Nachwuchsgewinnung - Feuerwehr soll in der Uckermark flächendeckend unterrichtet werden

Feuerwehrunterricht in der Uckermark: Schüler der Ehm-Welk-Oberschule lassen sich im Wahlfachunterricht zu Feuerwehrleuten ausbilden. (Quelle: Riccardo Wittig/rbb)
Video: Brandenburg aktuell | 15.09.2021 | Riccardo Wittig | Bild: Riccardo Wittig/rbb

Die Konkurrenz für die Brandenburger Feuerwehren bei der Nachwuchsgewinnung ist mittlerweile fast übermächtig. Die Uckermark geht jetzt neue Wege: Fast an allen öffentlichen Schulen soll Feuerwehr zum Unterrichtsfach werden.

Die Uckermark will das Wahlfach Feuerwehr an allen öffentlichen Schulen im Kreis etablieren. Der Kreistag hat dafür am Mittwoch eine neue Stelle in der Verwaltung beschlossen.

Vorbild ist die Stadt Angermünde, wo das Fach seit dem Schuljahr 2014/15 an der dortigen Ehm-Welk-Oberschule für Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Klassen angeboten wird. Kooperationspartner hierfür ist die Feuerwehr Angermünde. Innerhalb von zwei Jahren werden die Jugendlichen zum Truppmann beziehungsweise zur Truppfrau ausgebildet. Das entspricht der Grundausbildung für den Dienst in der Freiwilligen Feuerwehr. Damit sind die Jugendlichen befähigt, direkt bei den Lebensrettern einzusteigen.

Landesbrandmeister vom Schulfach restlos überzeugt

"Es ist ein wichtiger und zielführender Weg, noch mehr Mädchen und Jungen in die Jugendfeuerwehren zu bekommen", sagte Brandenburgs ranghöchster Feuerwehrmann Heinz Rudolph dem rbb in Bezug auf den Angermünder Weg. Der Landesbrandmeister leitet in Eisenhüttenstadt die Landesfeuerwehrschule.

Neben Angermünde gebe es landesweit drei weitere Schulen, die Feuerwehr als Unterricht als Schulfach anbieten. Weitere Einrichtungen interessierten sich dafür. "Ich kann nur werben dafür, auf diesem Weg Nachwuchs zu gewinnen." Allerdings müssten noch Wege und Mittel gefunden werden, die jungen Erwachsenen zu halten und in die Einsatzabteilungen zu bekommen", sagte er dem rbb.

Rasanter Abwärtstrend bei Feuerwehrleuten

Letzteres sei im ländlichen Brandenburg aber schwer, da Jugendliche nach der Schule oft ihrer Heimat den Rücken kehrten, anderorts in die Lehre gingen oder nach dem Studium nicht nach Hause zurückkehrten.

In den vergangenen Jahrzehnten hat es in den Reihen der Brandenburger Feuerwehr einen richtigen Aderlass gegeben. Von ehemals 54.000 hauptberuflichen und ehrenamtlichen Feuerwehrleuten sank die Zahl kontinuierlich auf unter 40.000 herunter. Dieser rasante Abwärtstrend konnte gestoppt werden, seit 2019 stabilisieren sich die Zahlen. So waren 2020 laut Innenministerium wieder 38.700 Feuerwehrleute aktiv. Auch ließe sich wieder mehr Nachwuchs anwerben. Projekte wie der Wahlfachunterricht seien laut Rudolph deshalb "richtig gut".

Wahlfach Feuerwehr macht den Jugendlichen Spaß

Elias Karolow ist Schüler der 9. Klasse an der Angermünder Welk-Oberschule. Er hat sich mit Mitschülern für das Wahlfach Feuerwehr entschieden. Jede Woche kommt er mit seinen Mitschülern ins Depot der Angermünder Wehr. Hier wird ihnen alles Wichtige erklärt. Auf dem Stundenplan steht beispielsweise der richtige Umgang mit einem Feuerlöscher. "Bevor wir den Feuerlöscher nutzen können, müssen wir den Knauf einschlagen, verteilt sich das Gas drin, ist der Feuerlöscher aufgeladen und einsatzbereit", erklärt der Ausbilder. Dann probiert sich Eilas aus. "Das Löschen allgemein, mit dem Einsatzfahrzeug mitzufahren oder die Feuerwehrleute mehr kennenzulernen, dass macht mir Spaß", sagt Elias.

