615 Euro stehen im Raum - VBB und Studierende streiten um Preis für neues Semesterticket

Studierenden-Vertreter Weingärtner aus Berlin und Kolbe aus Brandenburg
Audio: Antenne Brandenburg | 23.06.2021 | Matthias Weingärtner | Bild: Georg-Stefan Russew/rbb

Schon wieder hakt es bei den Verhandlungen zwischen VBB und Studierenden um eine Regelung fürs Semesterticket. Im Raum steht die Zahl von 615 Euro. Sie führt zu hitzigen Debatten. Von Georg-Stefan Russew

Bei den Verhandlungen zwischen dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und den Studierenden in Berlin und Brandenburg um ein neues Semesterticket knirscht es.

Nach Angaben von Studierendenvertretern der "Interessengemeinschaft Semesterticket Berlin-Brandenburg" (IGSemTixBBB) vom Mittwoch, visiert der VBB ab dem Sommersemester 2022 einen Jahresticketpreis von 615 Euro an. Dieser soll für das VBB-Gesamtnetz gelten. Diese Angaben decken sich mit einem VBB-Papier mit dem Titel "Neubewertung Semesterticket in Anlehnung an das VBB-Abo Azubi für 365 Euro" hervor, das dem rbb vorliegt.

Nach Angaben der Studierenden-Gemeinschaft handelt es sich um einen vereinheitlichten Tarif, der nach VBB-Vorstellung für alle Studierenden in Berlin und Brandenburg gelten soll. "Über den Daumen gepeilt wären das Mehrkosten um die 200 Euro zu den bisher bestehenden Tarifen", sagte Studierenden-Sprecher Matthias Weingärtner.

Weingärtner kritisierte den VBB scharf. Die Studierenden würden "ausgepresst", damit die verlorenen Einnahmen des VBB aus der Corona Pandemie zurückgeholt würden, so Weingärtners Vorwurf.

VBB wies Studierenden-Darstellung als falsch zurück

Die VBB wies den Vorwurf zurück. "Die Darstellung der IGSemTixBBB ist falsch", teilte VBB-Sprecher Joachim Radünz auf rbb-Anfrage mit. Bis einschließlich Wintersemester 2023/24 bestünden festgelegte Semesterticket-Preise. Die 615 Euro sei nur ein Wert, der im Rahmen der Verhandlungen gefallen sei.

"Die VBB GmbH, die im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg die Verhandlungen mit den Studierenden führt, hat im Gespräch mit den Studierenden der IGSemTixBB lediglich und ausschließlich die Ergebnisse der Berechnungen vorgestellt und die daraus resultierenden, erforderlichen Zuschüsse für ein 365 Euro-Semesterticket benannt", so Radünz weiter. Man sei weiterhin gesprächsbereit, unterstrich er Sprecher.

Interessant an der VBB-Darstellung ist der Fakt, dass aus der "Neubewertung" des Verbunds jedoch hervorgeht, dass 33 Hochschulen in der Region über Semesterticket-Verträge von einem Jahr verfügen und diese mit Ablauf des Wintersemsters 2021/22 auslaufen. Lediglich bei 17 bestünden Drejahresverträge, die mit Ablauf des Wintersemester 2023/24 enden.

Schon harte Verhandlungen in Herbst und Winter

Bereits im vergangenen Winter-Semester war es zu harten Verhandlungen zwischen VBB und Studierenden gekommen. Nur durch das Einspringen von Berlin und Brandenburg mit mehr als zwei Millionen Euro konnte der Streit geschlichtet werden, die Preise für die Studierenden wurden eingefroren. Ende März 2022 läuft diese Lösung aus.

