Viadukt über die Oder bei Neurüdnitz - Fahrrad-Grenzübergang nach Polen zur Hälfte eröffnet

Die marode Eisenbahnbrücke "Europabrücke" über den deutsch-polnischen Grenzfluss Oder nahe Neurüdnitz im Oderbruch (Brandenburg) (Quelle: dpa/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 25.06.2021 | Jakub Paczkowski | Bild: dpa/Patrick Pleul

Eine jahrelang ungenutzte Brücke im Oderbruch sollte ein Tourismus-Hot Spot werden. Doch dann kam der Baustopp wegen eines brütenden Uhus. Jetzt erobern Radler das Viadukt. Von Jakub Paczkowski

Ein Schritt zur Normalität: Die polnische Seite der Fahrradbrücke Neurüdnitz-Siekierki ist am Samstag eröffnet worden. Die 700 Meter lange Bahnbrücke wurde Ende des 19. Jahrhunderts erbaut und war Teil der Preußischen Ostbahn.

Nun hat das Viadukt eine neue Funktion erhalten: Es ist zu zum einem der schönsten Fahrrad-Grenzübergänge Europas geworden.

Amtsdirektor Karsten Birkholz vom Amt Barnim-Oderbruch engagiert sich seit Jahren für die Nutzung. "Diese Brücke stellt ein zentrales Verbindungselement zwischen den unterschiedlichen Radwegen her", sagt er. Wenn man es sich auf der Karte anschaue, biete es sich von Berlin an, mit dem Fahrrad auf polnischer Seite nach Szczecin (Stettin) zu fahren. "Und unsere Brücke ist eine ganz tolle Gelegenheit, um über die Oder zu gelangen. Es gibt natürlich auch eine Fähre und auch Straßenbrücke, aber unsere Radfahrer- und Fußgängerbrücke dürfte, insoweit einzigartig im Bereich der Oder sein", fügt der Amtsdirektor hinzu.

Deutscher Teil soll erst im Frühjahr 2022 geöffnet werden

Wegen des 30. Jahrestags der deutsch-polnischen Nachbarschafts-Verträge hat man sich auf der anderen Oderseite dafür entschieden, die Teileröffnung bereits in diesem Jahr durchzuführen. Auf deutscher Seite dauert dies aber noch eine Weile. "Wir hoffen, dass wir im Winter 2021/22 mit den letzten Arbeiten fertig werden", so Birkholz weiter. Aber eine offizielle Eröffnung auf deutscher Seite mache aus seiner Sicht nur zum Beginn der kommenden Radfahrer-Saison einen Sinn. "Das wird im Frühjahr 2022 der Fall sein", sagt Birkholz.

Der Lokalpolitiker kämpft schon seit mehr als zehn Jahren für Pläne für eine Brückennutzung im Zusammenhang mit sanftem Tourismus. Es gibt seinen Angaben zufolge weit und breit keine ähnliche feste Oder-Querung. Die nächste Gelegenheit in nördlicher Richtung ist der 30 Kilometer entfernte Grenzübergang Hohenwutzen. Im Süden sind es noch einmal zehn Kilometer mehr bis man Küstrin-Kietz erreicht.

Uhu-Streit legte das Projekt lange Zeit lahm

Berühmtheit, wenn man es so sagen kann, erlangte die "Europabrücke Neurüdnitz–Siekierki" durch streng geschützte Uhus. Diese hatten sich auf einem Brückenpfeiler niedergelassen und einen Brutplatz errichtet. Naturschutzrechtliche Belange machten zunächst alle Pläne unmöglich, das Viadukt zu nutzen. Dann kam aber die Wende: Mit Naturschützern konnten Kompromisse gefunden werden. Auf polnischer Seite entstanden zehn künstliche Nistplätze.

