Das Gebäude des Land- und Amtsgerichtes. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Großfamilien gegen Rockerclub in Fürstenwalde - Keine Gnade für Rivalen

Raub und Körperverletzung um die Vorherrschaft im Drogengeschäft: Seit Freitag verhandelt das Landgericht Frankfurt (Oder) einen "Bandenkrieg" zwischen einem Rockerclub und libanesisch-stämmigen Großfamilien - in Fürstenwalde. Von Dorett Kirmse

Normalerweise kennt man das nur aus Großstädten: Dort wird oftmals um die Vorherrschaft im Drogenhandel gekämpft. Waffen und Gewalt sind da keine Seltenheit, wenn Reviere markiert werden sollen.

Doch auch in Fürstenwalde und Umgebung ist der Drogenmarkt umkämpft. Ein Rockerclub und libanesisch-stämmige Großfamilien streiten dort angeblich um Einfluss. Vier Mitglieder der Großfamilien müssen sich deshalb vor dem Frankfurter Landgericht verantworten.

Mit Fäusten, Schlagringen und Elektroschocker Opfer malträtiert

Vier Männer aus zwei libanesischen Großfamilien sitzen auf der Anklagebank des Frankfurter Landgerichts. Die beiden Brüder, ihr Neffe und ein Mitglied einer anderen Großfamilie müssen sich wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Gemeinsam sollen sie einen 29 Jahre alten Drogendealer in seiner Wohnung in Fürstenwalde überfallen haben, sagt Staatsanwalt Stefan Golfier.

"Den Angeklagten wird vorgeworfen, dass sie bei dem Geschädigten sofort eingedrungen sind, ihn mit Fäusten, Schlagringen und Elektroschocker malträtiert haben." Auch sollen sie die Wohnung nach Wertgegenständen durchsucht haben, erklärt der Staatsanwalt. "Des Weiteren sollen sie dem Geschädigten eine Waffe an den Kopf gehalten haben, um ihn einzuschüchtern. Sie wollten, dass er künftig für sie Drogen verkauft."

Opfer schwerverletzt

Denn bis dahin hat der Dealer nach eigenen Angaben am Freitag vor Gericht, Drogen für - so wörtlich- "Rot-Weiß", also für die Hells Angels beziehungsweise einen Unterstützerclub verkauft. Mit der libanesischen Großfamilie, die in Fürstenwalde mutmaßlich um die Vorherrschaft kämpft, wollte er nach eigenen Angaben nichts zu tun haben.

Der Überfall im November vergangenen Jahres, bei dem der 29-Jährige zum Teil schwere Verletzungen davongetragen hat, war für ihn der Auslöser, aus der Szene auszusteigen und auch selbst keine Drogen mehr zu nehmen. Er lebt jetzt an einem geheimen Ort und will nichts mehr mit den Rockern und den Großfamilien zu tun haben, schildert der Mann vor Gericht. Über seinen Anwalt haben sich die Angeklagten bei ihm entschuldigt und bereits 7.500 Euro Schmerzensgeld gezahlt.

Unglaubwürdige Schilderungen der Angeklagten

Vor Gericht äußerten sich auch die vier angeklagten Männer im Alter zwischen 24 und 40 Jahren zu den Vorwürfen. Ergebnis: Vier Angeklagte - vier verschiedene Geschichten, die bei den Familienmitgliedern im gut gefüllten Zuschauerraum des Frankfurter Landgerichts immer wieder zu Belustigungen führten.

"Na, es ist ja so, dass die Angeklagten das Recht haben, die Unwahrheit zu sagen. Das steht ihnen einfach zu", betont Staatsanwalt Golfier. Die Geschichten, die sie vor Gericht präsentierten, seien so gewesen, dass formal oft die Tatbestände nicht erfüllt sind. "Aber tatsächlich, wenn man den Beruf schon jahrelang ausübt, kann man aufgrund der Einlassungen schon erkennen, was da passiert ist", sagt der Staatsanwalt.

Drogenmarkt in Ostbrandenburg offenbar in Bewegung

Bestritten haben die Männer auch, überhaupt im Drogenhandel tätig zu sein. Im Falle einer Verurteilung droht den zum Teil vorbestraften Angeklagten jahrelange Haft, sagt Gerichtssprecherin Kathleen Labitzke: "Wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten, würde eine Freiheitsstrafe von nicht unter fünf Jahren im Raum stehen."

Der Drogenmarkt in Ostbrandenburg ist offenbar in Bewegung. Erst im Februar dieses Jahres wurden in Frankfurt und im Landkreis Oder-Spree sechs Männer verhaftet, die im großen Stil mit Drogen gehandelt haben sollen. Von ihnen sollen nach rbb-Recherchen auch die Rocker in Fürstenwalde ihre Drogen bezogen haben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.04.2021, 16:40 Uhr

 

2 Kommentare

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  1. 2.

    Wenn Verbrecher andere Verbrecher bekämpfen, könnte es einem ja recht sein. Doch ist das zu einfach gedacht. Unschuldige Opfer wird es immer geben, solange solche Banden und Clans überhaupt aktiv sind. Was mich stört, ist das deren Anhänger/Mitglieder/Verwandten vor und im Gerichtsbäude zahlreich vertreten sein können und sogar fast ungehindert Einfluß auf Zeugen und Opfer nehmen können indem sie diese durch Drohungen Einschüchtern. Beamte der Justiz und Polizei sind dabei oft in Unterzahl und bekommen die Lage kaum in den Griff. Darüber findet man genug Beispiele auch auf YT.

  2. 1.

    Mich wundert eigentlich nur eines: Wo kommen die Italiener in dieser Geschichte zum Tragen?

    Zweitens: Ich finde es besonders krass, dass wir den Markt für Drogen haben, Stichwort Konsumenten

    Drittens: Ist allgemein bekannt, dass auf "dem Lande" wesentlich mehr passiert als in der Stadt.

    Viertens: Die Nazis mischen ja auch noch mit.

    Fünftens: Wir brauchen ganz dringend eine SoKo Ostbrandenburg im Miami Vice Stile....

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