Märkisch-Oderland - Umweltschützer entdecken Methan-Lecks bei Erdgas-Pipeline

Verdichterstation der Gas-Pipeline in Mallnow
Video: rbb|24 | 06.07.2021 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: rbb

Die Deutsche Umwelthilfe hat an einer Verdichterstation in Märkisch-Oderland Lecks entdeckt, aus denen klimaschädliches Methan austritt. Auch dem Betreiber sind die Gas-Austritte bekannt. Jetzt sollen die Löcher geschlossen werden.

Die Verdichterstation im Lebuser Ortsteil Mallnow (Märkisch-Oderland) ist am Straßenrand der Bundesstraße gut sichtbar. Dort verlaufen Erdgasrohre der osteuropäischen Gas-Pipeline, die diese Station aufnimmt. Genau dort soll es jedoch Lecks geben. Am Ausbläser, wie der Turm auf dem Gelände genannt wird, tritt das brennbare Gas Methan aus.

Umwelthilfe warnt vor Klimaschäden

Die Umweltschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat die Methan-Lecks auf der Verdichter-Station mit Spezialkameras aufgespürt. [duh.de] Solche Ausstöße seien in der Gasindustrie keine Seltenheit, behaupten die Umweltschützer. Doch von der Politik würden sie nicht kontrolliert.

DUH-Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner schlägt Alarm. Dem rbb sagte er am Montag, dass Methan neben Kohlenstoffdioxid das zweitwichtigste Klimagas sei und so dem Menschen über den Klimawandel gefährlich werden könne. "Methan kommt zu einem großen Teil aus der Erdgas-Nutzung. Wenn Kompressor-Stationen, wie die in Mallnow, nicht richtig gewartet werden, treten Gase aus und tragen zum Treibhauseffekt bei."

Gascade, der Betreiber der Verdichterstation behauptet, die Emissionen schon bei Messungen im November vergangenen Jahres entdeckt zu haben. 160 Kilogramm Methan weiche am Tag bei der Verdichtungsstation aus, heißt es bei Gascade. Das sei weit unter dem von der EU erlaubten Wert. Außerdem sei dies für Menschen ungefährlich.

Die Pressesprecherin Uta Kull sagte, dass ab Dienstag die Verdichterstation zur Wartung stillgelegt werde und man die Emission bereits reduziert habe. "Es stießen mal zehn Kubikmeter pro Stunde aus", räumte Kull dem rbb gegenüber ein. "Wir sind uns unserer Verantwortung der Umwelt gegenüber bewusst und wir haben verschiedene Programme, die Methan-Emission zu reduzieren."

Aufnahmen der Deutschen Umwelthilfe von Methan Austritten in MallnowBilder der Umwelthilfe von Methan-Austritten in Mallnow

Methan soll etwa 25 Mmal stärker auf die Umwelt wirken als Kohlestoffdioxid. Gleichzeitig liegt der Anteil der Methan-Emissionen aus der Erdöl- und Erdgasindustrie an den gesamten Treibhausgas-Emissionen deutschlandweit unter einem Prozent. Kritiker wie die DUH fordern trotzdem strickte Maßnahmen. Da Erdgas ein fossiler Energieträger ist, sei dieser per se klimaschädlich.

Müller-Kraenner spricht sich deshalb für eine Methan-Abgabe ähnlich der CO2-Steuer aus. Diese solle Anreize setzten, sorgfältiger mit Erdgas umzugehen. "Darüber hinaus sollte man dort, wo jetzt illegal Methan austritt, entsprechende Bußgelder verhängen."

Umweltamt errechnet Emission

Kontrolliert wird die Mallnower Verdichtungsstation durch das Landesamt für Umwelt. Die Behörde besichtigt die Anlage und prüft die Papiere. Den wahren Wert der Methan-Emissionen zu messen, sei allerdings sehr schwer, sagt der Fachexperte aus dem Umweltbundesamt, Christian Böttcher. "Wenn man überlegt, dass in Deutschland gut eine halbe Million Kilometer Gastleitungen liegen, weiß man vorher nicht, wo ein Leck auftreten kann. Deshalb bräuchte man viele Messgeräte."

