Volle Entwässerungsgräben in der Randowniederung als Wasserrückhaltebecken
Audio: Antenne Brandenburg | 26.04.2021 | Georg-Stefan Russew | Bild: Georg-Stefan Russew/rbb

Neue Ideen gegen den Klimawandel - Uckermark trotzt mit Wassermanagement der Trockenheit

Im Kampf gegen Klimawandel und Trockenheit geht die Uckermark neue Wege. So nutzen Landwirte in der Randow-Niederung und Gartzer Bruch beispielsweise ganz offiziell Entwässerungsgräben als Rückhalte-Becken für Niederschläge. Von Georg-Stefan Russew

Die Folgen des Klimawandels im Nordosten Brandenburgs sind deutlich auszumachen. Landwirte hätten in den vergangenen 20 Jahren mit abnehmenden Niederschlagsmengen in der Region zu kämpfen, sagt der uckermärkische Umweltdezernent Karsten Stornowski.

Zusätzlich habe die Verdunstung aufgrund höherer Temperaturen zugenommen. Die Folge: Der Grundwasserspiegel sackt ab, Seen schrumpfen, bestätigt auch das Landesumweltamt. Die Uckermark will nun mit neuen Wegen der Trockenheit begegnen. "Meine Intention ist, Wasser in der Landschaft zu halten", sagt Stornowski.

Entwässerungsgräben werden als Rückhaltebecken in der Randow-Niederung genutzt
Umweltdezernent Karsten Stornowski (l.) und Landwirt Lars-Andreas Sieh sind mit den Rückhaltemaßnahmen sehr zufrieden. | Bild: Georg-Stefan Russew/rbb

Entwässerungs-Infrastruktur als Rückhalte-Becken

Hiermit meint Stornowski vor allem Niedermoor-Regionen wie die Randow-Niederung oder das Gartzer Bruch. Diese werden jetzt in einem Modellversuch als natürliche Wasserspeicher genutzt, indem der Entwässerungsprozess umgekehrt werde. Die große Gräben-Infrastruktur werde als Wasser-Rückhalte-Becken umfunktioniert.

So wurden Entwässerungsgräben teilweise abgeriegelt, Niederschläge vor allem im Winter abgefangen. So füllen sich die Gräben und das Niedermoor könne sich als Konsequenz wie ein Schwamm vollsaugen. Grünflächen haben in der Folge auch bei Hitze ausreichend Wasser.

Landwirte profitieren vom neuen Wassermanagement

Einer der ersten Landwirte, die von diesem System profitieren, ist Rinderzüchter Lars-Andreas Sieh aus Schmölln. Er bewirtschaftet in der Randow-Niederung seit Anfang der 1990er-Jahre rund 100 Hektar. "Schon damals, als ich hier anfing, haben wir selber das Wasser gestaut in der Randow und im Randow-Bruch, in dem wir Strohballen in diese Gräben zum Stauen gebracht haben und somit das Wasser in den Moorkörper aufgesaugt worden ist." Das Wasser habe dafür gesorgt, dass der Torfboden nicht mineralisiere und fruchtbar bleibe. Pflanzen hätten ausreichend Wasser, so dass Siehs Rinder der Rasse "Uckermärker" auf ihren Weiden saftiges Futter vorfinden.

Der Biber ist zurück auf den Wiesen der Randow-NiederungMittlerweile leben auf Siehs Wiesen fünf Biber-Paare, denen es ersichtlich gut geht mit dem neuen Wassermanagement.

Wasser-Rückhaltung aufgrund der veränderten Niederschlagsverhältnisse wichtig

Mittlerweile sind ganz offiziell in der Randow-Niederung zahlreiche Wehre eingezogen worden. Anstatt die Niederschläge über Gefälle, Gräben und Randow einfach ungenutzt in die Oder abfließen zu lassen, bleibt das Wasser in der Fläche. "Ich habe durch den Bau der Wehre und dadurch, dass wir das Wasser zurückhalten, weniger oder keine Probleme bezüglich Wassermangels", sagt Landwirt Sieh.

Das mache auch Sinn, gerade weil sich Niederschläge vermutlich aufgrund des Klimawandels vermehrt als Starkregen-Ereignisse darstellten, erklärt Umweltdezernent Stornowski. So könne das Wasser nicht einsickern, sondern würde sonst einfach über die Oder abfließen.

Niederlande als Vorbild

Auch im Gartzer Bruch profitiert man von den Rückhaltemaßnahmen, wie Landwirt Rainer Korrmann aus Beatenhof sagt: "Der Ertrag hat sich Dank der Wasserhaltemaßnahmen auf einem akzeptablen Niveau stabilisiert auch in den Dürrejahren." Es habe Kollegen und Landwirte gegeben, die neidvoll auf die grünen Wiesen geblickt hätten, sagt Korrmann.

Landwirt Rainer Korrmann Gartzer Bruch
Landwirt Rainer Korrmann. | Bild: Georg-Stefan Russew/rbb

Der Landwirt betont, dass neben dem Klimawandel auch die große Entwässerungskampagne zu DDR-Zeiten eine Rolle bei der heutigen Trockenheit spielt. Vor allem in den Jahren von 1968 bis 1972 sei der Wasserstand bis in 1,20 Meter Tiefe abgesenkt. Das habe auch das Mikroklima beeinflusst.

Heute stehe das Wasser im Winter nahe der Grasnarbe und im Sommer bei 40 Zentimetern. "Dieses Wassermanagement haben wir uns bei einem Besuch in den Niederlanden abgeschaut, die mit ähnlichen Wasserständen agieren", erklärt Korrmann. Das Positive sei, dass dort stets sehr gute Erträge eingefahren worden seien. Dies sei jetzt auch im Gartzer Bruch der Fall.

Hecken und Waldumbau auch notwendig

Auch in anderen Regionen der Uckermark könne man mit Rückhaltemaßnahmen agieren, auch wenn es dort keine Entwässerungsgräben gäbe. "Dort haben wir auch abschüssige Agrarflächen", erklärt Umweltdezernent Stornowski. Hier müssten dann gewaltige Hecken quer zur Fließrichtung des Untergrundwassers einziehen, die dann das Wasser in der Region hielten. Viele Landwirte zögen mittlerweile mit.

Darüber hinaus sei es auch wichtig, den vorhandenen Wald in Mischwälder umzubauen. Solcher Forst sei laut Stornowski ein gewaltiger Grundwasserspeicher. All diese Anstrengungen seien geboten, weil man den Klimawandel nicht mehr zurückdrehen könnte, betonte er.

Sendung: Antenne Brandenburg, 26.04.2021, 14:10 Uhr

Beitrag von Georg-Stefan Russew

1 Kommentar

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  1. 1.

    Tja die industrielle Landwirtschaft zeigt ihre Folgen. Bodengewinn um jeden Preis.
    Gut das man wieder zurücksteuert. Hab mir gerade heute einen Flurplan mit einem kleinen Fliess angeschaut. Von dem ursprünglichen mäandernden Flurstück des Gewässers ist heute nur noch ein gerader Strich des Bächleins übrig.
    Es gibt sogar in Wäldern Fließe mit betonierter Sohle. Da fließt jeder einzelne Tropfen auf schnellstem Wege raus aus dem Wald zum Fluß. Warum auch immer.
    Es gibt noch sehr viele einfache Mittel um das Wasser hier zu behalten. Das ist dann auch eine Form von Hochwasserschutz.

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