Tourismus im Nachbarland - Die polnische Wildnis lädt zum Campen ein

Wildcamper in Polen.
Video: rbb|24 | 27.07.2021 | Material: Brandenburg aktuell | Bild: rbb / BA

Polen hat hunderte Waldgebiete zum Wildcampen freigegeben. Ein Naturgebiet in der Nähe von Frankfurt (Oder) ist besonders beliebt. Aktuell arbeiten die Behörden an einer englischsprachigen Webseite, um noch mehr westliche Touristen anzulocken.

In der Nähe von Ośno Lubuskie, nur 25 Minuten Autofahrt von Frankfurt (Oder) entfernt, wartet die polnische Wildnis. Der Campingplatz, an einem malerischen Waldsee gelegen, zieht viele Gäste an. Danuta Kuśnierz ist gerade mit ihrer Familie campen, sie schätzt die Badestelle und den höflichen Umgang der Camper untereinander.

Die polnischen Wälder sind zu 80 Prozent Staatseigentum und werden von einer zentralen Behörde verwaltet. Insgesamt handelt es sich dabei um ein Viertel der Gesamtfläche Polens. Seit zwei Jahren gibt es ein neues Programm, das zum Wildcampen einlädt: "Übernachte im Wald!" Die Übernachtung ist kostenlos, jedoch auch mit Regeln verbunden: Eine Übernachtung ist nur an maximal zwei aufeinander folgenden Tagen am selben Ort möglich und das unter einer Plane, in einer Hängematte oder im Zelt.

Deutsche von dem Angebot angezogen

Unter den Gästen dominiert die Einwohnerschaft der nahgelegenen Städte wie Kotrzyń und Słubice. Aber auch Gäste aus Deutschland oder den Niederlanden lassen sich hier blicken.

Mitten im Wald, fernab von städtischem Trubel lässt sich das Leben beim Angeln und Schwimmen genießen. Und das Ganze vollkommen kostenfrei. Größere Gruppen ab neun Menschen oder längere Aufenthalte sollten vorher bei der Behörde per E-Mail gemeldet werden.

Seit dem 1. Mai hat Polen das Wildcampen in mehr Waldgebieten erlaubt. Die Entscheidung der Staatsforstbetriebe ist das Ergebnis eines Pilotprojekts aus dem vergangenen Jahr. Damals war Corona-bedingt das Interesse am Urlaub in freier Natur stark gestiegen. Mit dem Projekt stehen insgesamt mehr als 600.000 Hektar in 425 Waldgebieten zur Verfügung. Bisher gab es 46 Gebiete, die zum Zelten freigegeben waren. Die polnischen Behörden haben die Gebiete online auf einer Karte ausgewiesen [zanocujwlesie.lasy.gov.pl].

Wildcamper in Polen.

Informationen für Touristen werden international

Die Forstbehörde sorgt für ein Mindestmaß an Infrastruktur, wie zum Beispiel Toiletten oder speziell und sicher eingerichteten Feuerstellen. Doch wer mehr Wildnis und Einsamkeit möchte, dem steht es frei, tiefer in den Wald einzutauchen. Die Wildcamper dürfen keinen Müll oder andere Spuren hinterlassen. Auch gibt es in den polnischen Wäldern weiterhin ausgewiesene Zonen, die nicht betreten werden dürfen.

Robert Malina vom Forstamt Ośno Lubuskie sagt, dass sie zurzeit daran arbeiten, eine englischsprachige Version der Website zu entwickeln. Dann ist es auch ohne polnische Sprachkenntnise möglich, Informationen zu erhalten und den Aufenthalt über ein Onlineformular anzumelden.

Bis mindestens 31. August müssen Menschen bei der Einreise nach Polen einen negativen Corona-Test auf Englisch oder Polnisch vorzeigen können, der nicht älter als 48 Stunden ist. Andernfalls gilt weiterhin eine zehntägige Quarantänepflicht. Hiervon ausgenommen sind Menschen, die bereits vollständig geimpft sind, Genesene und Grenzpendler.

 

Sendung: Brandenburg Aktuell, 27.07.2021, 19:30

Beitrag von Mit Material von Jakub Paczkowski

19 Kommentare

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  1. 19.

    Die Preise für Tages-Angelkarte in Polen bewegen sich zwischen 5 und 15 €. Aber für Sie ist das sowieso nix, wenn Sie sich zwischen die Sonntagsangler drängeln müssen ;-)

  2. 18.

