Parasiten und Unterkühlung - Viel Regen führt zu durchwachsener Saison für Brandenburger Störche

Archivbild: Störche verweilen auf einem Hausdach. (Quelle: dpa/J. Stratenschulte)
Bild: dpa/J. Stratenschulte

Die Störche in Brandenburg mussten in diesem Jahr einiges durchmachen. Wo sich das Frühjahr noch kalt und trocken zeigte, prasselten im Sommer teilweise Wassermassen auf die Nester. Für den Bestand in Brandenburg keine besonders guten Bedingungen.

Der letzte Storch hat die Märkische Schweiz vor einer Woche in Richtung Süden verlassen. Zeit, Bilanz was für das Storchenjahr zu ziehen. Und da sind die Einschätzungen von Experten aus Brandenburg, wie bereits in den Vorjahren, durchwachsen. So wenig Störche wie 2021 seien in Ostbrandenburg schon lange nicht mehr aus einer Sommersaison hervorgegangen. Denn obwohl Störche feuchte Gebiete brauchen, um Nahrung zu finden, sei die Menge und der Zeitpunkt des Regens für viele Jungtiere teilweise verheerend gewesen.

Hart getroffen wurden laut Bernd Ludwig vom Naturschutzbund Brandenburg (Nabu) der ganze Nordosten. "Das zog sich besonders in Oberhavel und Uckermark, aber auch bis hinunter in den Barnim und nach Märkisch-Oderland", erklärt er. Dort seien viele Jungtiere in ihren Nestern verendet.

Nasses Gefieder sorgt für Lungenentzündungen

Wegen des Storchen-Sterbens sei man in der Naturwacht Buckow (Märkisch-Oderland) noch nicht übermäßig besorgt. "Wir hatten in einem Dorf sogar einen neuen Horst, wo ein Storchenpaar auf einem Strommast zu Brüten angefangen hat", sagt Henriette Brune, Rangerin in der Märkisch Schweiz. Allerdings seien die zum Teil starken Regenfälle der vergangenen Monate gerade für die Jungtiere gefährlich gewesen, besonders im Juni und Juli in der Zeit nach dem Schlüpfen.

"Wenn der Storch frisch geschlüpft ist und es drei oder vier Tage durchregnet, ist das Gefieder noch so geringfügig ausgebildet, dass sie schnell unterkühlen", sagt Brune. "Auch die Eltern müssen hin und wieder auf Futtersuche gehen, um die Jungtiere zu versorgen. Dann ist der Jungstorch dem Regen und der Witterung ausgeliefert." Dies könne zu einer Lungenentzündung führen.

Bereits im Juli vermeldete das Naturschutzzentrum Storchenschmiede, dass etwa die Hälfte der Jungstörche in Linum bei Fehrbellin (Ostprignitz-Ruppin) in diesem Frühjahr an Unterkühlung gestorben seien. Doch im Gegensatz zu anderen Jahren sei die Futtersituation dort im Sommer besser gewesen.

Unterdessen sind bei einigen Jungstörchen in der Prignitz ungewöhnliche Erkrankungen festgestellt worden. In Rührstädt sei aufgefallen, dass die Störche an den Beinen möglicherweise mit Parasiten befallen sein könnten. Laut dem dortigen Besucherzentrum sind etwa 20 Prozent der Jungstörche in der Prignitz betroffen. Die Sache werde untersucht.

Gutes Jahr im Süd-Westen

Laut dem Landesamt für Umwelt (LfU) war das letzte gute Jahr für Störche 2014. Seitdem sei die Zahl der Brutpaare brandenburgweit rückläufig. Zudem könnten die Zugvögel immer weniger Junge großziehen. Zwar liegen laut Bernd Ludwig für 2021 noch keine aktuellen Zahlen vor, doch schätzt er, dass es durch das kalte Frühjahr und die Niederschläge weniger Tiere als in den Dürresommern sein werden.

