Afrikanische Schweinepest in Brandenburg - ASP-Krisengipfel stellt Schweinehaltern weitere Hilfen in Aussicht

Karsten Ilse, Landwirt, treibt seine letzten Mastschweine am frühen Morgen vom Stall zu einer Verladestelle (Bild: dpa/Patrick Pleul)
Video: Brandenburg aktuell | 30.07.2021 | Markus Woller | Bild: dpa/Patrick Pleul

Wie können von der Schweinepest betroffene Landwirte besser unterstützt werden? Ein Krisengipfel, an dem auch Vertreter des Bundesagrarministeriums teilnahmen, hat nach Lösungen gesucht - und auch eine gefunden, wie Brandenburgs Ressortchef im rbb mitteilte.

Die Bundesregierung will Landwirte unterstützen, deren Bestände von der Afrikanischen Schweinepest betroffen sind. Sie wolle sich bei der Europäischen Union um weitere Hilfsmöglichkeiten bemühen, sagte Brandenburgs Landwirtschaftsminister Axel Vogel (Grüne) am Freitag im Inforadio vom rbb.

"Wie wir alle sehen, geht es ja nicht um ein Problem, das wir drei Monate oder sechs Monate haben, sondern es wird sich über Jahre hinziehen", so Vogel wörtlich. Ein weiteres Engagement sei notwendig, zumal die Unterstützung des Landes Brandenburg für Schweinehalter pro Betrieb auf 20.000 Euro innerhalb von drei Jahren gedeckelt sei: "Viele Betriebe haben die 20.000 schon überschritten und können von uns nicht mehr unterstützt werden. Das war aber die positive Botschaft heute, dass der Bund dieses Problem begriffen hat."

Landesbauernpräsident reagiert ernüchtert

Vogel äußerte sich nach einem Krisentreffen mit Vertretern des Bundesagrarministeriums, Experten und Landwirten. Bei den Gesprächen am Freitag in Potsdam standen finanzielle Hilfen für Schweinehalter im Mittelpunkt, um die geringen Marktpreise auszugleichen.

Der Präsident des Brandenburger Landesbauernverbandes, Hendrik Wendorff, nannte das Treffen derweil ernüchternd. "Bei den wirklichen Problemen und entscheidenden Fragen hat es keine Ergebnisse gegeben", sagte er anschließend. "Es gab vom Bund keine Signale auf finanzielle Hilfe für die Schweinehalter in der Region", sagte er. Wendorff rechnet damit, dass in den nächsten Wochen weitere Schweinehalter aufgeben werden.

Bereits am Donnerstag hatten sich Landwirte aus Ostbrandenburg in Golzow (Märkisch-Oderland) getroffen, um ihre Situation zu besprechen. Weil die Schweinepest inzwischen auch bei Hausschweinen vorgekommen ist, schlagen Brandenburgs Landwirte Alarm.

Viele Halter stehen vor dem Aus

Frank Tiggemann ist seit 21 Jahren Schweinewirt. 1.800 Tiere hält er in seinem Betrieb im Oderbruch (Märkisch-Oderland). Seitdem seine Region ASP-Gebiet ist, sei es immer schwieriger für die Tiere, noch Abnehmer zu finden: "Es muss für alles eine Sondergenehmigung beantragt werden", sagt Tiggemann. Es gebe nur einen Schlachthof, der Tiere abnimmt. "Und das auch erst nach drei Wochen. Da haben sich die Schlachttiere gestaut."

Bei dem informellen Treffen in Golzow tauscht sich Tiggemann unter anderem mit Landwirten anderer Großbetriebe aus. Christoph Neteler hat einen Hof bei Beeskow und kennt die Probleme. Viele seiner Kollegen stünden vor dem Aus, einige würden dies mit Ackerbau kompensieren können. "Ich weiß von drei weiteren Betrieben, die noch ihre Ställe haben. Die werden es nicht mehr lange machen können", sagt Neteler.

Neue Maßnahmen werden begrüßt

Mitte Juli wurde die Schweinepest erstmals auch bei Hausschweinen nachgewiesen, betroffen waren Kleinstbestände in Märkisch Oderland und Spree-Neiße. Am Donnerstag hat das Land mit einem Erlass des Verbraucherschutzministeriums reagiert. Die Halter von zehn oder weniger Schweinen sollen dazu gebracht werden, ihren Bestand aufzugeben und mindestens 24 Monate keine Schweine zu halten. Pro Tier gibt es dafür 200 Euro. Die Prämie ist allerdings auf die durch die ASP gefährdeten Gebiete, beispielsweise die Landkreise Oder-Spree oder Spree-Neiße, begrenzt.

