Pendelkostenrechner Postbank - Von wo sich Pendeln aus Brandenburg noch lohnt

Endstation S2 Bernau Der Bahnhof (Quelle: imago images/F. Anthea Schaap)
Audio: Antenne Brandenburg | 06.08.2021 | OT Dörte Nitt-Drießelmann | Bild: imago images/F. Anthea Schaap

Laut dem Pendelkostenrechner der Postbank lohnt sich für Pendler nach Berlin vor allem ein Wohnungskauf in Bernau. Die Studie bezieht dabei auch Kosten und Zeit für den Weg zur Arbeit in Berlin mit ein – dabei darf aber nur eine Person pendeln. Von Uta Schleiermacher

Bernau lohnt sich für Menschen, die raus aus der Großstadt und rein ins Brandenburgische ziehen wollen. Das zeigt der aktuelle Pendelkostenrechner der Postbank [postbank.de]. Der berechnet nicht nur die - im Vergleich zu Berlin - deutlich günstigeren Quadratmeterpreise beim Wohnungskauf in Brandenburg, sondern auch die Kosten und die Zeit für den Arbeitsweg, erklärt die Volkswirtin Dörte Nitt-Drießelmann. Sie ist Analystin am Hamburgischen Weltwirtschaftsinistut (HWWI) und hat für alle größeren berlinnahen Städte durchgerechnet, ab wann ein Preisvorteil beim Wohnungskauf durch die erhöhten Kosten für Arbeitswege nach Berlin aufgefressen ist. In Bernau – als Spitzenreiter in Brandenburg – wäre das nach jetzigem Stand der Kosten immerhin gut 37 Jahre, ein großer Teil des Berufslebens.

Barnim halb so teuer wie Berlin

"Bernau ist im Vergleich zu den Preisen in Berlin noch relativ günstig", sagt sie. In Berlin seien es rund 5.000 Euro pro Quadratmeter, in Bernau im Schnitt nur rund 2.500 Euro. "Dazu kommt, dass Bernau gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden ist", sagt Nitt-Drießelmann. In ihren Berechnungen hätten sie eine halbe Stunde Pendelzeit mit rund 23 Euro veranschlagt. Auf diese Summe kommen sie über ein Berliner Durchschnittseinkommen.

Teilweise Homeoffice für Pendler empfohlen

Bernau schneidet auch in bei anderen Berechnungsgrundlagen sehr gut ab, sagt Dörte Nitt-Drießelmann – selbst dann nämlich, wenn sie davon ausgehe, dass die 70-Quadratmeter-Wohnung in Bernau sogar 20 Prozent teurer als der Landkreisdurchschnitt im Barnim ist und außerdem auch dann, wenn teilweise im Homeoffice gearbeitet wird und sich eine Familie eine 90-Quadratmehter-Wohnung kauft, um dadurch Platz für ein Arbeitszimmer zu haben. "Auch für den Fall einer größeren Wohnung und wenn ein Haushaltsmitglied nur drei Tage die Woche nach Berlin pendelt, gibt es einen deutlichen Kostenvorteil in Bernau", sagt sie.

Nicht lohnend: Komplett pendelnder Haushalt

Die Rechnung funktioniert allerdings nur für den Fall, dass eine Person des Haushalts nach Berlin pendelt, wenn zwei Personen pendeln, sei der Preisvorteil beim Wohnungskauf schnell aufgebraucht. Und auch das eine Erkenntnis aus der Studie: Das Pendeln mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist in den allermeisten Fällen günstiger ist als die Fahrt mit dem eigenen Auto. "In Orten, die so schlecht angebunden sind, dass Sie auf ein Auto angewiesen sind, relativieren sich die niedrigeren Kosten beim Kauf der Wohnung schnell", sagt Nitt-Drießelmann.

Viele Optionen für Umzüge ins Umland

Für die Studie hätten sie angenommen, dass rund 20 Jahre ein Preisvorteil bestehen müsse, damit sich ein Umzug ins Umland finanziell lohnt. Nitt-Drießelmann betont, dass sie natürlich nur idealtypische Pendelwege berechnet hätten. "Unsere Studie gibt Personen, die einen Umzug von Berlin ins Umland erwägen, einen Hinweis, welche Gemeinden attraktiver sein könnten als andere, wo es sich also lohnen könnte, zu gucken", sagt sie.

Neben Bernau seien dies in Ostbrandenburg vor allem Neuenhagen, Hoppegarten. Aber auch ein Blick nach Schöneiche, Strausberg, Panketal, Fürstenwalde, Eberswalde und sogar Wandlitz – könnte sich lohnen - allerdings vor allem dann, wenn auch tatsächlich ein Teil der Arbeit im Homeoffice erledigt werden kann.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, 06.08.2021, 14:10

Beitrag von Uta Schleiermacher

5 Kommentare

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  1. 5.

    Also gerade "Bernau" muss durch die Nadelöhre im Norden, wo die Menschen sich schon jetzt in die Innenstadt quälen. Autobahn und Straßen sind im Dauerausbau. Die S2 ist auch nicht das zuverlässigste Verkehrmittel. Da nützt auch nicht der halbstündig fahrende Regio. Zudem sollen auf halber Strecke in Buch, Karow und Blankenburg massiv Wohnungen gebaut werden, also noch mehr Menschen unterwegs.

  2. 4.

    Ich kenne das Gestöhne meiner Kollegen über die Pendelei mit dem Zug, besonders wenn man täglich wegen Bauarbeiten u. Ä. 2 Stunden pro Tag opfern muss, und das über Monate. Never ever.

  3. 3.

    Eine reine Milchmädchenrechnung. Entscheidend sind die individuellen Lebensumstände und Lebensbedürfnisse. Die Berechnung der Pendelkosten bezieht sich ja auch nur auf eine Arbeitsstelle in Berlin Mitte. Ich pendle peripher und die Nutzung der öffentlichen würde meine Fahrzeit verdreifachen. Dieser zeitliche Mehraufwand müsste in eine korrekte Rechnung mit eingepreist werden. Anders ausgedrückt, 2 Stunden zusätzliche Fahrzeit täglich würde mich nicht mal zum Umsteigen in die öffentlichen animieren, wenn die Fahrt kostenfrei wäre.
    Abgesehen davon könnte eine Wohnung in Berlin nie so günstig sein, dass ich da noch mal hin ziehen würde. Sorry, halt eine Milchmädchenrechnung.

  4. 2.

    Und so „billig“ sind Wohnungen und Häuser auch nicht. Von wann sind denn die Daten?

  5. 1.

    Spätestens wer Kinder hat wird schnell merken, dass die Rechnung kaum aufgehen kann.

    Kitakosten sind in Brandenburg extrem hoch, Freizeitaktiviten sind oft teurer und man braucht oft doch ein Auto.

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