Zwischengutachten des Landesbergbauamt - Helenesee bleibt auf unbestimmte Zeit gesperrt

Do 12.08.21 | 13:04 Uhr
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Mit einem Flatterband ist ein Zugang zum Strand des Helenesees abgesperrt (Quelle: DPA/Patrick Pleul)
Audio: Antenne Brandenburg | 12.08.2021 | Michael Lietz | Bild: DPA/Patrick Pleul

Das bekannteste Naherholungsgebiet Ostbrandenburgs ist derzeit ohne Besucher - der Helenesee wurde aus Sicherheitsgründen geperrt. Wie lange bleibt unklar. Ein erstes Zwischengutachten kann entscheidende Fragen noch nicht klären.

Der Helenesee im Osten Brandenburgs bleibt aus Sicherheitsgründen komplett gesperrt - wie lange, ist unklar. Zunächst müsse geklärt werden, wie der See saniert werden könne, sagte der Präsident Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe (LBGR), Sebastian Fritze, bei Vorstellung eines Zwischengutachtens in Frankfurt (Oder). Die Behörde hatte das gesamte Seeufer nach einem Ufer-Abbruch im Mai gesperrt.

Fritze war am Mittwoch zu einer öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz geladen. "Eine Sanierung wird möglich sein, wie, kann ich Ihnen noch nicht sagen", räumte er ein. In den kommenden zwölf Monaten sollen nun entsprechende Fragen geklärt werden. Erst danach könne man über eine Zeitschiene und die Kosten reden. Damit schloss er auch die Möglichkeit aus, dass einzelne Strandabschnitte in naher Zukunft wieder freigegeben werden.

Am Ende seines Vortrags bekam Fritze am Abend Beifall von den Anwesenden. Trotz der schlechten Nachrichten für die Nutzer der Helene hatte er es Beobachtern zufolge mit bewegenden Worten geschafft, die Gemüter von Dauercampern und Pächtern zu beruhigen. So sagte er in Richtung der Pächter: "Danken sie Gott, dass sie hier noch stehen und mit mir sprechen können, und nicht schon mit dem Radlader im See verschwunden sind. Schwemmsande könnten überall abrutschen, es sei nur die Frage wann und wo."

Wie bei der Rutschung im März, könnten weitere Teile ebenfalls in den See abgleiten. "Dann würde die alte, sehr steile Tagebau-Böschung freiliegen, und auch die ist geologisch nicht so fest, wie man es sich erhofft." Nachdem der See in den 1970er Jahren unkontrolliert mit Grundwasser vollgelaufen war, wurde später Sand an die Kante geschoben und ein Strand modelliert. Die Tagebaukante muss nun abgeflacht werden, um weitere Abrutschungen zu verhindern. Wie das genau funktionieren kann, wissen die Fachleute nicht. Ob die Promenade und Bungalows weichen müssen, ist ebenfalls noch nicht klar.

Fest steht aber, dass der See nach der Sanierung größer sein wird. Ziel solle es laut Präsident Fritze sein, alle Sperrflächen zu beseitigen, um die touristische Nutzung wieder zu ermöglichen. "Das ist nicht in ein paar Monaten gemacht. Wir reden da schon über Jahre."

Massive Rutschungen im März

Geotechnische Untersuchungen hatten nach Angaben des LBGR ergeben, dass in den bereits gesperrten Uferbereichen Gefahren aufgrund von "Verflüssigungsneigung und Setzungsfließen" bestehen. Ein endgültiges Gutachten des Landesbergbauamtes zum Zustand des Sees, einem ehemaligen Restloch der früheren Braunkohlengrube "Helene", steht noch aus.

Die Behörde hatte das auch als "kleine Ostsee" überregional beliebte Badegewässer am Freitag vor Pfingsten aus Sicherheitsgründen sperren lassen. Anfang März wurden am Ostufer des touristischen Ausflugsziels massive Rutschungen festgestellt. Da nicht auszuschließen war, dass auch andere Uferbereiche betroffen sind und somit Lebensgefahr für die dort Badenden bestehen könnte, wurden vorsorglich alle Stände auf einer Gesamtlänge von 1.350 Metern am Helenesee geschlossen und mit einem Betretungsverbot belegt.

