Massentierhaltung in Reitwein (Märkisch-Oderland) - Bürgerinitiative legt Beschwerde gegen Geflügel-Anlagen ein

Fr 02.07.21 | 13:53 Uhr
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13 Tage alte Hähnchen laufen durch einen Stall des Geflügelbetriebs Storkower Geflügelmast GmbH in Storkow (Kreis Oder-Spree), aufgenommen am 04.12.17 (Quelle: rbb|24 / Schneider).
Audio: Antenne Brandenburg | 02.07.2021 | Nadine Schmid von der Bürgerinitiative | Bild: rbb|24 / Schneider

Im Widerstand gegen eine geplante Putenmastanlage in Reitwein (Märkisch-Oderland) im südlichen Oderbruch legt die Bürgerinitiative "Unser Reitwein" (BI) Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg ein. Das teilte die BI-Sprecherin, Nadine Schmid, dem rbb am Donnerstag mit.

Ein Gutachter habe die Gutachten der Bau-Initiatoren geprüft und sei auf Fehler in den Anträgen gestoßen. "Das ist vom Verwaltungsgericht noch nicht angeschaut worden", so Schmid. "Wir hoffen, dass die jetzt mit den alten und den neuen Argumenten zu dem gleichen Schluss wie wir kommen, und uns Recht geben."

Protest mit Dorf-Spaziergang

Zuvor hatte das Verwaltungsgericht Frankfurt (Oder) den Baustopp für die geplante Putenmastanlage aufgehoben.

Die Bürgerinitiative und auch Reitweins Bürgermeister Detlef Schieberle fürchten durch die geplante Putenmastanlage unter anderem Gestank und möglicherweise übertragbare Viren und Bakterien im Grundwasser. Seit 2017 gehen Einwohner von Reitwein gegen das Vorhaben in ihrem Dorf vor.

Im Zuge des Protestes veranstaltet die Bürgerinitiative am kommenden Sonntag einen Infotermin, an dem auch Benjamin Raschke, Vorsitzender und tierschutzpolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Brandenburger Landtag teilnimmt. Dazu sagte die Sprecherin Schmid: "Wir werden einen Dorf-Spaziergang machen, aber wir schauen auch auf zwei Felder vorbei. Dort zeigen wir, dass Landwirtschaft nicht industriell sein muss, sondern bunt sein kann."

Widerstand auch in Letschin

Auch in Letschin wehren sich Anwohner gegen den weiteren Ausbau der Massentierhaltung im Oderbruch. Zwei Anlagen mit über 100.000 Hühnern seien hier in Planung. In der Gemeinde gebe es bereits 414.000 Geflügelplätze. Das sei genug, sagte Johanna Barbeck von der dortigen Bürgerinitiative.

Die Gemeindevertretung hat bereits einer Anlage für 30.000 Legehennen mit Außengehege zugestimmt. Aktuell entscheidet das Landesamt für Umwelt über die Genehmigung. Hiergegen will die Bürgerinitiative gegebenenfalls rechtlich vorgehen. Zudem gebe es Pläne für eine zweite Anlage für 90.000 Hennen.

Am Wochenende wollen Bewohner mit roten Kreuzen ihren Protest an ihren Grundstücken und auf dem Marktplatz sichtbar machen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.07.2021, 14 Uhr

4 Kommentare

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  1. 4.

    Da stimme Ich Ihnen völlig zu. Da muss sich was ändern, vor allem das Tierwohl. Tiere dürfen keine Exportware sein, sondern sollen nur für die Bevölkerung einer Region reichen, und zwar artgerecht. Aber dann jammern wieder die Landwirte, dass sie nichts verdienen. Dass sie aber mit weniger Tieren hochwertiges Fleisch und vernünftiger Haltung auch keine riesigen Mast-Anlagen, die auch teuer sind, brauchen, auf die Idee kommen die nicht. Sie sehen immer nur das Geld, was sie irgendwie abgreifen kõnnen. Aber hier krankt doch das System!

  2. 2.

    Ein Sommer ohne Bürgerproteste ist doch eigentlich langweilig. Die einen sind gegen die Freileitungen, die anderen gegen Geflügelanlagen und die nächsten gegen Windräder. Alle machen mit. Hauptsache wir sind dagegen. Wir Deutschen sind nur noch am Jammern und Klagen.

  3. 1.

    Die Massentierhaltung ist nötig, um die Subventionen der EU für den Export nach Afrika zu bekommen, wo mit dem mehrfach aufgetauten und wieder eingefrorenen Geflügelfleisch die heimischen Geflügelbauern um ihre Existenz gebracht werden. Die stehen dann völlig zu Recht als Migranten vor der Tür.
    So werden von unserem Steuergeld Notlagen für Menschen anderswo geschaffen.
    Auch die riesigen Schweinezuchtanlagen, deren Gülle unsere Umwelt verseucht, rentieren sich nur, wenn das Fleisch nach China exportiert wird.
    Ist das die so gepriesene Globalisierung?

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