Aus diesem Grund nutze das Bundesamt zur Bestimmung der Emissionen sogenannte Emissionsfaktoren. Diese geben Auskunft über das Verhältnis zwischen der Masse des eingesetzten Rohstoffes und des freigesetzten Stoffes. "Ein Emissionsfaktor ist beispielsweise bei einer Pipeline typisch für ein bestimmtes Material und einen bestimmten Druck", so Böttcher. "Und man kann sagen: Pro Kilometer dieser Pipeline kommt so und so viel Emission raus." Wie viel Methan austritt, werde also ausschließlich mathematisch berechnet.

Eine andere Problematik sei, dass die Daten zu Emissionen aus der Industrie stammen und von Behörden nicht überprüft werden. Das Landesamt für Umwelt äußerte schriftlich, es suche selbst nicht aktiv nach undichten Stellen. Dort heißt es: "Aus den geltenden emissionsschutzerechtlichen Gesetzen, Regelwerken und Vorschriften ergibt sich keine Pflicht für die Überwachungsbehörden zur Suche nach Lecks".

Christian Böttcher sagt, in den vergangenen 30 Jahren seien die Methan-Emissionen in der Gasindustrie um 40 Prozent zurückgegangen. Doch auf den Erfolgen könnten Politik und Industrie sich nicht ausruhen. Es gebe noch weiteres Potential Emissionen einzusparen, welches schnell genutzt werden müsse. "Wir wollen auch in Zukunft Teile dieser Infrastruktur nutzen, um etwa unser Biogas oder Wasserstoff in den Leitungen zu den Menschen zu bringen."

Das Problem der Methan-Lecks soll mit dem ab Dienstag beginnenden Wartungsstillstand gelöst werden. Der Betreiber habe dafür spezielle Ventile und Verbindungsstücke angefertigt. Auswirkungen auf die Bevölkerung soll es keine geben, da das Gas wird umgeleitet werde.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, 05.07.2021, 16:40 Uhr

Mit Material von Tatjana Schweizer und Rainer Unruh

Die Kommentarfunktion wurde am 06.07.2021 um 22:42Uhr geschlossen

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32 Kommentare

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  1. 32.

    Keine Ahnung haben Sie von der Funktion einer Biogasanlage wie ihre lächerlichen Ausführungen belegen. Das weder Ulf Peter dies aufgefallen ist, ist ebenso bedenklich.

  2. 29.

    Wie kommen Sie dazu mir eine solche beleidigene Unterstellung unterzuschieben?

  3. 28.

    Die Mühe können Sie sich sparen, Herr Preuße versteht nicht das vor Millionen Jahren von der Natur eingelagerter Kohlenstoff in nur 200 Jahren vom Menschen freigesetzt irgendeine Auswirkung hat.......

  4. 27.

    Wie wäre es wenn Sie etwas weiter denken anstatt Ihre falschen Platitüden zu wiederholen?
    Wie sähe den Deutschlands CO2 Kurve ohne EE aus?
    Hohe Strompreise......50 Milliarden Subventionen für die Fossil Lobby streichen und den Bürger mit dem Strompreis entlasten. Der prinzipielle Ansatz der Grünen ist richtig.

  5. 26.

    Der Vergleich hat schon wieder ein Holzbein. In einer Biogasanlage wird die Menge X an natürlicher Biomasse vergoren. Daraus kann nur eine bestimmte, dem natürlichen Kreislauf entsprechende, Menge Methan entstehen. Mit einfachen Worten - die Kuh kann nicht mehr pupsen, als sie fressen kann.
    Bei der Erdgas- / Erdölförderung fällt als Nebenprodukt Methan fossilen Ursprungs an - also ganz viel alter Kuhpups ;-). Dieses Produkt wird nun zusätzlich in den den aktuellen Kreislauf eingebracht. Das ist das Problem dabei - "zusätzlich".
    Nicht schwer zu verstehen.

  6. 25.