Dem Engagement von Lokalpolitikern auf beiden Seiten der Oder sei es letztlich zu verdanken, dass der Umbau der Brücke nun doch vorangetrieben wurde, berichtet Malgorzata Karwa,
die Bürgermeisterin des polnischen Cedynia. "Unsere Zusammenarbeit erstreckt sich auf verschiedenste Aktivitäten und Vereine, auch aus dem Bereich Tourismus. Ganz ehrlich, wir Bewohner der Grenzregionen, sind wie eine große Familie."

Drei Millionen Euro aus EU-Mitteln und aus Polen

Die Brückensanierung wurde hauptsächlich mit Mitteln des EU-Strukturfonds der EU bestritten. Aber auch die polnische Seite in Form des Marschallamts der Wojewodschaft Westpommern und der Partnergemeinde Cedynia haben Gelder beigesteuert. Insgesamt mussten für das Projekt "Europabrücke" knapp drei Millionen Euro locker gemacht werden. So wurde die Stahlkonstruktion der Brücke gereinigt und mit einem neuen Anstrich versehen. Auch eine Aussichtsplattform wurde montiert.

Die Bauarbeiten am polnischen Brückenteil sind schon seit Mitte Mai abgeschlossen. Seither konnten 400 Meter Fahrrad- beziehungsweise Fußgängerweg inoffiziell benutzt werden. Auch die Aussichtsplattform ist seither erreichbar.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, 25.06.2021, 15:10 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    Ein eher schlechtes Beispiel dafür sind dagegen Teile des Rennsteigs. Ursprünglich ja eine bedeutende Wanderstrecke von einem seinerzeit eigenständigen Land zum anderen. Heute von der Grenze Hessen / Thüringen bis zur Grenze Thüringen / Bayern, nahe des Dreiecks zu Sachsen.

    Teile des Rennsteigs haben sich Mountainbiker erobert, offenbar nachdem sie touristisch dazu eingeladen wurden. Den Wanderern verbleibt nur das Schlagen durch das Unterholz, da, wo es bergab und bergauf geht.

    Kein Berliner Problem mithin, sondern eher eines der persönl. Veranlagung, der Größe und Leistungsfähigkeit des Gefährts. So, wie beim Auto meistens auch.

  2. 6.

    Bei ca. 2-3m Breite ist mit baulicher Trennung wenig zu machen, daher werden die „Konflikte“ so gelöst wie auf allen touristischen Rad und Fußwegen. §1 StVO ist außerhalb Berlins weitläufig bekannt und wird zumindest auf Radwegen gut respektiert.

  3. 5.

    Die Brücke war nicht teil der Preußischen Ostbahn, sondern Teil der Bahnstrecke Bahnstrecke Wriezen–Jädickendorf, siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnstrecke_Wriezen%E2%80%93Godk%C3%B3w sowie Oderbrücke Bienenwerder https://de.wikipedia.org/wiki/Oderbr%C3%BCcke_Bienenwerder

  4. 4.

    Wie sind Fuß- und Radweg auf der Brücke baulich voneinander getrennt? Oder werden bewusst Konflikte in Kauf genommen?

  5. 3.

    Danke für die Info, dass die Brücke "inoffiziell" schon benutzt werden kann. Ansonsten würde eine Eröffnung eines Brückenendes nicht viel Sinn machen. Oder höchstens als Touristenattraktion wie der Pont d'Avignon....

  6. 2.

    Leider scheint sich diese Brücke auf deutscher Seite noch in einer Art Dornröschenschlaf zu befinden. Aber der Optimismus des Landrats macht ja doch Hoffnung…
    Leider irrt dieser sich jedoch bez. der Fähre in Güstebieser Loose, die hat im Frühjahr 2020 ihren Betrieb leider eingestellt und es ist nicht in Erfahrung zu bringen, ob dieser wieder aufgenommen werden soll.

  7. 1.

    Schon wieder so eine Umweltposse. Bei der Berichterstattung wird ganz vergessen, dass es vor vielen Jahren schon mal die Idee gab, die Oderbrücke mittels Draisine zu befahren. Was ist aus dieser Initiative geworden?

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