Studierendenvertreter Tilmann Kolbe betonte, dass ihm in dem Gespräch mit dem VBB deutlich gemacht wurde, dass real mit 615 Euro geplant werde. Ein 365-Euro-Semesterticket könne es mit dem VBB nur geben, wenn Berlin und Brandenburg die Lücke von 250 Euro schließen würde. Für Berlin wären dies laut VBB-Papier bei 172.000 Berliner Studierenden pro Jahr 43,1 Millionen Euro. Für Brandenburg mit 46.000 Studierenden wären es 11,5 Millionen Euro.

Wenn dies nicht geschehe - so habe es Kolbe verstanden, sagt er - müssten Studierende diese Differenz selbst zahlen, wenn es um das vereinheitlichte Ticket gehe.

Berlin will gute und tragfähige Lösung

Vom Land Berlin hieß es, man habe großes Verständnis für die finanziellen Nöte vieler Studierender gerade in Pandemie-Zeiten. "Daher unterstützt Berlin auch die Studierenden mit einem einmaligen Zuschuss von 1,9 Millionen Euro beim Semesterticket für 2021", kommentierte Jan Thomsen, Sprecher der Senatsverwaltung für Verkehr. Auch Brandenburg zahle einen einmaligen Zuschuss.

Zu den aktuellen Gesprächen zwischen VBB und der Studierendenschaft könne Thomsen nichts sagen, da die Länder bislang nicht involviert waren. "Diese Gespräche werden fortgeführt, das muss auf valider Datengrundlage geschehen. Das Land Berlin will eine gute und tragfähige Lösung, die noch zu finden ist", sagte Thomsen dem rbb.

Sendung: Antenne Brandenburg, 23.06.2021, 14:30 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    Genau so einfach ist die Lösung auch! Brecht die Verhandlungen ab und lasst es mit dem Semesterticket. Wer die Leistungen der BVG oder des VBB benötigt, zahlt dann den normalen Abopreis, der ohnehin nicht besonders teuer ist, gerade für Berlin AB(C). Der billigere Preis kam ja nur durch den Zwang zustande, die Studenten wollten es ja mehrheitlich so. Wenn sich das gewandelt hat, muss ja die Studentengemeinschaft nicht mehr dran festhalten. Die Kosten für Nichtstudenten sind auch in den letzten Jahren gestiegen und die haben die Studenten sogar noch quersubventioniert.

  2. 20.

    Dass in Frankfurt/ O. oder Cottbus kaum jemand wohnen möchte, liegt an den Städten und hat, "überraschend", rein gar nichts mit dem Thema zu tun.

    Die Frage ist doch, woher Studierende etc. das Geld nehmen sollen - von max. 20 Std., da man nicht mehr arbeiten darf und zudem beziehen rund 90% der Auszubildenden und Studierenden kein(!) BaföG. So wird die Spaltung der Gesellschaft nur weiter forciert und es können nur noch die Kinder von Mitttelschicht und höher akademische Abschlüsse erreichen. Das sozio-ökonomische Ungleichgewicht ist in Deutschland aber bereits groß genug, schon nach der Grundschule international unvergleichlich toxisch selektiv.

    Rein ökonomisch erklärt sich der Mehrbetrag auch nicht - die Leistung wurde ja nicht entsprechend ausgebaut - WIllkür. Es gibt aber eine Alternative: gar kein Semesterticket, was aber nur für wenige in Frage kommt. Es bleibt bei der Erpressung und VBB wird sich am Staat bereichern.

  3. 19.

    Auch an Sie noch mal: ich will das Ticket nicht, da ich die BVG nicht nutze. Ich bin für die Abschaffung der Semesterticketpflicht. Berlin hat knapp 200.000 Studierende. Das sind 246 Millionen Euro, die die BVG von den Studierenden jährlich haben will, während Schüler gänzlich kostenlos fahren. Unlängst hat das BVerfG entschieden, dass die Bafög-Sätze verfassungswidrig sind. Wohl dem, der reiche Eltern hat.

  4. 18.

