Von der Ruine zum Edelrestaurant - Borchardt-Betreiber wollen in Schloss Dammsmühle investieren

Betreiber vom Borchardt will Schloss Dammsmühle in Schönwalde bei Wandlitz übernehmen
Video: Abendschau | 12.06.2021 | Helge Oelert | Bild: rbb

Seit rund 30 Jahren liegt das Schloss Dammsmühle im Dornröschen-Schlaf. Lange zog das marode Gebäude nur als Lost Place die Besucher an. Doch jetzt wollen die Betreiber des Berliner Borchardt wieder Glamour einziehen lassen. Von Helge Oelert

Das Schloss Dammsmühle in Schönwalde bei Wandlitz (Barnim) war vor 100 Jahren ein Partyort für die exzesshungrige Berliner High-Society. Später nutzte es während der Zeit des Nationalsozialismus die SS, zu DDR-Zeiten die Staatssicherheit.

In den vergangenen Jahrzehnten verfiel das Schloss langsam. Aber jetzt soll es wieder zum Vergnügungsort werden. Der Berliner Promi-Gastronom Roland Mary, der unter anderem das Borchardt betreibt, will 40 Millionen in das Objekt investieren.

Schloss im Dornröschenschlaf

Umrahmt von grünen Bäumen, direkt am Mühlenteich gelegen, wirkt das marode Gebäude fast wie ein verwunschenes Schloss. Doch die Jahrzehnte des Leerstandes habe deutliche Spuren hinterlassen. Die Fassade bröckelt, verbarrikadierte oder gar eingeschlagene Fenster und Rost an den kunstvoll geschmiedeten Geländern.

Gerade dieser geheimnisvolle Charme zieht Menschen aus Berlin an. Ein junges Paar aus der Hauptstadt schleicht am Bauzaun entlang. "Es sieht ziemlich cool aus, wie ein verlassenes Gebäude. Wir haben geguckt, ob man irgendwo reingehen kann, aber bisher haben wir noch nichts entdeckt."

Sagenumwogen war das Schloss besonders in der DDR. Denn bis zur deutsch-deutschen Einheit war der Zugang verboten. Jahrelang diente die zu einem Schloss umgebaute alte Dammmühle dem Chef der Stasi, Erich Mielke, auch als Gästehaus und Ausbildungsstätte. Nach Aussage der ehemaligen stellvertretenden Bürgermeisterin Inge Warnau von 1990, wussten selbst die Anwohner damals nicht, was hinter den Zäunen passierte.

Betreiber vom Borchardt will Schloss Dammsmühle in Schönwalde bei Wandlitz übernehmen
Schloss Dammsmühle bei Wandlitz | Bild: rbb

Promintente Investoren am Werk

In den folgenden 30 Jahren kamen und gingen zahlreiche Investoren, die große Träume hatten, aber an der Wirklichkeit scheiterten. Doch jetzt gibt es laut dem amtierenden Wandlitzer Bürgermeister Oliver Borchert (Freie Bürgergemeinschaft Wandlitz) wieder eine Perspektive. "Wir sind mit dem aktuellen Interessenten seit 1,5 Jahren im Gespräch. Was positiv ist, ist, dass sie eine umfangreiche Analyse, eine Planung - auch in der Landschaftsgestaltung - gemacht haben. Da merkt man das ernsthafte Interesse, das Projekt auch zu Ende zu führen."

Betreiber vom Borchardt will Schloss Dammsmühle in Schönwalde bei Wandlitz übernehmen
Marode Fassade von Schloss Dammsmühle | Bild: rbb

Bei den Interessenten handelt es sich um den Besitzer des Berliner Edel-Restaurants "Borchardt" am Gendarmenmarkt. Das bestätigte die Gast Art Restaurations GmbH - zu der das Borchardt gehört - dem rbb auf Anfrage.

Die Rede ist von einer Investitionssumme von etwa 40 Millionen Euro, um Schloss Dammsmühle für die Hauptstadt-Society wieder in aller Pracht erstrahlen zu lassen. Doch die Normalsterblichen, die die Anlage an den Wochenenden bevölkern, haben bei den Plänen gemischte Gefühle. Flaneur Stefan Missling etwa zeigt sich skeptisch. Er sagt, er könne sich vorstellen, dass der Prachtbau auch in zwei Jahren noch genauso dastehe. "Einerseits wäre das schade, weil es so eine tolle Substanz ist. Andererseits wäre es schade, weil denn hier auf den leeren Straßen wieder Autos fahren."

