Frankfurt (Oder) - Helenesee bleibt bis mindestens Ende Juli gesperrt

Helenesee von oben
Audio: Antenne Brandenbug | 01.06.2021 | Michael Lietz | Bild: rbb

Der Helenesee bleibt für Badegäste mindestens noch den ganzen Juli gesperrt. Das hat das Landesbergamt am Montag den Stadtverordneten mitgeteilt. Die Sperrung könnte sich demnach sogar noch deutlich länger hinziehen.

Der Helenesee in Frankfurt (Oder) bleibt bis mindestens Anfang August für Badegäste gesperrt. Bis dahin soll entschieden werden, ob einzelne, sichere Strandabschnitte wieder freigegeben werden können. Das sagte der Präsident des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe, Sebastian Fritze, am Montagabend im Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung.

Freigabe könnte lange dauern

Ein Gutachter sei dabei, den Zustand des beliebten Badesees zu überprüfen. Verlässliche Aussagen über einzelne, nicht gefährdete Strandabschnitte, die möglicherweise ohne großen Aufwand wieder freigegeben werden könnten, werde der Fachmann aber erst Ende Juli machen können, sagte Fritze. "Um Basisdaten für Aussagen über die Standsicherheit zu bekommen, muss der Untergrund jetzt unbedingt vermessen werden", so der Amtschef. "Denn wir wissen nicht, was dort genau abgeht." Bis Ende September - so der weitere Zeitplan - wolle ein Experte die Standsicherheit am Helenesee einschätzen können. Dazu müsse ein Gutachten aus dem Jahr 2010, das West- und Nordstrand als nicht gefährlich einstufte, aktualisiert werden.

"Im besten Fall stellt der Gutachter fest, dass viele Strandabschnitte wieder freigegeben werden können", so Präsident Fritze. "Oder man kann mit geringen, technischen Maßnahmen Abschnitte wieder freigeben. Der schlimmste Fall ist, dass man mit der Begutachtung dort Verhältnisse vorfindet, die die Nutzung des Helenesee für lange Zeit in Frage stellen." Denn das Abrutschen der Böschung werde durch einen deutlich gesunkenen Wasserspiegel des Sees begünstigt - eine Tendenz, die sich angesichts des Klimawandels wohl fortsetzt. Höhere Wasserstände hätten das Ufer in der Vergangenheit stabilisiert.

„Im besten Fall stellt der Gutachter fest, dass viele Strandabschnitte wieder freigegeben werden können“, so Präsident Fritze. „Oder man kann mit geringen, technischen Maßnahmen Abschnitte wieder freigeben. Der schlimmste Fall ist, dass man mit der Begutachtung dort Verhältnisse vorfindet, die die Nutzung des Helenesee für lange Zeit in Frage stellen.“ Denn das Abrutschen der Böschung werde durch einen deutlich gesunkenen Grundwasserspiegel des Sees begünstigt - eine Tendenz, die sich angesichts des Klimawandels wohl fortsetzt. Höhere Wasserstände hätten das Ufer in der Vergangenheit stabilisiert.

 

Präsident des Landesamtes für Bergbau und Geologie Sebastian Fritze vor dem Frankfurter HauptausschussLandesamts-Präsident Sebastian Fritze vor dem Hauptausschuss

Katastrophe für Tourismus

"Das Interesse der Frankfurter an ihrem See ist groß, die Lage allerdings sehr ernst", sagt Frankfurts Oberbürgermeister René Wilke (Linke). Immerhin sei das Gelände des Frankfurter Naherholungsgebietes nicht komplett gesperrt. Die Strandpromenade, der Campingplatz, die Gastronomie und auch die Wanderwege rund um das Gewässer könnten genutzt werden, sagt Wilke. Ein schwacher Trost, weiß aber auch er, wenn das eigentliche Badeparadies bei endlich schönem Sommerwetter unerreicht hinter Zäunen liegt.