    Ich bin nicht nur in Berlin geboren, ich arbeite auch hier im Landesdienst; kann also nicht einfach Meine Kinder zum Umzug zwingen um das Semesterticket zu sparen. Und da es 2 Semester im Jahr gibt (was Sie wüssten, wenn Sie wirklich studieren würden)betragen die Mehrkosten nicht 250 sondern 500 EUR. Im Übrigen bin ich weder Raucher noch trinke ich Alkohol. Aber klar: Studium abbrechen ist ne Alternative. Soll sich der Staat doch die Lehrer, Ärzte, Richter und andere Steuerzahler, die derzeit gerade in Berlin sind aus den Rippen schneiden.

  5. 17.

    Es soll Studenten geben , welche in Berlin wohnen und studieren?

    Ebenso säuft nicht jeder Student und raucht.
    Was für eine Farce.
    Mit 400 € Bafög mal 200 € mehr zahlen, hammermäßig

  6. 16.

    Für das Straßencafé ist ja auch genug Geld da.

  7. 15.

    Hier wird niemand ausgepresst liebe Studierende. Was Kosten eine Jahreskarte im Gesamtnetz dem Fahrgast? Für Differenz müssen alle anderen Fahrgäste aufkommen. Es sorgt außerdem auch vor Probleme, z.Bsp das die Studenten nicht wohnhaft werden. Sie Pendeln günstig z.Bsp nach Berlin um dort in Gemeinschaften zu wohnen. Nicht um sonst meint man in Frankfurt das Studenten nur den Weg bis zum Bahnhof kennen.

  8. 14.

    Das Semsterticket ist freiwillig. Niemand zwingt einen dazu in Berlin oder Brandenburg zu studieren. Es gibt sicherlich Orte, in denen man kein Ticket erwerben muss.

    Ich finde den Preis angemessen. Und was sind schon 200 € Mehrkosten pro Jahr? Einfach pro Monat ein Schachtel und drei Flaschen Konsumverzicht und schon ist das Geld wieder drin.

    (Mal ganz abgesehen davon, dass die Mehrheit der Studenten das Geld hat.)

    p. s. Bevor jetzt wieder alle meckern: Ich studiere nicht in Berlin und Zahle im Semester über 1.000 €. Zeit zum meckern bleibt keine.Gehe halt arbeiten.

  9. 13.

    Die Verkehrsnutzung ist so gering, da ist es eine Frechheit die Preise zu erhöhen. Eine Rückerstattung wäre angebracht!

  10. 12.

    Ich kann meinen gewählten Beruf (Studium) also nur erlernen, wenn ich einen Fahrschein teuer bezahle, den ich vielleicht nicht mal benötige.

    Semestertickets sind eine gute Sache, wenn sie freiwillig sind. Gibt (oder gab?) es in anderen Städten so.

  11. 11.

    Der Kaufzwang soll fallen und dann fahren alle schwarz. Das ist der beste Kompromiss. Die meisten Studentinnen fahren eh Fahrrad. Brauchen also kein Semesterticket.

  12. 10.

    Der Senat baut doch wie bekloppt Radwege. Sogar extrabreit und legt ganze Straßen dafür still, damit man auch in Ruhe nebeneinander quatschen kann, während die Stadt dadurch im Stau und in Abgasen versinkt. Dann nutzt die doch auch.
    Die, welche sich aufregen haben meistens ja auch kein Problem damit wenn andere, die niemals ÖPNV fahren zwangsweise zahlen müssen, damit es für sie Vielfahrer günstiger wird. Also was soll diese Scharrade. Zahlt das, was es kostet und da sind 800,- noch zu wenig. Vielen ist gar nicht bewusst, dass die BVG eigentlich dauerpleite ist. In 2019 (vor Corona) über 100 Mio Schulden und das, obwohl der Senat ständig Gelder hinenpumpt, Fahrzeuge bezahlt oder bezuschusst.
    Alleine die S-Bahn macht wegen der Fahrgastmassen pro Fahrzeug und der enormen Transport-Kilometer Gewinne. An diese möchte der Senat ran und das ist der Grund für die "Zerschlagung" eder S-Bahn. Anders als bei der S-Bahn verschohnt der Senat seine BVG auch vor Strafzahlungen.

