Werbellinsee-Prozess - Staatsanwaltschaft geht aufgrund zu milden Urteils in Berufung

(Quelle: rbb/ Ben Linse)
Audio: Antenne Brandenburg | 28.09.2021 | Dorett Kirmse | Bild: rbb/ Ben Linse

Sieben Monate dauerte der Prozess um den Tod der kleinen Elif aus Berlin. Sie ertrank 2016 während eines Ausflugs ihrer Klasse im Werbellinsee. Doch nun deutet sich an, dass der Prozess in die Berufung geht. Von Dorett Kirmse

Das Urteil des Amtsgerichts Eberswalde gegen vier Lehrerinnen und Erzieherinnen wegen fahrlässiger Tötung wird vorerst nicht rechtskräftig. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat dagegen Berufung eingelegt.

Das Amtsgericht hatte die vier Frauen im Alter zwischen 30 und 52 Jahren am Montag auch wegen der langen Verfahrensdauer lediglich zu Geldstrafen von mehreren tausend Euro verurteilt. Laut Urteil haben die Pädagoginnen bei einer Klassenfahrt ihre Aufsichtspflicht verletzt, so dass vor fünf Jahren die sieben Jahre alte Schülerin Elif bei einer Klassenfahrt im Werbellinsee ertrank.

Große Enttäuschung über das Strafmaß

Das Urteil löste bei der Familie von Elif, die in dem Verfahren als Nebenkläger auftritt, gemischte Gefühle aus. "Wir warten seit über fünf Jahren auf den Moment, dass wir ein Urteil haben. Aber kein Urteil dieser Welt wird mir meine Schwester wieder bringen", sagte Elifs Schwester Aylin dem rbb. "Erleichterung war da, erst einmal einen Schuldspruch zu haben, aber auch die Enttäuschung über das Strafmaß."

Grob fahrlässiges Agieren der Verantwortlichen

Staatsanwältin Ricarda Böhme sah das ähnlich: Das Strafmaß sei zu mild, deshalb habe sie bereits Berufung eingelegt. Denn Böhme hatte für die Angeklagten eine Bewährungsstrafe von zehn Monaten gefordert. "Wir gehen davon aus, dass die Angeklagten total versagt haben. Und zwar haben sie Monate zuvor eine Klassenreise organisiert und haben es nicht hinbekommen, den Badeausflug derart zu organisieren, dass Kinder eben nicht an ihrer Gesundheit oder Leben gefährdet werden", so Böhme gegenüber dem rbb.

Ihrer Einschätzung nach hatten die Lehrer- und Erzieherinnen keinen Überblick darüber, wie viele Kinder ihrer Gruppe sich unter die fast hundert anderen Badegäste im Nichtschwimmerbereich gemischt haben. Es habe kein ordentliches Konzept gegeben, wie die Kinder zu beaufsichtigen gewesen seien. Deshalb sei es auch niemandem aufgefallen, dass Elif unter Wasser trieb. Das Verhalten der Betreuer, so Böhme, sei grob fahrlässig gewesen.

Fünf Minuten unter Wasser

Die siebenjährige Grundschülerin aus Berlin-Neukölln war am 6. Juni 2016 leblos aus dem Wasser gezogen worden und starb noch am selben Abend im Krankenhaus. Laut Aussage eines Gerichtsmediziners im Mai sei die Schülerin mehr als fünf Minuten unter Wasser gewesen.

Sendung: Antenne Brandenburg, 28.09.2021, 14:40 Uhr

2 Kommentare

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  1. 2.

    Der Tod des Mädchens ist tragisch, keine Frage. Solch einen Verlust will niemand erleiden. Der Artikel lässt aber andererseits zu viel im Unklaren darüber, was die Betreuer in diesem Fall konkret versäumt haben, was sie hätten anders machen müssen, um das Unglück zu verhindern. Die Kinder waren schließlich im Nichtschwimmerbereich, wo man erstmal davon ausgehen kann, dass nach normalem menschlichen Ermessen nichts Schlimmes passieren sollte. Dass die Gruppe dort nicht allein sondern unter weiteren Badegästen war, ist unvermeidbar. Dass das Ertrinken nicht bemerkt wurde, ist leider auch nicht ungewöhnlich, denn Kinder ertrinken leise. In der Konsequenz kann das eigentlich nur noch bedeuten: Badeausflüge sind nicht mehr möglich, sofern es sich nicht um eine extra dafür gemietete Schwimmhalle mit Rettungsschwimmeraufsicht handelt. Die Höhe der Strafe ist eigentlich egal, diese Erzieher werden ohnehin selbst nicht mehr ihres Lebens froh, dass das Kind unter ihrer Aufsicht ums Leben kam.

  2. 1.

    Was ist nur in Brandenburg los? Während Tesla Alles vorab ohne Genehmigung machen darf und offenbar Narrenfreiheit genießt, müssen die Angehörigen des Kindes ungaßbare 5 Jahre auf ein Urteil warten. Da scheint bei den Gerichten eine gewisse Teilnahmslosigkeit zu herrschen.

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