Versäumnisse in der Renaturierung möglicherweise Jahrzehnte her

Die Stadt Frankfurt (Oder) will nach Worten von Oberbürgermeister René Wilke (Linke) eine zweite Bewertung zum Zustand des Sees einholen. Das forderten am Abend auch die Bungalowbesitzer. Zudem wolle Wilke eine Taskforce unter Einbeziehung aller Betroffenen einrichten. "Hier geht es nicht nur um die Zukunft des Sees, sondern damit auch ein Stück weit um die Zukunft eines wesentlichen Standortfaktors für die Stadt Frankfurt (Oder) und die Region." Viele Akteure seien von der Sperrung betroffen, es gehe um wirtschaftliche Existenzen.

Die Stadt als "neutrale Instanz" werde die zentrale Rolle übernehmen, Fragen bündeln und den Prozess ordnen, so Wilke weiter. Er forderte außerdem Soforthilfen für den Pächter und den Blick nach vorn. Bekommt der See eine Perspektive, wäre das eine Chance, dann auch das Umfeld entsprechend zu entwickeln. Auch der Wirtschaftsausschuss des Landtags werde sich in der kommenden Woche mit dem Thema beschäftigen.

Das bis zu 60 Meter tiefe Gewässer wurde von 1943 bis 1958 als Tagebaugrube betrieben. Danach wurde der Tagebau nach Angaben des LBGR als unwirtschaftlich aufgegeben und lief bis etwa 1970 voll Grundwasser. Böschungsabrutschungen und Teilsperrungen hatte es im Laufe der Jahre immer wieder am Helenesee gegeben. Das Südufer wurde bereits 2010 gesperrt.

Nach Worten von Fritze soll bis Mitte September ein Gutachten zur Historie des Sees erstellt werden. So könnte möglicherweise nachvollziehbarer werden, an welcher Stelle es Versäumnisse gab.

Vor der Sitzung hatten etwa 200 Menschen demonstriert, darunter am Helenesee Tätige, die auf ihre unsichere wirtschaftliche Lage aufmerksam machen wollten.

Sendung: Radioeins, 11.08.2021, 22 Uhr

11 Kommentare

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  1. 11.

    Natürlich möchte ich NICHT, dass dort jemand zu Schaden kommt; Sie können sich wieder beruhigen. Ich habe lediglich das Gefühl, dass diese potenzielle Gefahr ein bisschen arg überhöht wird, während andere Gefahren, die ganz real und erwiesenermaßen tagtäglich Menschenleben fordern, einfach so akzeptiert und stillschweigend hingenommen werden. Das ist doch irgendwie seltsam, oder nicht? Im deutschen Straßenverkehr kommen jedes Jahr über 3000 Menschen zu Tode … aber kommt deshalb jemand auf die Idee, ihn zu verbieten? Allein ein Tempolimit durchzusetzen, um die Gefahr wenigstens etwas zu verringern, ist schon nahezu unmöglich …
    Während ich im Verkehr allerdings eine ganz reale Gefahr für meine körperliche Unversehrtheit sehe, schätze ich das Risiko, ausgerechnet zum Zeitpunkt der nächsten Rutschung vor Ort zu sein, hingegen als verschwindend gering ein. Daher würde ICH PERSÖNLICH da bedenkenlos mal zum Baden hinfahren. Andere dürften das von mir aus auch gerne sein lassen.

  2. 10.

    Da der Helenesee schon zu DDR Zeiten angelegt wurde sollten jetzt Mittel aus dem SED Vermögen zur Finanzierung zur Sanierung genommen werden.
    Und ja, die Sperrung ist vollkommen richtig damit niemand zu Schaden kommt.

  3. 9.

