Ein Weißstorch fliegt von seinem Nest. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 12.04.2021 | Bernd Ludwig vom Nabu | Bild: dpa/Patrick Pleul

Zugvögel in Brandenburg - Naturschützer rechnen mit schlechtem Jahr für Störche

Die Brandenburger Storchen-Population ist in den letzten Jahre aufgrund der Dürre stark zurückgegangen. Und auch für 2021 erwartet der Naturschutzbund keine Kehrtwende. Gleich zum Start gibt es Herausforderungen durchs Wetter.

Seit einigen Wochen klappert es wieder auf Brandenburger Wiesen: Die Weißstörche sind zurück in ihren Brutgebieten. In den kommenden Tagen und Wochen könnten sich noch mehr Störche in der Region blicken lassen, denn die männlichen Tiere kommen laut dem Naturschutzbund Brandenburg (Nabu) meistens vor den Weibchen an, um die Horste zu besetzen.

Wetter verzögert Anreise

Dann liegt oft schon eine lange Reise hinter den Vögeln. Viele nehmen die sogenannte östliche Route über die Türkei und den Nahen Osten nach Afrika. In diesem Jahr seien die Störche allerdings spät dran, weil es auf dieser Route schlechtes Wetter gegeben habe, sagt der Storchen-Experte des Nabu, Bernd Ludwig: "Am Bosporus und in Bulgarien hat es geschneit und es gab starken Gegenwind." Deshalb kämen manche Tiere erst spät an.

Das allerdings könnte, wie schon in den vergangenen Jahren, Folgen für die Population haben. "Viele Paare brüten dann nicht mehr", sagt Ludwig. "Außerdem könnten eine ganze Menge Jung-Störche in ihren Nestern wegen Nahrungsmangel verenden."

Für die Tiere, die schon da sind, waren die Bedingungen der letzten Wochen ebenfalls schwierig. Wegen der teilweise kalten Temperaturen blieben die Regenwürmer als wichtige Nahrung im Frühjahr tief in der Erde. Auch Feldmäuse sind laut Ludwig lokal sehr wenig zu finden. Blieben noch Amphibien, wie Frösche. Doch wie es von der Naturwacht in der Märkische Schweiz (Märkisch-Oderland) heißt, sind die Bestände auch dort durch die vergangenen Dürre-Sommer stark zurückgegangen.

Weniger Störche durch Dürre-Sommer

In Sachen Population gibt es für Brandenburg überhaupt schlechte Nachrichten. Waren die hiesigen Störche über Jahrzehnte hinweg die größte Gruppe in Deutschland, ist Baden-Württemberg mittlerweile an der Mark vorbeigesegelt. Laut Fachmann Bernd Ludwig liegt das letzte gute Storchenjahr in Brandenburg sieben Jahre zurück. "2014 hatten wir über 1.400 Brutpaare. Das werden wir wohl nicht mehr erreichen. 2020 hatten wir mit etwa 1.200 Paaren wesentlich weniger."

Um den Weißstörchen unter die Flügel zu greifen, müsse dem Nabu zufolge der Lebensraum zwingend geschützt werden, fordert Ludwig. Dazu zählen etwa naturnahe Feuchtwiesen und Flussauen - bei fehlenden Niederschlägen keine leichte Aufgabe. Bernd Ludwig sieht Bauern und Politik in der Pflicht, für strukturreiche Landschaften zu sorgen. "Die großen Mais- und Raps und Getreidefelder müssen verschwinden. Da müssen abwechslungsreiche Flächen, wie Tümpel und Ackerand-Streifen mit Blühpflanzen hin, so dass sich Insekten, Amphibien, Reptilien und Mäuse ansiedeln."

Sendung: Antenne Brandenburg, 12.04.2021, 16:10 Uhr

Beitrag von Tony Schönberg

5 Kommentare

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  1. 5.

    Lieber Meckersack, ganz so einfach ist es leider nicht. Glyphosat auf die Felder hilft nicht auf Dauer und da müssen manche Landwirte sich schon Mal umstellen. Riesiege Monokulturen helfen auch nicht auf Dauer und die Natur brauchen sie auch, sonst müssen sie noch Pflanzen bestäuben lernen.

  2. 4.

    Sie haben natürlich Recht. Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben den Text korrigiert.

  3. 3.

    Wieder so ein Experte , manchmal frage ich mich ernsthaft wo die alle wachsen, der mal wieder Bauernbasching betreibt .
    Die Politik ist flexibel. Die kann jeden Tag wandelbar agieren.
    Landwirte können es leider nicht. Sie müssen das anbauen und die Tiere halten um für sich und seine Familie den Lebensunterhalt zu verdienen. Und jeder Landwirt mit guter fachlicher Praxis pflegt die Natur .Ob Feld ,Wald und Wild.
    Und grüne Masse für Biogasanlagen muss produziert werde. Raps für die Versorgung mit hochwertigen Ölen.
    Leute wenn jeder im seinem Bereich etwas für die Natur leistet und nicht nur Parolen irgendeinem Naturschutzgebilde hinterherläuft , seinen Müll nicht in den Wald und die Feldmark verklappt, echte Bienentrachten in Garten und Balkon pflanzt und sich endlich mal fragt auf welchen Teil seines Wohlstandes er zu Gunsten einer völligen Renaturierung er verzichten möchte , sind wir alle etwas weiter!

  4. 2.

    Liebes Nachrichtenteam, etwas mehr Recherchebegeisterung für Naturthemen bitte! Westzieher-Störche über der Türkei und Südosteuropa? Nöönöö, das ist totaler Blödsinn!

  5. 1.

    Wartet doch erstmal ab, wir haben Mitte April. In 2 Tagen melden sich die Bauern, weil es zu viel regnet....

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