Stefan Wunder mit seinem 1989 Trabi
Audio: Antenne Brandenburg | 30.04.2021 | Marie Stumpf | Bild: Marie Stumpf/rbb

Letzter Trabant vor 30 Jahren - Zwei Trabi-Fahrer über Foto-Paparazzi und Motorenwechsel

Klein, knatternd und Kult: Heute vor 30 Jahren rollte der letzte Trabi im sächsischen Zwickau vom Band. Aber die gute, alte Rennpappe ist noch lange nicht ausgestorben. Vor allem in Brandenburg erfreut sie sich großer Beliebtheit. Von Marie Stumpf

Stefan Wunder aus Platkow (Märkisch-Oderland) kann seine seine Leidenschaft für das Trabi-Fahren in einem Satz zusammenfassen. "Es macht einfach Spaß!"

Der 37-jährige Lehrer knattert seit vierzehn Jahren mit seiner Rennpappe über die Landstraßen, egal ob am Wochenende für den Familienausflug oder auch mal für die Fahrt zur Arbeit.

"Die Leute wollen Fotos machen."

"Man zieht schon Blicke auf sich", erzählt er. "Wir waren letztens mit den Kindern an der Oder. Da wird hinterher gerufen, man soll doch mal anhalten. Die Leute wollen Fotos machen." Auch an seiner Schule gibt es immer wieder ein großes Hallo. Die Schüler gucken aus dem Fenster und freuen sich. "Oh, Herr Wunder kommt schon wieder mit dem Trabi angefahren!"

Der Trabant deluxe 601 Kombi aus dem Jahr 1989 ist seit zwei Generationen in Stefan Wunders Familie. Er hat ihn damals von seinem Vater übernommen. Ursprünglich wollte er ihn für seine zweite Leidenschaft - das Jagen - benutzen. "Das ist ein schönes Waldfahrzeug. Aber nach der dritten Fahrt hab ich mir überlegt, dass er für den Wald doch zu schade ist. Und dann habe ich ihn einfach weiter als Alltagsfahrzeug gefahren."

Noch rund 6.000 Trabis und Wartburgs in Brandenburg

Mit seiner Leidenschaft für Trabis ist Stefan Wunder nicht allein. In Brandenburg waren im letzten Jahr rund 6.095 Trabanten und Wartburgs zugelassen. Übertroffen wird das in Deutschland nur noch von Sachsen als Geburtsort des DDR-Kultautos. Hier waren es 9.444 Zulassungen. Auch Trabi-Treffen gibt es viele. Das größte findet einmal im Jahr in Anklam in Mecklenburg-Vorpommern statt.

In zwei Stunden den Motor gewechselt

Dort hat sich auch Manuel Danne aus Platkow in die Ostautos verliebt. Zusammen mit seinem Schwager war er einmal aus Neugierde nach Anklam gefahren. "Danach hab ich mir gesagt: So ein Trabant wär schon was", erzählt der 28-jährige.

Manuel Danne mit seinem 1967er TrabiManuel Danne mit seinem 67er Trabi

Über einen Freund kam er dann an fünf alte Exemplare. Das älteste aus dem Jahr 1967 fährt er regelmäßig. Ein anderes dient als Ersatzteillager, wenn Reparaturen anfallen. Die erledigt Manuel Danne mit Feuereifer selbst.

Er liebt an den Trabis vor allem ihre Einfachheit. "Das fängt ja schon an, wenn man reinguckt. Der Motor, die Schaltung", schwärmt er. "Und ich weiß aus Erzählungen, dass es mitunter möglich war, den Motor einfach in zwei Stunden zu wechseln. Man kann alles selber machen."

"Du hoffst, dass du nicht auf halber Strecke stehen bleibst."

An seine erste Fahrt mit dem Trabi erinnert sich Manuel Danne noch gut. Ziel: Natürlich Anklam. "Das war die Bewährungsprobe, nachdem ich ihn wieder aufgebaut hatte. Und dann gleich so eine weite Strecke", sagt er. "Ich wusste ja, dass alles okay ist, aber trotzdem hoffst du einfach, dass du nicht auf halber Strecke stehen bleibst. Das war schon sehr aufregend."

Passiert ist aber zum Glück nichts. Heute schwören sowohl Manuel Danne, als auch Stefan Wunder: Die Motoren ihrer Rennpappen schnurren wie die Kätzchen.

Trabi-Liebhaber aus Märkisch-Oderland

Erster Trabi hatte 18 PS

Dass der Trabant mal so einen Kultstatus genießen würde, hätte beim Produktionsstart im Jahr 1957 wohl niemand gedacht. Der erste Trabi - der sogenannte P50 - fuhr eine Höchstgeschwindigkeit von 90 Stundenkilometern und hatte 18 PS. Gebaut wurde er von den Automobilwerken Audi und Horch, die sich ein Jahr später zu den Sachsenring Automobilwerken Zwickau zusammenschlossen - der Marke, mit der man den Trabi heute verbindet.

Seine Besonderheit war der Zweitaktmotor, der später wegen seines erheblichen Schadstoffausstoßes zu einem Viertaktmotor umgebaut wurde.

Der letzte Trabi war pink

In den 1970er Jahren geriet die Produktion ins Stocken, weil sie der SED-Führung zu teuer wurde. So blieb der Trabant weit unter seinen Möglichkeiten. Nach der Wende verlor er dann erheblich an Wert und Ansehen. Es dauerte allerdings nicht lange, bis sich Anfang der 1990er Jahre die ersten Trabi-Fanclubs gründeten.

Am 30. April 1991 rollte die letzte Original-DDR-Rennpappe vom Band in Zwickau. Sie war pink und eines von insgesamt 3,6 Millionen Exemplaren, die in 34 Jahren Produktionszeit hergestellt wurden. In ganz Deutschland sind heute noch 38.173 Trabis und Wartburgs auf den Straßen unterwegs.

Sendung: Antenne Brandenburg, 30.04.2021, 14:40 Uhr

5 Kommentare

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  1. 5.

    Ich durfte so ein Ding noch vor der Wende mal ein kleines Stück weit selbst fahren (und bin größere Strecken mitgefahren). Das war auch 1989 nur ein autoähnliches Fortbewegunsgsmittel, mehr nicht. Die beinharte "Federung" war dem Straßenzustand der DDR aber besser angepasst als die Federung westlicher Modelle.

  2. 4.

    Neben optischer Kosmetik gab es allerdings auch u.a. erhebliche Änderungen am Fahrwerk, die einem Laien nicht sofort auffallen. Am einfachsten ist die vorderen Scheibenbremse zu erkennen, die nur der 1.1 ab Werk bekommen hatte.

  3. 3.

    Ich habe in einer Wolga / Trabant Werkstatt meine Lehre in den Achtziger absolviert. Zwei Stunden für einen Motorwechsel haben wir nie gebraucht. Max. 45 Minuten incl. Wechsel der Anbauteile waren ganz normal.

  4. 2.

    Der Trabant 601 wurde ab 1964 produziert. Mit bekanntem 2- Takter. Der VW- 4-Takter von VW wurde in Lizenz von den Barkas- Werken produziert. Der so motorisierte 1.1 hatte nur unwesentliche Veränderungen; fuhr sich aber ganz anders als der Knattertrabi.

  5. 1.

    Schreiben sie nicht derartigen Quatsch. Der Zweitakter wurde nicht zum 4- Takter umgebaut. Der 4-Takter kam von VW.

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