Medizinisch-Psychologische Untersuchung - "Du musst darüber reden können"

Di 24.08.21 | 13:58 Uhr | Von Isabel Röder
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Symbolbild: Ein Polizist fordert einen Wagen zum Parken am Straßenrand auf. (Quelle: dpa/J. Strobel)
Audio: Antenne Brandenburg | 24.08.2021 | Isabel Röder | Bild: dpa/J. Strobel

Wer den Führerschein verliert, verliert Freiheiten. Umso schlimmer, wenn für die Rückgabe eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung verlangt wird. Wie diese Prüfung gemeistert werden kann, erfahren Teilnehmer in einem Vorbereitungsseminar. Von Isabel Röder

Drei Männer sitzen in einem weißen Seminarraum an großen Tischen. Es ist der letzte von acht Terminen des Vorbereitungskurses der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) der Arbeiterwohlfahrt in Fürstenwalde (Oder-Spree). Kursleiter Bernd Kramarczyk teilt einen Fragebogen zum Alkoholkonsum der Teilnehmer aus. Der Test soll zeigen, wie gründlich sich die Männer in den letzten Wochen mit ihrem Trinkverhalten auseinandergesetzt haben.

Wieviel Alkohol trinken Sie pro Woche? Wie kam es zu Ihrer Trunkenheitsfahrt? – Wer hier "Ich weiß es nicht" ankreuzt, sollte sich nochmals Gedanken machen. "Die meisten schneiden in diesem Test bereits gut ab", sagt Kramarczyk. Über 70 mal hat er diesen Kurs bereits angeboten - er weiß, worauf es später beim Gespräch mit dem oder der Verkehrs-Psycholog:in ankommt.

1,6 Promille Alkohol im Blut führen sicher zu einer MPU

Wer mit 1,6 Promille oder mehr am Steuer erwischt wurde, wird sicher eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung - im Volksmund auch abschätzig als "Idiotentest" bezeichnet - ablegen müssen, um den Führerschein zurückzubekommen. Auch wiederholtes Fahren mit geringeren Alkoholmengen, anderen Drogen oder die betrunkene Teilnahme im Verkehr mit dem Fahrrad können zu einer MPU führen.

"Das Grundübel ist, dass Sie zum Tag der Trunkenheitsfahrt Trinken und Fahren nicht trennen konnten", bringt der Kursleiter das Problem auf den Punkt. Dass das in Zukunft nie wieder passieren wird, gilt es in der MPU nachzuweisen. Der Schlüssel hierzu sei eine intensive Reflexion über den eigenen Alkohol- und Drogenkonsum, sagt Kramarczyk. "Das fängt an mit der Deliktanalyse: Wie ist es an dem Tag zu der Trunkenheitsfahrt gekommen? Wir gucken uns an, wie sich Alkohol auf den Körper auswirkt. Wir schauen uns die Suchtkarriere der Klienten an. Das heißt, sie bekommen die Hausaufgabe, in Tabellenform aufzuschreiben, wie sich ihr Konsum entwickelt hat", zählt er die Themen des Seminars auf.

Haarproben als Abstinenznachweis

Bei dieser Übung wird auch berechnet, wie viel Alkohol die Teilnehmenden im Leben insgesamt getrunken haben. "Das öffnet dir die Augen", sagt ein Teilnehmer, der anonym bleiben möchte. Ihm habe der Kurs geholfen, den eigenen Konsum ernst zu nehmen.

Ehrlich zu sein und eigene Fehler einzugestehen, falle nicht jedem leicht, sagt der Kursleiter. Der Austausch in der Gruppe helfe bereits als Vorbereitung für das eigentliche Gutachten. Denn wichtig sei dabei eines, sagt einer der anderen Teilnehmer. "Man muss über diese Sachen reden können und aus sich herauskommen. Was ist passiert, warum ist es passiert, wie kann ich es besser machen? Das ist es, ganz einfach reden."

Doch es geht nicht nur darum, Einsicht zu zeigen. Die Gutachter wollen auch sehen, dass sich der Alkohol- und Drogenkonsum tatsächlich verändert hat. Ein Teilnehmer gibt deswegen freiwillig alle drei Monate eine Haarprobe ab, um nachzuweisen, dass er keinen Alkohol trinkt. Erzählen könne man viel, so habe er einen festen Nachweis, sagt er.

2.000 Euro kann eine MPU kosten

Gerade für solche Abstinenznachweise brauche es Zeit, sagt Kramarczyk. Er rät deswegen, sich sofort zu kümmern, wenn der Führerschein entzogen wurde und nicht das Ende der Sperrfrist abzuwarten.

Der gesamte Prozess ist auch nicht billig. Zu den Bußgeldern kommen die Kosten für die Haar- oder Urinanalysen und die tatsächliche MPU-Prüfung. Auch der Vorbereitungskurs ist kostenpflichtig. "1.000 oder 2.000 Euro kommen schnell zusammen", sagt Kursleiter Kramarczyk. Entscheidend sei am Ende, dass das gesamte Puzzle übereinstimme. Denn wenn jemand bagatellisiere, "bekommen die Gutachter das schnell heraus".