    Es tut mir gut, zu lesen, dass noch mehr Menschen meiner Meinung sind. Der Mensch wird bei uns grundsätzlich erstmal als
    "boshaft und Dreckmacher" hingestellt.
    Das kommt natürlich der großen Prozentzahl an privaten Waldbesitzern zu Gute. Und von wegen
    "Camper hinterlassen ihren Dreck überall".
    Hier ist es eben so, dass Camper und zeltler nicht mehr gern gesehen sind. Sie bringen zu wenig Geld ein. Auf den Zeltplätzen wird ja schon zentimetergenau nachgemessen, ob das Zelt wirklich den Gebühren entspricht oder ob der Besitzer des Platzes nicht doch noch wenigstens ne halbe Gebühr mehr nehmen kann, weil ein Minidach am Zelt ist.....
    Und für spontane Anreisen, z.B. Fahrradfahrer, die nur einmal übernachten wollen, wird ein Aufschlag pro Person von 10 €verlangt!!!!
    Ich hab es selbst erlebt! IST DAS DENN NORMAL?????

  3. 17.

    Zumindest gibt es offenbar Menschen die sich das einbilden: Weil sie/Sie wenig Gespür dafür haben, in welchem Maße die eigene Präsenz, das eigene KFZ, der eigene Wohnwagen... eine halbwegs natürliche Umgebung beeinflusst. Schauen Sie sich die Bilder und Videos an: Halten sich dort vermutlich genauso viele Wildtiere auf wie vorher? Wird der Waldboden nach der Abreise dort wieder so aussehen wie vorher? Welche Belastungsgrenzen haben solche Bereiche und wie wird sichergestellt, dass sie eingehalten werden? Bin gespannt auf Ihre - sicherlich sachlichen - Antworten.

  4. 16.

    „ Also Lärm bis in den Morgen, Sonnenmilch im Waldsee, plattgemachte Flächen... -“
    So ein Typ sind Sie vielleicht, es gibt doch tatsächlich Menschen, die mit der Natur leben ohne sie kaputt zu machen. Ich weiß, Sie wissen garnicht, wovon ich rede.

  5. 15.

    „ Also Lärm bis in den Morgen, Sonnenmilch im Waldsee, plattgemachte Flächen... -“
    So ein Typ sind Sie vielleicht, es gibt doch tatsächlich Menschen, die mit der Natur leben ohne sie kaputt zu machen. Ich weiß, Sie wissen garnicht, wovon ich rede.

  6. 14.

    Was sind Sie denn für ein Witzbold, es gibt doch tatsächlich Generationen, die das auch früher schon so gemacht haben in der es noch keine durchgestylten Campingplätze gab. Da gab es Toiletten-, Wasch- und Grillplätze und jeder hat seinen Müll selbst entsorgt. Man hat in die Natur wegen der Natur dort die Wochenenden und seinen Urlaub verbracht. Da hat jeder Rücksicht auf die Natur genommen. Das kann sich die luxusverwöhnte junge Generation heute garnicht mehr vorstellen. Die brauchen sogar „Dienstpersonal“, die ihren Dreck wegräumen müssen.

  7. 13.

    Angeln ist wie auch in Deutschland überall NICHT UMSONST. Man muss einen gültigen Angelschein besitzen und eine Gewässerkarte kaufen. Auch in Polen. Es nervt unglaublich wenn man sie die Mühe macht weil man gerne angelt und dann sind die Hälfte der Plätze mit Sonntagsanglern ohne Schein besetzt.

  8. 12.

    Die vorherigen Kommentatoren können mich jetzt gleich"auseinandernehmen"! Ich finde das Ganze ganz großartig, aber leider wohl in Deutschland niemals machbar. Ich glaube nicht, dass diese Gebiete unkontrolliert sind und vergammeln, denn wer dies in Anspruch nimmt, ist sich bewusst, dass er mit der Natur zusammen lebt.In Finnland z.B gibt es solche Gebiete schon seit Jahren und auch kostenfrei, sogar in riesigen Nationalparks! Da laufen sogar die Elche zwischen den Zelten umher. Aber im egoistischen Deutschland ist sowas eben nicht denkbar.

  9. 11.

    Die vorherigen Kommentatoren können mich jetzt gleich"auseinandernehmen"! Ich finde das Ganze ganz großartig, aber leider wohl in Deutschland niemals machbar. Ich glaube nicht, dass diese Gebiete unkontrolliert sind und vergammeln, denn wer dies in Anspruch nimmt, ist sich bewusst, dass er mit der Natur zusammen lebt.In Finnland z.B gibt es solche Gebiete schon seit Jahren und auch kostenfrei, sogar in riesigen Nationalparks! Da laufen sogar die Elche zwischen den Zelten umher. Aber im egoistischen Deutschland ist sowas eben nicht denkbar.

  10. 10.

    Feuer machen im Wald. Brennen in Europa nicht schon genug Wälder? Die Wälder sind in Polen doch sicher genauso knochentrocken wie in Deutschland oder Russland. Und in der "Super-Abendschau" wird dafür noch Werbung gemacht. Vielen Dank.

  11. 9.

    Mit solchen Bedenken werden die Menschen demnächst die Natur nur noch aus dem Fernsehen kennen. Es gibt immer schwarze Schafe, und...für die verantwortungsbewußten ist dieses Wildcampconzept ein echter Segen.

  12. 8.

