Jom Kippur - Jüdinnen und Juden begehen ab Mittwoch ihren höchsten Feiertag

Iryna Nektalov von der jüdischen Gemeinde Frankfurt (Oder) (Quelle: Elke Bader)
Audio: Inforadio | 15.09.2021 | Liane Gruß | Bild: Elke Bader

Jom Kippur ist ein strenger Ruhe- und Fastentag. Gläubige Jüdinnen und Juden beten gemeinsam bis zu zehn Stunden. Dabei bitten sie um Vergebung. Kreisende Hühner und keine Lederschuhe sind wichtige Rituale. Von Elke Bader

Menschen jüdischen Glauben feiern ab Mittwochabend ihren Jom Kippur. Am höchsten jüdischen Feiertag geht niemand zur Arbeit - nicht einmal ans Telefon. Es darf weder gegessen noch getrunken werden. Duschen, Eincremen und Schminken sind auch nicht erlaubt. Lederschuhe dürfen auch nicht getragen werden. Strenge Regeln, doch für Iryna Nektalov von der jüdischen Gemeinde Frankfurt (Oder) gehört auch das zum Jom Kippur.

An Jom Kippur sollen Sünden vergeben werden. Einmal im Jahr sollen alle Streitigkeiten beendet werden. Für gläubige Jüdinnen und Juden ist das von zentraler Bedeutung. "Es ist ein glücklicher Tag. Die besondere Energie des Tages zu spüren, an dem unsere Sünden verziehen werden. Man ist danach ein anderer Mensch", erzählt Iryna Nektalov.

Um Verzeihung bitten

Vor Jom Kippur bitten jüdische Menschen andere Menschen, denen sie etwas angetan haben, um Verzeihung. Nehmen die Angesprochenen die Verzeihung nicht an, müssen sie drei Mal gefragt werden. Iryna Nektalov hat einmal ihre Eltern um Verzeihung gebeten. "Als ich angefangen habe, koscher zu essen, haben meine Eltern in meinen Augen die jüdischen Speisegesetze nicht eingehalten. Da bin ich mal explodiert. Ich habe danach tief gespürt, dass ich sie um Verzeihung bitten muss", erzählt die 29-Jahre alte Jüdin.

Wer kann, geht in die Synagoge und betet nach einem strengen Ablauf gemeinsam mit anderen Gemeindemitgliedern. Familien mit Kindern feiern Jom Kippur zu Hause. Kinder müssen nicht fasten. Sie dürfen aber weder Fernsehen noch am Computer spielen. "Obwohl gefastet wird, müssen Kinder essen. Sie müssen sogar Süßigkeiten bekommen, damit sie die feierliche Atmosphäre spüren", erklärt Iryna Nektalov.

Hühnerkreisen und keine Lederschuhe

Ein wichtiges Ritual ist auch das Hühnerkreisen. Dabei wird ein Huhn drei Mal über den Kopf eines Menschen geschwenkt. Dabei werden die Sünden dem Huhn auferlegt. Viele Gemeinden nehmen anstelle des Huhnes auch Geld. Das geschlachtete Huhn oder das Geld wird an ärmere Menschen verschenkt.

Auch das Tragen von Lederschuhen ist für gläubige Juden an ihrem Feiertag kein Thema. Grund dafür ist, dass sie an Jom Kippur mit Engeln verglichen werden. "Engel essen und trinken nicht und sie tragen keine Schuhe. Lederschuhe sind Komfort, auf den wir an Jom Kippur verzichten", sagt Iryna. Nach 25 Stunden des Fastens endet der jüdische Buß- und Bettag dann am Donnerstag.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.09.2021

Beitrag von Elke Bader

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