Lehrerin Christina Busse von der Welk-Oberschule kann auch nur Positives berichten: "Ich unterrichte Mathematik und Physik, das sind nicht unbedingt die Lieblingsfächer der Schüler. Aber wenn man sie hier so erlebt, ist es ganz anders", sagt Busse. Die Schülerinnen und Schüler seien eifrig und mit Motivation dabei. "Sie haben ein Leuchten in den Augen", wenn sie von ihren Feuerwehr-Erlebnissen berichteten.

Ausbilder: Unterricht bringt zeitlichen Vorteil für Schüler

Der 18-jährige Luis Bormann ist seit zehn Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Ehrenamtlich unterstützt er das Feuerwehr-Wahlfach. Er ist gerade dabei, für den Landkreis Vorschläge für einheitliche Lehrpläne zu erarbeiten. Dass Löschen und Retten im Stundenplan vieler Schulen stehen soll, findet er praktisch. "Dieser Feuerwehr-Unterricht hat einen zeitlichen Vorteil", erklärte Bormann. Er selbst musste sich seine Trupp-Ausbildung viele Wochenenden ans Bein binden. "Hier können die Schüler das innerhalb ihrer Unterrichtszeit erledigen und haben nachher eine vollwertige Ausbildung", betont der 18-Jährige.

Der zuständige Bildungsdezernent der Uckermark, Frank Bretsch (SPD), ist ebenfalls angetan von dem Projekt. Er will es im gesamten Landkreis an öffentlichen Schulen ausrollen. "Wir möchten erreichen, dass die jungen Menschen sich engagieren, dass sie, in einem Alter, wo man auf der Suche ist, Orientierung bekommen und das dahingehend, dass sie sich beschäftigen mit Kameradschaft. Auch damit, dass anderen Menschen zu helfen, eine sehr ehrenwerte Beschäftigung ist", unterstreicht Bretsch im rbb-Interview.

Und gute Noten könne man im Walfachunterricht Feuerwehr auch einsacken. Das Projekt werde jetzt auf den Weg gebracht. Für Elias ist schon jetzt klar: Er will nach der Schule in die Freiwillige Feuerwehr eintreten.

Sendung: Brandenburg aktuell, 15.09.2021, 19:30 Uhr

Mit Material von Riccardo Wittig

4 Kommentare

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  1. 4.

    Interessanter Artikel. Zum Glück erhält bei mir draußen gerade die Freiwillige Feuerwehr ein neues Gebäude. Allerdings finde ich es schade, dass der rbb sich anscheinend von der Kommentarfunktion verabschiedet. Wenn das so sein sollte, werde ich mich leider auch vom rbb verabschieden. Wenn das Friedrich Moll wüsste... Einfach nur traurig.

  2. 3.

    Werden demnächst auch noch "Altenpflege" oder "Lehrer" als Schulfächer angeboten?
    Dort bestehen in Zukunft auch deutliche Defizite im Angebot von Arbeitnehmern...

  3. 2.

    Man könnte ja auch mal über eine Berufsfeuerwehr nachdenken wenn sich nicht genug freiwillig melden. Kostet dann halt Steuern, aber das Leben in dünn besiedelten Landstrichen ist nunmal mit gewissen Extrakosten verbunden. Dafür sind die Mieten nicht so hoch wie in den Städten.

  4. 1.

    Gute Idee. Jugendfeuerwehren gibt es ja schon lange, aber viele Jugendliche brauchen wohl einen kleinen Schubs.

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