Tiggemann begrüßt das, denn die ASP-Sicherheitsmaßnahmen seien für Kleinsthalter zu aufwändig: "Es ist bei uns üblich, man zieht sich aus, man duscht, Materialien, die im Stall gebraucht werden, werden desinfiziert, und das kann ich bei Kleinsthaltung gar nicht bringen." Dabei sei auch das Problem, dass ASP-Erreger eben durchs Schuhwerk eingebracht werden könnten oder durch Futter.

Sendung: Inforadio, 30. Juli 2021, 17 Uhr

Beitrag von Mit Material von Robert Schwaß

10 Kommentare

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  1. 10.

    Falls Jemand Interesse hat,
    eine Ahnung davon zu bekommen,
    was die Afrikanische-Schweine-Pest (ASP),
    für Wildschwein, Hausschwein und Mensch bedeutet,
    kann hier entsprechende Infos,
    kurz und knackig aufbereitet, finden:
    https://initiative-schwein.de

  2. 9.

    HHmm,
    jetzt verstehe ich was nicht?
    Ich hatte geschrieben
    "Denn das Virus hat nahezu keine Chance, an die Tiere ranzukommen, die in den Ställen leben dürfen!"

    Woran können Sie erkennen,
    - das ich keine Ahnung habe
    - Blödsinn von mir gebe

    Woher wissen Sie, das Schweine in geschlossenen Ställen nicht glücklich sind?
    Ich habe Landwirtschaft studiert, in meiner Doktorarbeit eine Freilauf-Abferkelbucht entwickelt und mich in meiner Habilitation mit Zielkonflikten zwischen Tier- und Umweltschutz beschäftigt.

    Welche Qualifikation haben Sie für Ihre Behauptungen?

  3. 8.

    Man, man, man, gut, dass das Essen einfach aus dem Supermarkt kommt."
    Wenns denn um die Grundversorgung ginge und die Massenproduktionen für den sog. Weltmarkt eingedampft würden, hätten wir einen Großteil der Probleme nicht.

  4. 7.

    .....nur zur Info: der Biobetrieb ,bei dem die ASP ausgebrochen ist, hatte seine Schweine seit September im Stall und hat alle Sicherheitsmaßnahmen ordnungsgemäß umgesetzt. Ihm ist kein Fehlverhalten nachgewiesen worden. Ich frage mich, warum Menschen , die keine Ahnung haben, sich hier überhaupt zu Wort melden und dann so einen Blödsinn von sich geben. Und noch was! Kein Schwein ist in einem geschlossenen Stall glücklich !
    Man sollte mal Mensch und Tier tauschen .

  5. 5.

    Richtig, den Schweinen, die in den Ställen leben, geht es gut!
    Denn das Virus hat nahezu keine Chance, an die Tiere ranzukommen, die in den Ställen leben dürfen!

    Haben Sie sich schon mal solche modernen Ställe von Innen angesehen?

    Anders sieht es für die Schweine aus, die in einem Aussenklima-Stall, oder im Auslauf gehalten werden.
    Diese Tiere haben ein sehr hohes Risiko vom ASP-Virus infiziert zu werden.

    Haben Sie schon mal miterlebt, wie qualvoll Tiere, erst Wildschweine, dann Hausschweine,
    an dem Virus zu Grunde gehen?

    Haben Sie mitbekommen, das die Hausschweine, die vom Virus infiziert wurden,
    In einem Biostall und in zwei Kleinsthaltung erkrankten, eben weil sie nicht das Glück hatten,
    in einem Stall leben zu dürfen!

  6. 4.

    Man, man, man, gut, dass das Essen einfach aus dem Supermarkt kommt. Milch wächst ja in Tetrapaks auf den Bäumen, Fleisch wird als Bodenkultur in der Kühltheke. Nur Obst und Gemüse müssen durch Handarbeit draußen geerntet werden. /s

  7. 1.

    Kein Mitleid. Wer auf den Schultern wehrloser Geschöpfe Profit erwirtschaften möchte, gehört bestraft. Wenn ich schon lese, dass dort 1.800 leben…die Tiere sind verdammt nur weil sie Schweine sind.

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