Derzeit sind am Schloss Sanierungsarbeiten in Gange. Eine Eröffnung war für Ende dieses Jahres geplant. Ob das angesichts des derzeitigen Zustandes und die Coronapandemie realistisch ist, kann aber bezweifelt werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 14.06.2021, 14:40 Uhr

Beitrag von Helge Oelert

7 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 7.

    Icke war letztes Jahr mit dem Radl dort und auch ein Herr Spahn samt Anhang. Wollte wohl auch investieren. Spass beiseite! Es ist immer gut wenn so alte Bausubstanz erhalten wird.

  2. 6.

    Der Artikel klingt als wäre es neu dass der Borchardt-Chef das Schloss sanieren will - ist es aber nicht, das ist bereits seit mindestens 2 Jahren bekannt und seitdem wird auch Stück für Stück saniert. Bauzäune, Container, erst halb dann die ganze Front eingerüstet, inzwischen auch das Türmchen. Alle halbe Jahre fahre ich hin um die Fortschritte anzugucken und freue mich auf einen Restaurantbesuch irgendwann nach Fertigstellung - aß ich doch anno 1997 bereits einmal dort, kurz bevor es dem langsamen Verfall preisgegeben wurde.

  3. 5.

    Mich stört es nicht, wenn es in der Zukunft ein "Glamour"-Schloss werden sollte- Ich kann und will mir auch die Mitgliedschaft im Soho-House in Berlin nicht leisten. Deshalb bin ich froh, wenn die Bausubstanz gerettet wird. Es gibt noch genug Schlösser und Herrenhäuser in Brandenburg, die auch aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden müssten. Ich gucke mir immer gerne die Sendungen des rbb dazu an. Da gibt es ja auch vollkommen normale Leute, die da Jahrzehnte lang dran arbeiten und ihr ganzes Geld und ihre Zeit reinstecken und nebenbei noch Kinder großziehen.. Das findere ich bewundernswert; ich könnte es nicht. rbb: Gerne mehr davon!!!

  4. 4.

    "Wir leben in einem kapitalistischen System mit den entsprechenden Interessen und Gesetzlichkeiten".

    So ist es. Und im Sozialismus war für Ottonormalverbraucher dort alles abgesperrt und die STASI lungerte dort herum.

  5. 3.

    Der Redakteur Helge Oelert wurde leider vom puren Neid beeinflusst, als er seinen Beitrag schrieb. Wir leben in einem kapitalistischen System mit den entsprechenden Interessen und Gesetzlichkeiten. Meine Empfehlung: Wer es sich nicht leisten will oder kann, im Schloss Dammsmühle zu speisen, sollte mal nach Slubice fahren. Dort gibt es das Restaurant Villa Dudziak - auch schön gelegen am Wasser - mit einer guten Karte, wo das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt! Es gibt auf der Welt für alle Bedürfnisse die entsprechenden Angebote. Es pflege das Motto: Leben und leben lassen!

  6. 2.

    Ich freue mich, wenn es tatsächlich gelungen ist, hier einen potenten Investor doch noch gefunden zu haben. Denn noch ein paar Jahre, und alles ist hin. Natürlich müssen die Gäste die Möglichkeit haben, mit dem PKW die Lokalität zu erreichen. Und das zahlungskräftige Publikum muss auch so zahlreich kommen, dass sich die 40 Millionen Investitionssumme rechnet. Ich wünsche Borchard gutes Gelingen.

  7. 1.

    Ich frage mich, warum der offensichtlich von allen Seiten akzeptierte Investor (nein, ich kenne werder ihn, noch seine Locations!) sich vom Redakteur des Beitrags so unprofessionell darstellen lassen muss. Das "Borchards" als "Edelschuppen" abzukanzeln ist schon ziemlich arrogant, zumindest heftig dümmlich. Oder doch einfach nur Hauptstädtisch?

Nächster Artikel