Amtsgericht Eberswalde - Bewährungsstrafen im Prozess um ertrunkene Schülerin gefordert

Archivbild: Steg und Badeinsel liegen still und einsam auf dem Werbellinsee in Brandenburg. (Quelle: dpa/A. Riedl)
Bild: dpa/A. Riedl

Im Verfahren wegen fahrlässiger Tötung gegen vier Lehrerinnen und Erzieherinnen aus Berlin fordert die Staatsanwaltschaft Bewährungsstrafen. Im Prozess zum Fall des ertrunkenen Mädchens im Werbellinsee haben am Mittwoch am Amtsgericht Eberswalde unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Plädoyers begonnen.

Bewährung und Geldstrafe statt Haft

Den Angeklagten hätte maximal eine Haftstrafe von fünf Jahren gedroht. Allerdings hat die Staatsanwaltschaft nach rbb-Informationen für die vier Lehrerinnen und Erzieherinnen nun eine Bewährungsstrafe von jeweils zehn Monaten gefordert. Zusätzlich solle eine Zahlung von mehreren tausend Euro an eine gemeinnützige Einrichtung geleistet werden.

Auch die Mutter und der Stiefbruder des getöteten Mädchens, die als Nebenkläger auftreten, haben sich der Forderung der Staatsanwaltschaft angeschlossen. Der Anwalt der Nebenklage des Vaters hat keinen konkreten Antrag gestellt, sondern die Höhe des Strafmaßes in das Ermessen des Gerichts gestellt.

Im Anschluss an das Plädoyer der Nebenkläger hat die Mutter der Verstorbenen noch einmal das Wort ergriffen und den Angeklagten erneut schwere Vorwürfe zu Lasten gelegt. Zudem sei sie vom Verhalten der Angeklagten vor Gericht schockiert gewesen. Diese hätten während der Prozesstage wiederholt gelacht.

Die Verteidiger werden ihre Plädoyers erst am kommenden Verhandlungstag Ende September halten. Zu Beginn des Verfahrens sind die Verteidiger noch davon ausgegangen, dass es zu einer Einigung mit dem Gericht und der Staatsanwaltschaft kommt und der Prozess gegen Zahlung einer Geldstrafe eingestellt wird. Dagegen hatte sich das Gericht jedoch klar ausgesprochen, da die Vorwürfe gegen die Lehrerinnen und Erzieherinnen zu schwerwiegend waren.

Keine Öffentlichkeit wegen Schutzbedürfnis

Als Begründung für den Ausschluss der Öffentlichkeit von den Plädoyers wird angeführt, dass in dem Verfahren auch zahlreiche Kinder ausgesagt hätten. Grund dafür sei das besondere Schutzbedürfnis. Der Prozess wird am 27. September fortgesetzt. Dann soll es auch ein Urteil in dem Fall geben.

Die zwei Lehrerinnen und zwei Erzieherinnen aus Berlin sollen bei einer Klassenfahrt im Juni 2016 ihre Aufsichtspflicht verletzt haben, so dass eine sieben Jahre alte Schülerin im Werbellinsee ertrank.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.09.2021, 15:40 Uhr

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