Absage des Bildungsministeriums - Schule in Müncheberg darf nicht eröffnen

Leeres Klassenzimmer in Müncheberg
Audio: Antenne Brandenburg | 02.08.2021 | Michael Lietz | Bild: Michael Lietz/rbb

Viele Brandenburger Kinder wissen auch kurz vor dem Start des neuen Schuljahres nicht, wo sie zur Schule gehen werden. Insgesamt 17 neue freie Schulen haben eine Genehmigung beantragt - und bislang nur drei eine Zusage erhalten. Von Michael Lietz

Daja Ziefuß, Chefin des Vereins Lernvielfalt in Märkisch Oderland e.V., ist sauer auf das Brandenburger Bildungsministeriums in Potsdam. Sie habe den Eindruck, dass noch mehr freie Schulen in Brandenburg nicht gewollt sind. Praktisch werde alles getan, dass eine Eröffnung nicht klappt, sagt sie. Das Ministerium habe teilweise fadenscheinige Gründe angeführt, die sich in der Summe sehr viel anhören, "man hätte sie aber letztendlich mit einem einfachen Gespräch aus der Welt räumen können", so Ziefuß.

Seit März hat sich der Verein intensiv auf die Eröffnung der Freien Schule Müncheberg vorbereitet. Er mietete Räume in einer ehemaligen Kita an, stellte Personal ein und baute Räume um. Etwa 18.000 Euro private Mittel haben die Vereinsmitglieder bereits investiert, und es gibt eine Kreditzusage, um die ersten drei Jahre des Schulbetriebes zu finanzieren. Noch wird in den Räumen gewerkelt, dennoch hätte nächsten Montag der Unterricht beginnen können, sagt Daja Ziefuß. "Wir haben eine Küche eingerichtet, es gibt einen Bastelraum, Kuschelecken und den Hauptlehrraum." Dort werde zum Beispiel Mathematik angeboten. Wer möchte, könne daran teilnehmen.

Schule ohne Zensuren und Zwang

Freiwilligkeit ist das Grundprinzip der Freien Demokratischen Schule Müncheberg, erklärt Amaryllis Kowalewski. Die Psychologin hat das pädagogische Konzept mit erarbeitet. "Das Besondere soll sein, dass die Kinder ihre Freude am Lernen behalten." Man werde darauf achten, die Neugier der Kinder nicht kaputt zu machen. Sie solle erhalten und ausgebaut werden. Zensuren gibt es nicht, auch keinen Zwang zum Lernen.

Ministerium sieht Mängel

Die Nachfrage nach einem solchen Angebot scheint auch in Müncheberg und Umgebung groß zu sein. Bei den Drittklässlern habe es Rückstellungen gegeben, so groß sei das Interesse gewesen. Aus dem Plan, im nächsten Monat mit 18 Erst- bis Drittklässlern sowie fünf Vorschulkindern zu starten, wird aller Voraussicht nach aber nichts.

Dem Bildungsministerium soll unter anderem nicht nachgewiesen worden, welche Sporthalle den Kindern zur Verfügung steht. Außerdem habe dem Ministerium die reine Zusage einer Schwimmhalle, dort den Schwimmunterricht durchführen zu können, nicht ausgereicht. "Wir hätten bereits eine Bahn buchen müssen", sagt Daja Ziefuß.

Leere Schule in MünchebergLeere Schule in Müncheberg wartet auch Kinder

Da das Haus jetzt eine Schule und keine Kita mehr ist, bräuchte der Trägerverein eine Umnutzungsgenehmigung. "Die Bestätigung des Landrates, dass die Genehmigung erteilt wird, hat dem Ministerium nicht ausgereicht." Auch habe das Ministerium behauptet, die Schule könne den Fremdsprachenunterricht nicht absichern. Dabei habe man eine Muttersprachlerin eingestellt. Problematisch für das Bildungsministerium sei gewesen, dass sie eine Quereinsteigerin ist und keine Anerkennung habe. "An einer anderen Schule hat sie aber bereits unterrichten dürfen", so Ziefuß.

Müncheberger Schule kein Einzelfall

Ulrike Grönefeld, Sprecherin des Bildungsministeriums, verteidigt die Ablehnung des Münchberger Antrages. "Im Rahmen von Anträgen auf Errichtung von Schulen in freier Trägerschaft müssen sämtliche Genehmigungsvoraussetzungen kumulativ erfüllt werden." Das heißt, wird auch nur eine Voraussetzung nicht erfüllt, folgt prompt die Ablehnung.

Offensichtlich ist die Münchberger Entscheidung kein Einzelfall. Nach Angaben des Ministeriums gibt es für dieses Schuljahr 13 Anträge auf Genehmigung zur Errichtung und Betreibung einer Schule in freier Trägerschaft zum Schuljahr 2021/2022. Nur dreien wurden bislang Genehmigungsbescheide erteilt. Das sind laut Bildungsministerium die Montessori Grundschule "Maria Sibylle Merian" in Perleberg (Prignitz), die Freie Waldorfschule Barnim in Eberswalde und die Freie Waldorfschule Zeuthen (Dahme-Spreewald). "Weitere Genehmigungsverfahren befinden sich in der abschließenden Phase", so Ulrike Grönefeld. Einige Antragsteller hätten zudem ihre Anträge zurückgezogen oder auf das folgende Schuljahr verschoben.

