Kreis verlangt Stallbau - Ein Betrieb in der Schweinepest-Falle

sattelschweine symbol
Audio: Antenne Brandenburg | 09.08.2021 | Michael Lietz | Bild: rbb

Die Afrikanische Schweinepest hat Oder-Spree immer mehr im Griff. Es wurden weitere tote Schweine entdeckt. Somit musste eine neue Kernzone ausgerufen werden. Die Restriktionen werden angezogen - mit harten Folgen für einen Betrieb. Von Michael Lietz

Nach dem Fund weiterer an der Afrikanischen Schweinepest (ASP) verendeter Tiere wurde bei Sieversdorf in der Gemeinde Jacobsdorf (Oder-Spree) ein weiteres ASP-Kerngebiet ausgerufen. Außerhalb geschlossener Ortschaften dürfen Wald- und Feldareale nicht mehr betreten werden. Und auch weiter südlich im Spreetal bei Beeskow wurden weitere tote Tiere gefunden. Ganz in der Nähe ist das Gut Hirschaue, das unter freiem Himmel seltene Sattelschweine aufzieht und vermarktet. Nun soll der Betrieb Ställe für die Schweine bauen - fordert das Veterinäramt.

Inhaber sieht den Bestand seines Betriebs in Gefahr

Guts-Geschäftsführer Henrik Staar versteht die Welt nicht mehr. Hinter vier Zäunen versteckt, in der Mitte des 200 Hektar großen Areals, hat er seine Schweine-Koppel eingerichtet. Rundherum grasen Hirsche und Damwild. Seit März funktioniert das so, mit Ausnahmegenehmigung des Kreises Oder-Spree. Doch nun sollen seine Schweine eingestallt werden. Sein komplettes ökologisches Betriebskonzept stehe damit vor dem Aus, sagt er. "Wir haben über Jahrzehnte jetzt schon eine funktionierende Direktvermarktung aufgebaut und dieses funktionierende Konzept wird jetzt dem System des export-orientierten Schweinemarktes geopfert. Das ist mein Eindruck", erklärt Staar am Montag gegenüber dem rbb.

Amtstierärztin will keine Ausnahme machen

Die Freilandhaltung hat das Veterinäramt dem Unternehmer nun aber strikt verboten. Bis spätestens 22. August soll der Stall fertig sein oder der Betrieb bringt bis dahin die schwarz-weißen Sattelschweine in eine von der Schweinepest nicht betroffene Region. Ausnahmen gebe es nicht mehr, sagt Amtstierärztin Petra Senger, weil sich die ASP immer weiter ausbreite. Es sei zu befürchten, dass kleinere Tiere die Pest auch auf das Gut Hirschaue bringen könnten.

"Das Risiko eines Eintrages dann in eine Freilandhaltung ist ungleich höher als in ein Stallsystem", sagt Senger. "Und wenn wir sogar solche Einträge in so kleine Stallhaltungen haben, wie es in den Nachbarkreisen passiert ist, dann ist das Risiko in der Freilandhaltung nun ungleich höher." Sie setze das Risiko um 20 bis 30 Prozent höher an. "Und dann muss der Tierhalter die Verantwortung auch wahrnehmen, dieses Risiko zu minimieren", verlangt die Amtstierärztin.

Acht Arbeitsplätze gefährdet

Für das Gut Hirschaue bedeutet das möglicherweise den wirtschaftlichen Ruin. Zumal die Schweine außerhalb der von der Schweinepest betroffenen Gebiete nicht vermarktet werden dürfen. Die Zukunft von acht Arbeitsplätzen stehe auf dem Spiel, sagt Geschäftsführer Henrik Staar. "Wenn es alle paar Wochen eine neue Allgemeinverfügung mit ganz neuen Rahmenbedingungen gibt, dann ist mir wirklich unklar, ob man unter solchen Bedingungen so ein Betrieb zukunftsfähig weiterführen kann", betonte Staar.

Auf einer Holztafel am Eingang zum Gut Hirschaue steht vielversprechend: Die Zukunft der Landwirtschaft liege im ökologischen Landbau. Dazu zählt für ihn auch Tierwohl und artgerechte Haltung. Dass das vom Kreis noch gewollt ist, daran glaubt Henrik Staar derzeit nicht mehr so recht.

Sendung: Antenne Brandenburg, 09.08.2021, 16:10 Uhr

Beitrag von Michael Lietz

1 Kommentar

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  1. 1.

    Dass sich das Amt mit seiner Auflage selbst widerspricht, ist offenbar nicht aufgefallen. Lieber treibt man einen Ökobauern in den Ruin. Irrsinn.

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