  13. 9.

    Dann sollten die Studierenden aber mal dringend gegen diese Verpflichtung demonstrieren.

  14. 8.

    Der Erwerb des Semestertickets ist verpflichtend. Glaubst du in Anbetracht der seit über einem Jahr geschlossenen Hochschulen und damit nahezu keiner Nutzung der BVG zahlt das irgendwer freiwillig? Ich wohne 10 min Fußweg von der Uni entfernt und fahre vlt 3x jährlich BVG. Da sind 300 EUR pro Jahr = 100 EUR pro Fahrt schon mehr als genug. Und jetzt soll ich 600 EUR zahlen?

  15. 7.

    Die Verkehrsbetriebe wollen Geld für die Bereitstellung ihrer Dienste?
    Kompromiss ?
    Zuhause studieren. Mehr Platz für Berliner und Brandenburger, mehr Wohnraum, weniger Lärm. - Für die Uni nix bezahlen, die Eltern schreiben die Unterkünfte über die Steuern ab. Den Partylärm, die vollen Züge, den Energieverbrauch und den mehr Müll zahlen die Einheimischen. Einfach mal die Realitäten anerkennen. - Hochschulbildung ? Die Straßen und Brücken sind kaputt. Neubauten gibts aus dem Internet-Glasbaukasten. Die Mediziner lernen teuer schneiden aber weder nähen noch forschen. Lehramtsstudium ? Deutschland, Rotlaternenland. Was wird dort ausgebildet ?

  16. 6.

    Toll, das brauch ich halt nicht. Sehe nicht ein dafür so viel mehr zu bezahlen

  17. 5.

    Das Semesterticket der Uni Potsdam beinhaltete ja bisher schon immer das komplette Berlin-Brandenburg Netz und kostete trotzdem nicht so viel, ich finde das unverhältnismäßig!

  18. 4.

    Wo soll denn das Geld dafür auch noch herkommen. Die Gelder werden an anderer Stelle benötigt. Z.B. Berliner Senat fördert E-Taxis mit bis zu 15.000 Euro je Taxi. Fahrt doch Fahrrad und parkt in den schönen neuen hölzernen Fahrradparkhäusern (über 2,2 Mio. pro Haus – und bei den steigenden Holzpreisen vermutlich bald 8 Mio.) Alternativ für Brandenburger gibt es jetzt auch die tollen roten Mitfahrerbänke (1.000€ je Bank), die das Trampen wiederbeleben sollen. :-)

  19. 3.

    Das würde mich auch Mal interessieren. An der Uni Potsdam beinhaltet das Semesterticket ganz Berlin und Brandenburg, an den Berliner Hochschulen nur den VBB Bereich. Und bei letzteren ist es trotzdem teurer. Aus meiner Sicht sollte man aber die Fahrradoption aufgeben. Ich habe die zwar immer viel genutzt, aber eben für Ausflüge am Wochenende und dafür sollte das Ticket nicht da sein. So regt es leider die Fahrradmitnahme an, weil man es eben kann.

  20. 2.

    Na toll was will ich denn mit nem Ticket für Brandenburg? Dafür sollen 200€ draufgehen für 1-2 im Jahr nach Brandenburg mit nem Regio... hört sich nach keinem guten Vorschlag an
    Absolute Frechheit von der bvg da so Druck auszuüben und den Preis so unverschämt stark anheben zu wollen.
    Saftladen BVG

  21. 1.

    Wie wäre es mit einem Kompromiss: Die bekommen ihren höheren Preis, dafür gilt das Berliner Semesterticket dann aber auch für ganz Brandenburg.

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