    Sie wollen also, dass erst Menschen zu Schaden kommen bevor der See gesperrt wird? Interessant, wie Sie mit dem Leben anderer Menschen umgehen, die Ihnen anscheinend absolut nichts wert sind. Das ist schon einen Tick menschenverachtend, oder? Oder vielleicht haben Sie auch den Artikel nicht richtig gelesen? Schauen Sie sich das Bild einmal genau an. Da ist ein sehr großes Stück Strand einfach weggebrochen. Das kann laut Gutachten am See jederzeit wieder geschehen. Wenn da zu dem Zeitpunkt Kinder spielen, sind die Kinder tot. Wollen Sie das?

  4. 8.

    „Da kann Ihnen wohl auch niemand helfen....“

    Danke, dann bin ich ja beruhigt …

    In Berlin bewege ich mich auf dem Fahrrad im Straßenverkehr, der – zumal für Radfahrende – definitiv nicht ungefährlich und mitunter sogar tödlich ist. Trotzdem gehe ich nicht ständig davon aus, dass es ausgerechnet mich jetzt gleich erwischen wird.

    Andere setzen sich, ohne mit der Wimper zu zucken, einer vergleichbar großen Gefahr aus und schießen mit höllischer Geschwindigkeit über die Autobahn, wobei auch jährlich tausende Menschen zu Tode kommen und wahrscheinlich ein Vielfaches davon schwer verletzt wird.

    Es hat ewig lange gedauert, bis mutmaßlich krebserregendes Glyphosat nun endlich (2024!) verboten wird und aus unserer Nahrung verschwindet …

    Wenn es anscheinend vollkommen okay und allgemein akzeptiert ist, all diese Risiken tagtäglich einzugehen, warum wird dann ausgerechnet dieser See, an dem „eventuell irgendwann mal etwas passieren KÖNNTE“ für ultimativ böse und gefährlich erklärt?

  5. 7.

    Am 18.07.09 starben am Concordia See bei Nachterstedt drei Menschen. Also kamen durchaus schon Leute zu Schaden. Ob Ihnen das genügend sind, müssen natürlich Sie entscheiden....

  6. 6.

    Da kann Ihnen wohl auch niemand helfen....
    Die Sperrung ist absolut notwendig, wegen Bergbau sind in der Lausitz tausende Hektar gesperrt, nicht ohne Grund.

  7. 5.

    Ich kann mir nicht helfen; die komplette Sperrung des Sees ist in meinen Augen mindestens ein bisschen überzogen. Wie viele Menschen sind hier denn bisher durch solche Rutschungen zu Schaden gekommen? Nicht ein einziger, oder? Und wie viele Menschen sind hier bisher bei Badeunfällen zu Tode gekommen? Wie an allen Badegewässern doch bestimmt schon einige. Und diese Gefahr besteht auch zukünftig. Aber würde irgendjemand auch nur im Traum auf die Idee kommen, deshalb den gesamten See zu sperren?

  8. 4.

    Der Leag geht das nichts an. Nur der Schaden der nach 1990 angerichtet wurde und dafür dürften die Rücklagen definitiv nicht reichen. Somit dürfte klar sein wer für den billigen Kohlestrom zahlt.

  9. 3.

    Genau das denke ich auch!! Hier geht es einfach mal um Menschenleben und das sollte an erster Stelle stehen!!!! Man mag sich gar nicht vorstellen wenn kleine Kinder am Ufer sitzen und spielen und auf einmal sind sie weg, durch solch einen Rutsch!!!!
    Nicht immer nur ans finanzielle denken, sondern auch mal übern Tellerrand hinaus gucken!!!!

  10. 2.

    Dass die Tagebaulöcher auf unbestimmte Zeit instabil sind war doch von anfang an klar. Da hätten die Gewerbetreibenden entsprechende Versicherungen abschließen müssen. Stattdessen wird jetzt wahrscheinlich wieder mit Steuergeld ausgeholfen, oder zahlt das etwa die LEAG?

  11. 1.

    Ich habe das Gefühl, das die Gegner der Sperrung erst dann Ruhe geben, wenn durch eine Rutschung am See die ersten Menschenleben zu beklagen sind. Dann wird man aber beginnen nach Verantwortlichen zu suchen und diese dann bestimmt auch finden.

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