    Wäre es nicht an der Zeit sich an "Weltsprachen" zu orientieren die auch innerhalb der Europäischen Union gesprochen werden ? Portugiesisch, spanisch, französisch, dänisch, griechisch? Oder weltweit verstanden werden ? Russisch, griechisch, polnisch, deutsch, mandarin ? Das "Gönigreich Bolen" ist "rauss" aus der Union und damit kann die Sprach-Diskriminierung beendet werden. - Schutz von Natur und Kulturgütern lag den Deutschen schon immer am Herzen. Roden, Ebnen, Burgen bauen und Lagerfeuer anzünden, machen Urwald zur Kulturlandschaft. Es drückt Schwarz-, Rot- und Niederwild samt Fressfeinden über die Oder vor die Artillerie einheimischer deutscher Jäger und ihrer Gäste. Mea Camper, mea maxima Camper.

  13. 7.

    Polen ist ein sehr schönes Reiseland. Campen allerdings ist nun garnicht mein Ding, aber wer das mag sollte Urlaub in Polen machen.
    Allerdings braucht man eine sehr gut funktionierende Leber da die Polen sehr gastfreundlich sind und nun auf alles und jedes erst mal einen trinken.
    Und dann ist da noch das man sich mit einer gewissen Primitivität der sanitären Anlagen und auch der Campingplätze anfreunden muss. Viel Überbleibsel aus der DDR.

  14. 6.

    Wissen Sie, ich mache seit 25 Jahren in Polen auf meist kostenlosen Biwakplätzen in Polen Urlaub (die es dort schon immer gab) und versichere Ihnen, daß Sie zu sehr dramatisieren. Die im Artikel vorgestellten Gegenden kenne ich gut, sie sind im Vergleich zu D sehr dünn besiedelt und die paar Leute, die dort einige Tage verbringen, zerstören nichts und stören die Natur nicht. Im Gegensatz zu früher hat sich auch in Polen ein Umweltbewußtsein entwickelt, und vermüllte, mit Glasscherben übersäte Plätze und dem Vandalismus verfallene Plumsklos, die früher das Bild leider prägten, gehören inzwischen der Vergangenheit an.

  15. 5.

    Tatsächlich wirft diese Meldung bei mir dieselben Befürchtungen auf - und versaut mir immerhin nur den Morgen: Unkontrolliertes Eindringen in Bereiche, in denen Wildtiere bisher noch einigermaßen Ruhe hatten. Und wie die Bilder zeigen, eben nicht nur behutsam mit dem Zelt, sondern z.B. mit Wohnwagen, Vorzelt und allem, was des Campers Herz begehrt. Das Auto dürfte nicht weit weg sein. Also Lärm bis in den Morgen, Sonnenmilch im Waldsee, plattgemachte Flächen... - Der Ansatz mag lokal ganz nett sein, und im Rahmen von Pandemien wohl auch verständlich. Warum aber nun diese fast völlige Regellosigkeit, und diese Einladung an Touristen? Vor 15 Jahren zeltete ich mit meiner Freundin im polnischen Kaschubien an einem kleinen Waldsee - an einem Platz, den uns ein Gastwirt vermietet hatte, dem der gar nicht gehörte, wie sich später herausstellte: Früh um sechs weckte uns am nächsten Morgen die Policja und schickte uns weg - völlig zu recht, wie ich finde.

  16. 4.

    Das trifft wohl hauptsächlich auf Deutsche zu. Ich habe in Schweden erlebt, dass dort niemand seinen Müll in den Wald wirft. Bei uns liegt an jeder Ecke Dreck vom Autoreifen bis zu leeren Flaschen.

  17. 3.

    Massencampen unter freien Himmel. Nein danke. Denn danach sieht es aus.

  18. 2.

    ...und wer kontrolliert die Regeln?
    Wieder mehr tierischer Lebensraum, den wir uns zu eigen machen, in den wir eindringen, laut sind, Müll hinterlassen, Pflanzen niedertrampeln...es gibt definitiv genug ausgezeichnete Campingplätze - die (allermeisten) Menschen können mit dem fehlenden nötigen Respekt gegenüber der Natur doch diese Eigenverantwortung gar nicht aufbringen.

    Lädt doch auch nur Chaoten ein. Riesenfehler.

  19. 1.

    Irgendwie passen Text und Fotos nicht zusammen.

    "Die Übernachtung ist kostenlos, jedoch auch mit Regeln verbunden: Eine Übernachtung ist nur an maximal zwei aufeinander folgenden Tagen am selben Ort möglich und das unter einer Plane, in einer Hängematte oder im Zelt."

    Auf den Fotos sind Touristen unter Billig-Pavillions und auf Plastikstühlen zu sehen, die eher an Dauercamper erinnern.

    Auch ist unklar, warum die Forstbehörde Polens die Informationen nicht(auch) in der Sprache seines für ihn und seinen angestrebeten Tourismus bedeutensten Nachbarn verfasst und sich stattdessen der englischen Sprache bedient.

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