    Ich hoffe das wird veröffentlicht! Dieser gesamte Artikel ist ein bashing gegen ein Unternehmen was sich erst mal an geltende Regeln hält! Den es wurde bei den regelmäßigen Kontrollen festgestellt es tritt was aus ! Wieviel tritt aus ? Alles im Grenzwert! Lösung zum schließen des Lecks ist auch vorhanden nur aufgrund der Technik ist es etwas komplexer ! Aber eine Lösung ist da und bei der nächsten großen Wartung mit eingeplant ! Vielleicht sollte man mal allen hier so tollen mit Streitern der DUH mal erklären das ich so etwas nicht sofort abschalten kann weil dann vielleicht X Haushalte oder Krankenhäuser oder Kitas ohne Versorgung da stehen so etwas will geplant werden und muss vorbereitet werden! Sollten die Grenzwert überschritten werden hätte das Unternehmen sicher auch schon aus anderen Gründen das Unternehmen gehandelt ! Dieser Artikel ist völlig nichtssagenden (sorry) das ist nicht der große Wurf und der große Umweltskandal der hier aufgedeckt wurde ! Und dann vorderer der Herr der DUH noch gleich mal Strafen! So kennen wir die Freunde der DUH es ist sicher schon ein Anwalt damit betraut worden und prüft was da geht! Man ist das alles traurig hier!

  7. 24.

    Manchmal frage ich mich echt, wo den Menschen das logische Denken abhanden gekommen ist. Holger und die Deutsche Umwelthilfe verklagen Biogasanlagen warum nicht?

  8. 23.

    Wie wenig die Hilfstruppen der Deutsche Umwelthilfe informiert sind. Biogasanlagen sind unnütz und zerstören die Umwelt, aber keiner der Ökos spricht sich gegen diese aus.

  9. 21.

    Interessante Debatte hier. Viele gute Argumente für den Klimaschutz. Mich stören am Artikel jedoch zwei Details:

    1. Wird die „Deutsche Umwelthilfe“ (DUH) verkürzt als „Umweltschützer“ dargestellt. Das Geschäftsmodell dieses dubiosen Vereins ist jedoch hoch umstritten und m.E. größtenteils eigennützig.
    2. Ist eine Messung kurz vor einer geplanten Wartung unseriös. Auch eine Hose ist vor der Wäsche nun mal dreckiger als danach. Davor zu gucken ist ein Mittel der Skandalisierung, wie sie typisch ist bei der DUH. Hier müsste der Artikel besser einordnen und sollte die PR der DUH nicht einfach nur weitertransportieren.

  10. 20.

    Die Bürger wären schon eingeschränkt wenn Anlagen in der Heizperiode runtergefahren werden. Bitte etwas weiter denken.
    Warum sind Sie nicht gegen Biogasanlagen? Das konzeptlose wichtig Getue der Grünen hat Milliarden gekostet und bislang nichts gebracht. Kann jeder an der Co2-Kurve Deutschlands nachvollziehen.

  11. 19.

    Ein wundervolles Beispiel dafür, dass man Umweltschutzgegner nicht mal annähernd ernst nehmen kann.

  12. 18.

    Kann nicht gemessen werden? Wenn man die Ausgabe von der Einspeisung abzieht, dann ergibt sich der Verlust durch die Leitung. Zwei Messgeräte fest installiert reichen.
    Für alle die es nicht verstehen mal der zentrale Unterschied zwischen fossilen und nicht fossilen Methan: Der Kohlenstoff vom fossilen Methan ist an unserer derzeitigen Atmosphäre nicht beteiligt. Das natürliche Methan, dass durch Vergährung von Pflanzen entsteht, ist als klimaneutral eingestuft. In der Tierzucht werden allerdings auch fossile Energieträger mit verfüttert, von daher ist gerade Massentierhaltung nicht klimaneutral (nur basierend auf dem Futter und nicht der anderen Faktoren).
    Sonst ist merkbar, dass Haltungen recht eigen sind. Ein leckendes Wasserrohr im Haus würde jeder sofort fixen, weil er sich um das Haus sorgt, aber wenn es nicht im eigenen Haus ist, dann ist es egal.

  13. 17.

    Zufällig misst kurz die DUH vor der geplanten Wartung und der RBB springt über das Stöckchen.

  14. 16.

    Also wenn man diese Leitungen und Verdichter technisch nie zu 100% dicht bekommt, wieso baut man an diese "Methanentlüftung" nicht ein kleines Kraftwerk, mit dem Strom erzeugt wird? Verbrennungsmotoren für alle möglichen Energieträger gibts ja.

  15. 15.

    Eine Rose, ist eine Rose, ist eine Rose.
    Methan, ist Methan, ist Methan.

  16. 14.

    Es ist schon ein Unterschied ob das Gas fossilen Ursprungs ist oder nicht.

  17. 13.

    Wenn jedes kleine Gasleck sofort geschlossen werden muss ..... müssen Rinder-, Schweine, Hunde, Menschen sofort die Fortpflanzung einstellen.

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