant mit 16 bestellt. Vielleicht war das abhängig von lokalen Vorschriften und von Stadt zu Stadt unterschiedlich.

  11. 14.

    Kinder kann ich mich auch nicht erinnern. Aber mit ausgefeilter Bestellstrategie (Mann, Frau, Oma und Opa) hat man es schon geschafft alle paar Jahre ein neues Auto abzuholen. Die Schwarzmarktpreise haben daraus sogar ein lukratives Geschäftsmodell werden lassen. Gute Gebrauchte waren teurer als Neuwagen.

  12. 13.

    "es grüßt ein Liebhaber alter Motorräder :-)"
    Wenn ich da so die relativ vielen liebevollen AWO-Umbauten und Restaurationen denke. Da hat mann/frau doch 'ne Träne im Knopfloch.
    Manchmal ist weniger Technik einfach mehr - trotz, oder auch wegen, des damit verbundenes Aufwandes - und Spass macht es auch.

  13. 12.

    ...ganz einfach: wenigstens bis wir eine wirkliche Einheit haben! Und @RBB: schlecht recherchiert..., man musste das 18. Lebensjahr vollendet haben, um sich für ein Auto anmelden zu können! Wie kommt eine derartige Aussage mit "...kurz nach der Geburt..." zustande?!?!

  14. 11.

    „Mercedes des Ostens“ würde ich eher nicht mit Wartburg verbinden. Da würde mir schon eher Tatra oder Wolga einfallen bestenfalls noch der 2107 von Lada mit dem ausgeprägten Kühlergrill.
    Den einzigen Wartburg den mein Vater mangels Alternativangebot nach Totalschaden seines Skodas kaufen musste, hatten wir nicht lange. 2takter war nicht sein Ding. Mit dem Dacia den er sich vom Schwarzmarktverkaufspreis des Wartburgs kaufen konnte, bin ich später als Halbstarker gerne zum Jugendtanz gefahren.

  15. 10.

    Nachtrag noch...
    Wahrscheinlich hat diese Frau gerade die letzte Schicht nach Einstellung der Produktion gemacht und sucht in der Zeitung nun nach Stellenanzeigen für nen neuen Job. ;-))

  16. 9.

    Na nicht ganz!
    Wir schauen uns das Foto-Kunstwerk mal richtig an:
    1. Die Zeitung hat grafisch bunt gestaltete Anzeigen. Das gab es zu DDR-Zeiten nicht.
    2. Das Zeitungspapier ist kein DDR-Zeitungspapier. Das DDR-Zeitungspapier war ohne Bleichmittel und mithin naturfarben.
    3. Die Elektroinstallation im Hintergrund am Betonpfeiler sind nicht TGL DDR-Standard, sondern DIN Norm und von den Installationsmaterialien her eher schon "West-Standard".

    Wir schließen also aus der Betrachtung des Fotos: Dies ist keine Produktionspause aus Mangel an Teilen in einem VEB, sondern Mittagspause Wartburgfließband in Nachwendezeiten.

  17. 8.

    Bitte mal öfter die Kommentarfunktion aussetzen. Wie viel Jahrzehnte soll denn dieses West und Ost Gelaber noch gehen?

  18. 7.

    "Bis zu 15 Jahren und länger" finde ich süß. Kennt man ja aus der Werbung: "Sparen Sie bis zu 100 Prozent und mehr!" Ist dort wie hier aber nicht richtig stimmig.

  19. 6.

    Vom Mercedes W114 wurden ähnlich viele Exemplare gebaut wie vom "Mercedes des Ostens". Dessen Produktion endete allerdings schon viel früher im Jahr 1976. Dennoch sind davon noch fast 10.000 Stück laut KBA allein auf Deutschlands Straßen unterwegs und nicht nur 1.600.

  20. 5.

    Westliche Arroganz. Aber nix für ungut, als Westberlin Geborener mit Weitblick weiß ich auch mobiles Kulturgut des Ostens zu schätzen. Nur mal am Rande: das sich in frühen Jahren ein paar Modelle einiger Marken sehr ähnlich waren, lag daran, dass Produktionsstätten im Osten mit Plänen ausgestattet waren, die ursprünglichen Hersteller dort aber nach Westen verlagert hatten, um der sozialistischen Planpolitik zu entgehen. Jedoch kann jemandem westlich angeborene Arroganz schon mal den Blick vernebeln. Das Bild entstand wohl in einer Pause und muss nicht lächerlich gemacht werden, vielleicht liest sie gerade die Meldung über die Einstellung der Produktion und weiß nicht, wie es für sie weitergeht?

Nächster Artikel