"Für den Tourismus, zunächst einmal in der aktuellen Saison, sind diese Entwicklungen eine Katastrophe. Schließlich ist der Helenesee mit seinem großen Campingplatz und den Ferienbungalows sowie seinem Ostsee-Charakter unser wichtigstes Ausflugsziel in Ostbrandenburg", sagt Ellen Russig, Geschäftsführerin des Tourismus-Netzwerkes Seenland Oder-Spree. Ohne Zugang zum Wasser würden keine Gäste dorthin kommen. "Es muss schnellstmöglich eine Lösung geben - im Interesse von Region und Tourismus", fordert sie.

Sperrung am HeleneseeeSperrungen am Frankfurter Helenesee

"Das Ausmaß kann noch niemand überschauen", sagt auch der Vizepräsident der Brandenburger Campingwirtschaft (BVCD), Jörg Klofski. "Wir stellen uns darauf ein, dass die anderen Campingplätze in der Umgebung jetzt mehr angefragt werden. Ob wir das ausgleichen können, ist nicht abzusehen". Klofski betreibt selbst einen Campingplatz in der Nachbarschaft des Helenesees, für den Sommer ist er nach seinen Angaben komplett ausgebucht.

Einbußen wohl auch für Pächter

Von der Tagesordnung im Hauptausschuss genommen wurde die Diskussion um die Anpassung des Pachtvertrages für den See. Eine mehrjährige Sanierung würde bedeuten, dass der Betreiber sein Geschäft nicht ausüben kann, so Frankfurts Wirtschaftsdezernent Andre Prusa. "Das wäre unlauter, und deshalb reden wir über so etwas nicht. Wir müssen jetzt an der Seite des Betreibers stehen und ihm zeigen, dass wir so schnell wie möglich wieder in Nutzung kommen."

Dem Pächter des Sees, dem Frankfurter Unternehmen Daniel Grabow, steht möglicherweise Schadensersatz zu. Er wertet die Zeichen am Montag positiv. "Es geht um viel und um viele Menschen, die für uns arbeiten oder im Verbund stehen. Wir reden von mehreren hundert Menschen, die ihr Auskommen im Zusammenhang mit Veranstaltungen am See haben."

Fehlende Sanierung sorgt für Sperrung

Vor Pfingsten hatte das Landesbergamt den gesamten Uferbereich des Helenesees gesperrt, weil es zu weiteren Abbrüchen an der bis zu 60 Meter tiefen Kante des ehemaligen Tagebaus kommen kann. Nach Auskohlung war der Tagebau zu DDR-Zeiten bis etwa 1970 mit Grundwasser vollgelaufen. "Es gab da keine Fremdflutung, der ehemalige Tagebau lief von alleine voll", so Fritze. Eine geotechnische Sanierung oder wasserrechtliche Genehmigung vor der Nutzung als Badesee habe es damals wohl nicht gegeben, vermutet Fritze. Dafür aber Böschungs-Abrutschungen und Teilsperrungen im Laufe der folgenden Jahre: Der Behördenleiter listet allein ein knappes Dutzend an Sicherungsmaßnahmen auf, die seit 1998 an unterschiedlichen Strandabschnitten des Helenesees gelaufen sind. Das unsanierte Südufer ist bereits seit elf Jahren gesperrt.

Sendung: Antenne Brandenburg, 01.06.2021, 06:30 Uhr

Mit Material von Michael Lietz und Jeanette Bederke (dpa)

4 Kommentare

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  1. 4.

    Bisher hat der Helenesee unzähligen Menschen Freude und Erholung gebracht und wird es auch wieder tun.
    Ihr plumpe Stimmungsmache haben Sie anno 1960 verpasst, sofern Sie da schon lebten.

  2. 3.

    Schweden würden sagen : Der Tagebau hat unsere Träume gestohlen! Na dann viel Glück an die Geschädigten und Glückauf bei der Bürokratie.

  3. 2.

    Keine Sorge,
    die Gewinne der Unternehmer sind dann nicht mehr in der BRD.
    Das darf der Steuerzahler begleichen.

  4. 1.

    Für jede Tonne verbrannte Kohle schickt die Natur die Rechnung auch wenn es lange dauert. Da wird es in der Lausitz noch viel Freude geben.

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