Beitrag von Isabel Röder

11 Kommentare

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  1. 11.

    "RRG bringt durch seine Politik die Leute zu einem nicht unerheblichen Teil überhaupt erst in solche auch gefährlichen Situationen."
    Also aufs Thema bezogen, würde das heissen, das sie die aktuelle Politik nur im Suff ertragen können ... mhhh ;-) .

  2. 10.

    Reine Willkür, es genügt ein letzter Satz vom Psychologen und die ganze MPU ist in den Sand gesetzt, der Proband wird nur eine kurzfristige Trinkpause einlegen, dann wiederholt betrunken fahren, 15 Jahre hat man dann um ohne MPU mit Neuerwerb aller Klassen bei 0 anzufangen. Pure Geldmacherei. Ein Vergewaltiger oder Totschläger kommt mit 2-5 Jahre davon. Richtig ist, wer am Steuer sitzt, der sollt sich schon an 0 Promille/no Drugs halten, sonst viel zu gefährlich! Aber eine MPU nutzt keinem was, Ersttäter bestehen zu 50% die MPU, Wiederholungstäter, Berufskraftfahrer fallen zu 50% durch. Diese V-Psychologen arbeiten alle selbstständig, 65€/Std. und pendeln von TÜV zu TÜVeinrichtung, deren Gutachten sind unantastbar! Hilfe für Alkoholgefährdete gibt es dort nicht, Verantwortung, Resozialisierung = Null!!!

  3. 9.

    Ist ja alles schön und gut, ich bin in der MPU Situation. Ich habe durch den Führerscheinverlust meinen Job verloren und durch den verlorenen Job nicht mehr die Geldmittel, die MPU machen zu können. Hierdurch werde ich wohl die nächsten 15 Jahre ohne Führerschein sein. Da ich im ländlichen Raum Wohne, verhält es sich so wohl leider auch mit der Arbeit. Kein Führerschein kein Job. Dieses System gehört abgeschafft und an europäisches Recht angeglichen. Deutschland ist das einzige EU-Land, dass die (wieder,-)erlangung der Fahrerlaubnis von einem individuellen Gespräch mit einem Psychologen abhängig macht und bewegt sich im EU-Recht damit auf dünnem Eis. Diese Prozedur ist reine Geldmacherei und wer kein Geld hat, kann ja 15 Jahre sein Hartz 4 zusammen sparen und dann den Führerschein neu machen.

  4. 8.

    "Wer den Führerschein verliert, verliert Freiheiten." Ach wirklich ? Und wer von RRG nicht mehr fahren gelassen wird obwohl er den Führerschein und ein Auto hat verliert diese Freiheiten nicht ???
    RRG bringt durch seine Politik die Leute zu einem nicht unerheblichen Teil überhaupt erst in solche auch gefährlichen Situationen. Es will nur niemand wahr haben. Radwege in tote Winkel führen ist z.B. nur ein Aspekt. (auch wenn nebenher 30m breite kaum genutzte Gewege sind, auch wenn es dort schon Radwege gibt.. nein.. stur im toten Winkel, auf das es kracht)

  5. 7.

    Ob da nicht vll. doch die Eine oder der Andere mit aufgepasst haben? X-Jahre Unfallfreiheit sagen eigentlich nichts aus.

  6. 6.

    Wenn Sie wissen was Sie mit Ihren wirren Kommentar meinen- dann weiß es wenigstens einer.
    Mpu und Grüne zusammen zu bringen- gibt es dafür inhaltliche Gründe oder wollen Sie nur ein wenig hetzen?

  7. 5.

    Also, Liebe Lara, wenn ich mich nicht an die Regeln gehalten hätte wäre ich nicht 50 Jahre nachweislich unfallfrei gefahren.

  8. 4.

    mmmh Situationen gibt es immer wieder..fahre mehr als 23 Jahre Unfallfrei... irre was inzwischen toleriert wird..(Hauptstadt)
    benötige eine gute Lösung oder Strategie um nicht in Gefahr zu kommen

  9. 3.

    Besser solche Leute verlieren ein Stück ihrer Freiheit als ander Ihre Gesundheit oder ihr Leben durch solche Leute.

  10. 2.

    "...verliert, verliert Freiheiten" - das ist nun wirklich so und erklärt auch, warum linksgrünes Moralisieren letztlich schädlich ist, aber das ist ein anderes Thema. Die Wertediskussion, die dem Klima nichts nutzt, ist hier nicht gemeint und kommt noch zur Wahl.

  11. 1.

    MPU wird viel zu selten angeordnet wenn man mal kuckt wie viele Raser und Drängler es auf unsren Straßen gibt. Wer Menschenleben gefährdet um ein paar Minuten früher am Ziel zu sein hat nichts hinter dem Steuer verloren. Fahrschulen sind fast die einzigen, die sich tatsächlich an die Regeln halten.

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