Suche nach kurzfristigen Alternativen

Der Müncheberger Verein hat sich nach eigenen Angaben unterdessen entschlossen, gegen den Ablehnungsbescheid zu klagen. Ein Anwalt sei bereits eingeschaltet. Dennoch müssen die betroffenen Eltern für ihre Kinder kurzfristig Ersatz finden. "Wir haben mit unserem Sohn bereits gesprochen", sagt Tim Klotz, der beim Umbau der Schule mithilft. Eine Lösung hätten sie aber noch nicht gefunden. Und Christian Scholle, dessen Sohn in die dritte Klasse kommt, überlegt sogar, ganz wegzuziehen. "Man kann natürlich auch im Ausland zur Schule gehen oder wegziehen", sagt Scholle, "wenn es hier überhaupt nicht gewollt ist, dass man Kindern ein freies und gutes und schönes Lernen in der Kindheit ermöglichen möchte."

Der Müncheberger Verein hofft nun, zumindest mit Hort und Vorschule starten zu dürfen. Eine Entscheidung dazu könnte es am Mittwoch geben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.08.2021, 16:40 Uhr


Beitrag von Michael Lietz

8 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 8.

    Also, man mag entschuldigen, aber so richtig einleuchtend ist mit das Konzept der Schule nicht. Kuschelräume,Bastelzimmer und ein (¹) Kernraum, das ist sicher für lernbereite Kinder eine Möglichkeit, aber was macht man mit denen, die mal gerade keine Lust haben und lieber ihre Zeit in der Kuschelecke verbringen ? Zugegeben, ich stamme aus einer Zeit, wo Schule noch mit Pflicht zum Lernen verbunden war, und es hat mir nicht geschadet. Für Erklärungen des Kuschelsystems. wäre ich dankbar.

  2. 7.

    Freie Schulen sind doch eigentlich Ersatzschulen, sehr oft mit schlecht bezahlten und schlecht ausgebildeten Lehrern versehen. In der Vergangenheit kamen einige wenige wegen ihrer sehr rechts ausgeprägten Lehrerschaft in den Focus der Medien. Wer sein Kind tatsächlich gut ausgebildet wissen will, der schickt es in das reale Leben zu Lehrern und Lehrplänen, die das tatsächlich auch transportieren können. Nur, weil man dafür bezahlt, ist die Bildung dadurch nicht besser. Wer das nicht möchte und behauptet, man müsse wegziehen, ins Ausland, damit das Kind eine glückliche Kindheit hat, dann sind das genau die provokanten Aussagen jener, die nicht wissen, dass das eigene Kind in Deutschland eine sehr gute Kindheit und Bildung erleben kann, man muss es nur annehmen.

  3. 6.

    Der Bürokratismus in Deutschland ist und bleibt ein riesiges Problem. Allerdings habe ich ein Problem mit dem Konzept dieser Schule. Freiwilliges lernen ohne Zwang und Zensuren? Die wenigsten Kinder sind in der Lage die langfristigen Konsequenzen ihres Handelns abzuschätzen. Da wird dann lieber gespielt als gelernt. Später reicht die Schulbildung dann höchstens noch zum Frittenrüttler. Ich kann Eltern nicht verstehen, die Ihre Kinder an eine solche Schule schicken und damit potentiell deren Zukunft verbauen.

  4. 5.

    Vielleicht sollte das Bildungsministerium nochmal zur Schule gehen, damit es lernt, wie man es in diesem Fall richtig macht.

  5. 4.

    Das Land Brandenburg will keine freien Schulen. Einheitsbrei muss sein, möglichst überlastete, möglichst riesengroße Schulen mit möglichst vielen Quereinsteigern als Lehrern (wozu mehr Studienplätze schaffen? Ist doch viel billiger!). Wir müssen noch schneller zur Bananenrepublik werden. Das schaffen wir schon.

  6. 3.

    Schule ohne Zensuren und ohne Lernen ist keine Schule. Das Bildungsministerium tut gut daran solchen Unsinn nicht zuzulassen. Wenn Kinder in ihrer Kindheit und Jugend nicht auf das spätere Leben in unserer „Leistungsgesellschaft“ vorbereitet werden, hat man sie total verzogen.

  7. 2.

    Mit Behörden und Beamten habe ich meine eigenen Erfahrungen gemacht. Wenn man in Deutschland etwas in irgendeiner Form bauen oder eröffnen will, egal in welchem Bereich, sind viele Vorschriften und Gesetze einzuhalten. Bei vielen Beamten ist es am Besten, für Details schon zu Beginn der Planungen, sie persönlich aufzusuchen und einzubinden. Manche sprudeln ihr Wissen regelrecht heraus, weil sie endlich ihr Fachwissen anbringen können und dann läuft alles problemlos. Es gibt aber auch die andere Sorte von Beamten und wehe man hat einen von diesen erwischt, welcher nämlich seinen Handlungs-- und Ermessensspielraum auf NULL legt. Da wiehert dann wirklich der Amtsschimmel und man kassiert nur Ablehnungen solange nicht alles super und perfekt ist. Vielleicht erreicht man noch etwas mit vorläufigen Genehmigungen oder den leitenden Beamten, bzw. Ressortleiter/in in einem freundlichen Gespräch. Ich wünsche, dass diese Schule, trotz all der Widrigkeiten, so schnell wie möglich eröffnet werden kann.

  8. 1.

    Zum Glück haben ja alle Schulen in Berlin genug Sporthallen und Schwimmmöglichkeiten.
    Und jetzt hat ja auch jeder Klassenraum Luftfilter.
    Oder machen wir die alle zu?

Nächster Artikel