Mit kleinen metallenen Öfen versucht Obst-Bauer die empfindlichen Blüten seiner Bäume vor Frostschäden zu schützen. (Quelle: dpa/Georg Hochmuth)
Bild: dpa-Symbolbild/Georg Hochmuth

Landwirtschaft - Frost lässt viele Obstblüten erfrieren

So kalt wie dieses Jahr war der April schon lange nicht mehr. Viele Brandenburger Obstbauern bangen nun um ihre Ernte. Denn ein Teil der Blüten von Apfel, Kirsche und Aprikose ist im Nachtfrost erfroren.

Kälteeinbrüche im April sind keine Besonderheit. Doch einen so kalten April wie in diesem Jahr gab es schon lange nicht mehr. In der Schorfheide im Landkreis Barnim sind die Temperaturen in diesem Monat in der Nacht auf unter minus zehn Grad gefallen. Bis zum Monatsende könnten die Durchschnittstemperaturen dann rund vier Grad unter der Vergleichsperiode 1991-2020 und immer noch über zwei Grad unter dem Durchschnitt von 1961-1990 liegen. So die Schätzung von Hilmar Schwärzel, Leiter der Obstbau-Versuchsstation in Müncheberg im Landkreis Märkisch-Oderland.

Schäden an Süßkirsche, Aprikose und Apfel

Bei den gerade erblühten Obstbäumen habe das zu massiven Schäden geführt, sagt Schwärzel: "Wer in den letzten 20 Jahren empfindliche Kulturen gepflanzt hat, da wären Aprikosen, Süßkirschen, Pfirsiche und ähnliches, der wird unabhängig seiner Kulturführung massive Schäden feststellen." Aber auch die Blüten robusterer Bäume, wie Pflaume und Birne, seien teilweise erfroren.

Thomas Bröcker, Leiter der Abteilung Obstbau im Landesgartenbauverband Brandenburg, sieht vor allem Süßkirsche und einige Apfelsorten betroffen. "Apfelsorten, die jetzt schon weit sind, wie Jonagold oder Boskop, deren Blüten sind zu einem hohen Prozentsatz weg." Allerdings reichten bei Apfelbäumen bereits zehn Prozent gesunde Blüten für eine erfolgreiche Ernte aus, sagt Bröcker. Im heimischen Garten könnten ein zu früher Schnitt der Obstbäume und eine ungenügende Düngung die Frostschäden noch verstärkt haben, sagt Schwänzel von der Obstbau-Versuchsstation.

Keine Schäden auf den Feldern

Während die Obstbauern um ihre Ernte bangen, hätten die Temperaturen auf den Feldern bisher kaum Schaden angerichtet, sagt Henrik Wendorf, Präsident des Landesbauernverbandes Brandenburg. "Sonnenblumen und Mais kommen jetzt in die Erde. Sie sind empfindlich gegen die tiefen Fröste, die wir in den Morgenstunden erleben. Da erleiden die Pflanzen Stress", sagt Wenndorff. Bisher hätten sie das allerdings gut weggesteckt. Einzig der Raps habe Schäden erlitten, diese könnten sich jedoch wieder verwachsen.

Während die tiefen Temperaturen im April ungewöhnlich sind – bleibt eines wie in den Vorjahren gleich. "Was wir jetzt dringend brauchen, ist Regen", so Wendorff vom Landesbauernverband, "denn die Feuchtigkeitsvorräte im Boden, die sind immer noch nicht vorhanden."

Sendung: Antenne Brandenburg, 29.04.2021, 7:30 Uhr

Beitrag von Isabel Röder

4 Kommentare

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  1. 4.

    Aufgrund der sehr niedrigen Luftfeuchtigkeit und der "höheren" Windgeschwindigkeit, hätte die Frostberegnung keinen Erfolg gehabt. Die Verdunstungswärme hätten den Blüten mehr Energie entzogen, als durch die Erstarrungswärme freigegeben worden wäre.

  2. 3.

    Kann nur funktionieren wenn genügend Wasser verfügbar ist. Es werden 20.000 - 50.000 Liter pro Stunde und Hektar benötigt und es muß kontinuierlich beregnet werden bis die Temeperatur wieder über 0 Grad steigt. Bei minus 8 Grad ist es mit dem Schutz durch Beregnung vorbei.

  3. 2.

    Ich habe gestern ein Filmchen irgendwo in den Nachrichten gesehen, da "brannte" der halbe Weinberg. Ob das so umwelt und Klimakonform ist. Gibt es dann bald die CO2 Abgabe auf Wein? Emissionshandel, Zertifikate... ??

  4. 1.

    Also die Obstbauern im "Alten Land" kriegen das mit Frostberegnung gewuppt.

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