Doch es gibt auch gute Nachrichten. So sei das Storchenjahr in vielen Regionen Brandenburgs sogar erfreulich gewesen. Sowohl Ludwig als auch die Spezialisten der Vogelwacht des LfU bescheinigen dem Westhavelland, Teltow-Fläming und der Lausitz eine gute Saison. Dort hätten sich die Niederschläge in Grenzen gehalten.

Dauer-Risiko bleibt die Landwirtschaft

Trotzdem litten die Störche in der Mark unter dem Wassermangel der vergangenen Jahre. Auch wenn der Sommer im Vergleich zu den Vorjahren reich an Regen war, sei der Wasserhaushalt bei Weitem noch nicht ausgeglichen. "Das Grundwasser ist immer noch stark angeschlagen", so die Rangerin Henriette Brune. Zwar würden sich die Kleinstgewässer oberflächlich erholen, doch sei die Zahl der Amphibien nach wie vor zu gering. Das gehe Bernd Ludwig zufolge auch auf den kalten und viel zu trockenen April zurück. Zudem habe der dafür gesorgt, dass die Brut in Brandenburg erst sehr spät begonnen habe - zu spät für viele Brutpaare. Hinzu komme die intensive Bewirtschaftung der Felder in der Landwirtschaft. Langfristig sei dies gefährlicher als eine verregnete Storchen-Saison.

Sendung: Antenne Brandenburg, 02.09.2021, 16:40 Uhr

Beitrag von Helge Oelert und Tony Schönberg

9 Kommentare

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  1. 9.

    "Wetter schlecht," - Nö. Zur Zeit super. Der Rest liegt möglicherweise an der falschen Kleidung.
    "Politik Mist." - Ja. Wundert mich aber nicht mehr.
    "Wölfe, Biber, Kormorane stören" - Mich nicht. Waschbären auch nicht. Ok - Mücken sind diskutabel.
    "Diese negative Grundstimmung ist erschreckend." - Ja. Bloß nicht ernstnehmen. Die einen stehen im Regen - die Anderen duschen unter Wolken. Einstellungssache.

  2. 8.

    Meckern… Immer nur Jammern und Meckern. Wetter schlecht, Politik Mist. Wölfe, Biber, Kormorane stören…. Meine Güte. Diese negative Grundstimmung ist erschreckend.

  3. 7.

    @Markus2: ?
    Es war ein Joke/Ironie meinerseits. Dass man das heutzutage überall dranschreiben muss...
    Das mit den "Umweltschützern" verstehe ich komplett gar nicht, aber ist auch nicht nötig, da das offenbar auch nichts mit meinem Posting zu tun hat.

  4. 6.

    Vielleicht haben Sie es einfach auch nicht verstanden? ;) Es hat viel geregnet; die Grundwasserspeicher sind jedoch immer noch nicht vollkommen aufgefüllt. Aber wie wir ja lesen konnten, ist der Regen gefährlich für Jungstörche. Weiß man eigentlich schon seit der Schule. Und Sie kennen jeden Umweltschützer? Da hätte ich von Ihnen doch gerne mal eine Quellenangabe. Wenigstens von einem.

  5. 5.

    @John: die Macht der Gewohntheit. Is wie bei uns.
    Auch, wenn man dabei die eigene Art zugrunde geht.

  6. 3.

    Regen - nicht gut
    Hitze - nicht gut
    Kühle - nicht gut
    Trockenheit - nicht gut
    Ich frage mich, was die Störche überhaupt noch herzieht.

  7. 2.

    Leider spielt die Landwirtschaft sowohl beim Artenschutz als auch beim Klimaschutz eine sehr negative Rolle: Trockenlegung der Moore, riesige, monotone Anbauflächen ohne „störende“ Büsche und Bäume, die mit schweren, den Boden verdichtenden Maschinen bewirtschaftet werden können, Pestizide, Massentierhaltung lassen immer mehr Arten speziell bei Vögeln und Insekten aussterben und belasten das Klima nachhaltig negativ.

  8. 1.

    Die Greta Freunde sagen es hat zu wenig geregnet. Jeder Umweltschützer sagt was anderes. Aber alle meinen es gut und das meine ich ernst.

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