Eisenhüttenstadt Blocks
Video: Brandenburg aktuell | 27.04.2021 | Michael Lietz | Bild: Isabell Röder/rbb

70 Jahre DDR-Planstadt - Wie sich der erste Wohnkomplex Eisenhüttenstadts gewandelt hat

Wie in Palästen sollten die Arbeiter des sozialistischen Eisenhüttenkombinats wohnen: Vor 70 Jahren bezogen die ersten den Wohnkomplex I in Eisenhüttenstadt. Zwar wirkt der Luxus von damals heute bescheiden - gut wohnen lässt es sich trotzdem. Von Isabel Roeder

Vier Stockwerke, quadratische Fenster, weiße Außenfassade: Durch ein schmales Treppenhaus geht es zu Herbert Thiele in den ersten Stock. Als er 1953 nach Eisenhüttenstadt in den Wohnkomplex I zog, waren die kleinen Wohnungen Luxus. "Die Zimmer waren nicht allzu groß, die waren klein. Aber wir, die auf den Dörfern gewohnt haben, wir hatten ja alle keine große Wohnung", sagt Thiele.

Eisenhüttenstadt Blocks
Einer der ersten Blöcke. | Bild: Isabell Röder/rbb

Die Wohnungen des ersten Wohnkomplexes sind nicht zu vergleichen mit den später gebauten, pompösen "Stalin-Bauten". Aber sie waren genau das, was die Familien der Stahlarbeiter im Eisenhüttenkombinat Ost suchten. Auch Thieles Familie arbeitete dort und zog aus diesem Grund von Beeskow nach Eisenhüttenstadt – das zu diesem Zeitpunkt noch Stalinstadt hieß. "Als wir eingezogen sind, waren die Wohnungen noch mit Ofenheizungen ausgestattet", sagt Thiele. Inzwischen hat sich das geändert.

Heute mit Maisonette-Wohnungen

Wie sieben dieser ersten Wohnblöcke inzwischen saniert wurden, zeigt Oliver Funke, Geschäftsführer der Eisenhüttenstädter Gebäudewirtschaft, mit ein bisschen Stolz in einem anderen Wohnblock. Mit Blick nach oben steht er in einem lichtdurchfluteten Eingangsbereich. Über die vier Stockwerke wurden die Decken herausgenommen. "Hier sieht man innenliegende Balkone", erklärt Funke. "Und was man nicht sieht: Wir haben auch Maisonette-Wohnungen eingebaut." Insgesamt habe man versucht, so viel Licht wie möglich in die alten Gebäude zu bringen.

Eisenhüttenstadt Blocks
So sieht es von innen heute aus. | Bild: Isabell Röder/rbb

Während die Häuser von außen aussehen wie damals, ist innen alles anders: Lichthöfe, Aufzüge, Balustraden und ein Abstellbereich für Fahrräder. Einige Wohnungen wurden für die Bedürfnisse junger Menschen umgestaltet. Für diese Idee erhielt das Projekt 2016 den Deutschen Bauherrenpreis.

Doch als die Häuser in den 1990er Jahren zu großen Teilen unbewohnt und verfallen waren, war lange nicht klar, was aus ihnen werden würde. "Es war lange Zeit auch diskutiert worden, diese Häuser abzureißen. Aber weil sie unter Denkmalschutz stehen, hat sich der Denkmalschutz gewehrt und dann wurden von Seiten des Landes 2010/11 neue Mittel bereitgestellt und die haben es uns dann ermöglicht, aus den alten Beständen etwas Neues zu machen", sagt Funke.

Die rund 250 Wohnungen sind heute fast alle vermietet. Aus der früheren Kaufhalle wurde ein Versammlungssaal, und auch eine Wohngruppe für Menschen mit Behinderungen hat im Viertel Platz gefunden. Im Wohnkomplex I ist es heute deutlich ruhiger als vor 30 Jahren. Doch die Stadt hat ein neues Gesicht bekommen - zur Freude langjähriger Mieter wie Herbert Thiele: "Wir haben uns gewundert und auch gefreut, wie man eine Stadt aufbaut. Und wir freuen uns sehr, dass dieses Objekt erhalten blieb."

Sendung: Antenne Brandenburg, 27.04.2021, 16:40 Uhr

Beitrag von Isabel Roeder

2 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 2.

    Wie wird dieses Datum belegt? Das Datum 27.04.1951 stimmt nämlich nicht! Der Baubeginn war am 19.02.1951 und am 19.09.1951 wurde der erste Wohnblock übergeben. Am selben Tag wurde auch der ersten Hochofen angeblasen.

  2. 1.

    Die Bauten in Eisenhüttenstadt geben m. E. sehr beredt erfolgversprechende Ansätze einer ostdeutschen Baukultur wieder. In Eisenhüttenstadt ist der geschlossenste Entwurf realisiert worden, was sich in anderen Städten - in der Bahnhofstraße in Frankfurt/O. bspw. oder in Potsdam am Beginn der Zeppelinstraße - straßenabschnittsweise findet. In Potsdam sind dann auch im Rahmen des Nationalen Wiederaufbauwerks teilweise sogar barocke Eigenschöpfungen entstanden, weil vorherige Baupläne schlichtweg verschwunden waren (Wilhelm-Staab-, Dortu- und Lindenstr.)

    Der Umgang mit diesen Bauten, ganz speziell in Eisenhüttenstadt und alles Weitere, was dann später kam, repräsentiert in meinen Augen den Wandel (in) der DDR: Am Beginn sehr wohl der Versuch, eine wirklich positive Alternative zum aufziehenden verknöcherten Adenauerstaat zu schaffen, dann weiter niedergedrückt im Zuge der Reparationen, wobei die Hälfte dieser Güter auf Gleisen der SU mangels Normübereinstimmung vergammelte.

Nächster Artikel