75 Jahre Gedenken Lager für Kriegsheimkehrer - Nach dem Krieg ging's nach Hause über Frankfurt (Oder)

Eine Animation zeigt: Der Eingangsbereich zum Inneren des Heimkehrer-Lagers Gronenfelde in Frankfurt (Oder).
Video: Brandenburg aktuell | 27.07.2021 | Michael Lietz | Bild: Christoph Neubauer

Vor 75 Jahren wurde das Heimkehrerlager Gronenfelde in Frankfurt (Oder) in Betrieb genommen. Deutsche Kriegsgefangene fanden nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges hier ihren Weg zurück in die Heimat. Viele andere starben bei dem Versuch. Von Marie Stumpf

Viel erinnert nicht mehr an das ehemalige Heimkehrerlager Gronenfelde in Frankfurt (Oder). Lediglich ein Gedenkstein steht dort, wo vor 75 Jahren Tausende von Menschen nach dem Krieg nach Deutschland kamen.

Umso wichtiger ist das Erinnern. Am Dienstagnachmittag richtet der Frankfurter Kreisverband des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine zentrale Andacht in der Frankfurter St. Marienkirche aus. Dabei wird unter anderem die Tochter des stellvertretenden Lagerleiters, Heidemarie Bucki, erwartet. Anschließend ist eine Kranzniederlegung am ehemaligen Lagerstandort in der Grubenstraße geplant.

Frankfurt (Oder) als Umschlagplatz

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und den damit verbundenen Grenzverschiebungen mussten viele Menschen umsiedeln. Gleichzeitig kehrten entlassene Kriegsgefangene aus dem Osten zurück nach Deutschland. Frankfurt (Oder) als erste deutsche Stadt hinter der polnischen Grenze wurde zum Umschlagplatz. Für die rund zwei Millionen deutschen Kriegsgefangenen – die sogenannten Heimkehrer – war das Heimkehrerlager Gronenfelde die erste Station auf deutschem Boden.

Von 1945/46 bis 1950 war das Lager Sammelstelle und Lazarett zugleich. Von dort wurden die Menschen in ihre jeweiligen Heimatregionen verteilt. Die ersten Heimkehrer erreichten das Lager am 27. Juli 1946. Sie kamen vor allem aus Ungarn, Polen und Rumänien, später auch aus der ehemaligen Sowjetunion. Knapp zwei Monate später passierte bereits der 120.000. Kriegsgefangene das Heimkehrerlager.

Eine Animation zeigt das Heimkehrerlager Gronenfelde in Frankfurt (Oder).Die Draufsicht auf das ehemalige Heimkehrerlager Gronenfelde

Bis zu 20.000 Menschen erreichten das Lager pro Tag

Vor allem in der ersten Zeit geschah dies ohne jegliche Koordination. Den Rückkehrern wurden teils direkt nach dem Ausstieg aus dem Zug die Entlassungspapiere überreicht. Die meisten wussten nicht, wie sie nach Hause kommen sollten.

Mit schätzungsweise 600.000 Menschen kamen im ersten Jahr nach dem Krieg die meisten Rückkehrer in Gronenfelde an. An manchen Tagen waren es bis zu acht Güterzüge, mit insgesamt bis zu 20.000 Menschen. Viele von ihnen waren allerdings derart entkräftet, dass sie noch im Lager starben.

Drei Kilometer bis zum Entlassungsschein

Später kam Organisation in die Sache: Die Heimkehrer kamen nach ihrer Ankunft in die nahe gelegene, russisch geführte Horn-Kaserne, wo sie gesundheitlich und politisch überprüft wurden. Auch die Entlausung fand hier statt. Heute befindet sich an dem Standort die Polizeidirektion Ost.

Neben den Heimkehrern wurden in der Horn-Kaserne auch Menschen untergebracht, die als Kriegsgefangene in die Sowjetunion geschickt wurden. Sie sollten diejenigen ersetzen, die krank nach Hause geschickt worden oder gestorben waren. Von der Horn-Kaserne gingen die Rückkehrer dann zu Fuß in das drei Kilometer entfernte Gronenfelde, wo sie den ersehnten Entlassungsschein bekamen. Mit diesem gelangten sie in ihre Heimatstadt zurück. Im Laufe der Jahre nahm die Zahl der Ankömmlinge im Lager ab. Der letzte Zug erreichte Gronenfelde am 3. Mai 1950.

Lager soll digital erlebbar werden

Um die Erinnerung an die Ereignisse wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken, hat der Frankfurter Grafiker Christoph Neubauer das Lager anhand von Fotos, Plänen und Zeitzeugnissen am Computer rekonstruiert. Entstanden sind kleine Videosequenzen, die das Lager zeigen, wie es damals ausgesehen hat.

Auf diese Weise will Neubauer den Standort erlebbar machen. Die 3D-Animation soll am Dienstag bei der zentralen Gedenkveranstaltung vorgestellt werden. Danach ist der digitale Nachbau im Museum Viadrina in Frankfurt (Oder) zu sehen. Der Eintritt zu der Ausstellung ist frei.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, 27.07.2021, 16:40

Beitrag von Marie Stumpf

10 Kommentare

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  1. 9.

    Sehr interessanter Artikel. Aber Gronenfelde konnte ich nicht in meinen Landkarten und nicht im Stadtplan von Frankfurt/Oder finden. Wo liegt das genau?

  2. 8.

    Kann man auch Spravka schreiben

  3. 7.

    Der Sprawka ist der Entlassungsschein aus diesem Lager .
    Und das Datum ist für manchem Historiket sehr interessant. Das Heimkehrerlager Gronenfelde hatte die Nummer 69148

  4. 6.

    Ist ja nicht weiter schlimm. Aber können Sie mich bitte aufklären, was ein Sprawka ist? Hab gegoogelt; die Ergebnisse haben aber irgendwie nicht zum Artikel, den ich übrigens sehr interessant fand, gepasst.

  5. 5.

    Korrektur: nicht der 15.8.1945, sondern der 26.8.1945 war der Entlassungstag aus dem Lager 61948.
    Habe mich vorhin leider vertippt.

  6. 3.

    Hoffentlich sind die Macher der Ausstellung besser als in Seelow. In Seelow steht jetzt mehr das deutsche Leid im Vordergrund. Wir sollten nicht vergessen, dass es auch die Angehörigen der Wehrmacht waren die unzählige Verbrechen im Osten wie Morde und Vergewaltigungen begangen haben. Hoffen wir auf eine ausgewogene Ausstellung.

  7. 2.

    @Rbb Die Zahl stimmt nicht. Waren es acht Züge mit Güterwagen?
    "An manchen Tagen waren es bis zu acht Güterwagen, mit insgesamt bis zu 20.000 Menschen. "

  8. 1.

    Ich besitze noch den Original Sprawka meines Vaters,datiert mit der Entlassung am 15.8.1945.

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