Neue Migrationsroute - Freiwillige versorgen Flüchtlinge an polnisch-belarussischer Grenze mit Hilfsgütern

Fr 22.10.21 | 17:03 Uhr | Von Mit Material von Magdalena Dercz
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An der Grenze zwischen Polen und Belarus kampieren Geflüchtete. (Quelle: rbb)
Video: Brandenburg Aktuell| 21.10.2021 | Magdalena Dercz | Bild: rbb

Die Zahl der illegalen Einreisen nach Deutschland über Belarus steigt weiter an. Zuvor müssen die Flüchtlinge allerdings die Grenze zwischen Belarus und Polen überqueren. Teilweise kampieren sie in Wäldern - Freiwillige versuchen sie mit dem Nötigsten zu versorgen.

Täglich versuchen Flüchtlinge die polnisch – belarussische Grenze zu überqueren. Am Dienstag waren es 424, die der polnische Grenzschutz festgehalten hat. Andere schaffen es rein nach Polen.

Die Freiwillige Helferin Agnieszka Chyrc aus Zielona Gora sagt, dass sich viele Flüchtlinge in den Wäldern versteckten. "Sie verstecken sich in den Wäldern, haben Angst da rauszukommen, um nicht nach Belarus zurückgeschickt werden", erzählt sie. Polnische Ärzte und NGO Aktivisten müssten fast schon Untergrundarbeit leisten, um mit ihrer Hilfe an die Migranten zu kommen, so Chyrc. "Die Helfer nutzen sogar Nachtsichtgeräte um Menschen, die sich in den Wäldern verstecken, aufzufinden und so Hilfsgüter liefern zu können."

Hilfs-Rücksäcke und grüne Willkommenssignale

Auch die Lokalbevölkerung unterstützte sie dabei. Manche setzten ein Lichtzeichen an die Geflüchteten, so Chyrc. Wenn in einem Haus grünes Licht leuchte, bedeute dies, dass der Flüchtling in diesem Haus Zuflucht, warmes Essen und Kleidung bekomme.

In Zielona Gora werden von der Caritas Lkws mit Kleidung und Hygieneartikeln vollgeladen und an Polens Ostgrenze gefahren. Sylwia Grzyb koordiniert die Aktion. Sie sagt, dass sie Bewohner mit Rucksäcken ausgestattet hätten mit Erste-Hilfe-Artikeln, warmen Klamotten und Essen. "Sollten sie zufällig einen Flüchtling treffen, sind sie bereit, sich sofort um den zu kümmern", so Grzyb gegenüber dem rbb.

In Westpolen, mehrere hundert Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt, fühle man sich auch verpflichtet, humanitäre Hilfe zu leisten, sagt die Marschallin der Woiwodschaft, Elzbieta Polak. Mit Spendenaktionen wollen sie Geld sammeln, die sie den Gemeinden an der Ostgrenze Polens übergeben. Dies diene dann zur Unterstützung der Flüchtlinge. In den Wäldern wird es immer kälter. Die Hilfsaktionen müssen an Tempo gewinnen – appellieren freiwillige Helfer und Hilfsorganisationen landesweit.

Flüchtlingslager in Polen von Außen.Flüchtlingsheim in der Woiwodschaft Lebus in Polen.

Grenzschutz verhaftet regelmäßig Schleuser

In der Woiwodschaft Lebus leben in den vom Grenzschutz streng überwachten Heimen fast 500 Menschen. Antrag auf Asyl in Polen haben 200 gestellt. Die anderen wollen weiter Richtung Westen. Major Joanna Konieczniak vom Lebuser Grenzschutz sagt auf Anfrage des rbb, dass sie in diesem Monat mehrere Personen, die versuchten die Migranten als Schleuser nach Deutschland zu bringen, festgenommen haben. Sie seien laut Konieczniak georgischer, syrischer, irakischer und ukrainischer Herkunft gewesen.

"Die EU muss sich mit dem Problem befassen"

Die Marschallin der Woiwodschaft Lebus Elzbieta Polak plädiert für eine bessere Zusammenarbeit des deutschen und des polnischen Grenzschutzes. "Unsere Regierungen müssen zusammenarbeiten und ein gemeinsames Vorgehen erarbeiten", sagt sie auf Anfrage des rbb. "Die EU muss sich mit dem Problem befassen und die europäische Grenzschutzagentur Frontex sollte miteinbezogen werden." Verschärfte Grenzkontrollen lehnt sie ab - diese hätten katastrophale Folgen für das Zusammenleben in der Grenzregion. Aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Verflechtungen solle diese Maßnahme nicht in Betracht gezogen werden, so die Marschallin.

Die Situation an der Grenze soll noch diese Woche beim Treffen des polnischen Premierministers und der deutschen Kanzlerin am Rande des EU-Gipfels Thema werden.

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, Studio Frankfurt (Oder), 22.10.2021, 16:10

Beitrag von Mit Material von Magdalena Dercz

36 Kommentare

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  1. 36.

    Habe ich eben erst gelesen. Volle Zustimmung. Mit dem fordern sind einige schnell dabei, aber die Konsequenzen will man nicht wahr haben.

  2. 34.

    Zitat von Frank| BB um 23:57 Uhr:

    "[...] wer nie gearbeitet hat und sein Geld vom Sozialamt bekommt denkt so. Dem Rest läuft ein Schauer über den Rücken. [...]"

    Ich gehöre zu dem besagten Rest, vertrete aber nicht Franks Ansicht. In sofern hat er auch versucht für mich zu sprechen. Und das ist ziemlich anmaßend. In Ihrer Antwort unterstellen Sie mir dann tatsächlich, ich würde nicht arbeiten und hätte das auch nie getan. Damit haben Sie die selbe populistische Ebene erreicht wie Frank. Dann sind Sie beleidigend geworden und haben behauptet, ich gehöre in die Steinzeit. Ein Verhalten, das mir von kognitive unbewaffneten Menschen nicht unbekannt ist. Insgesamt sind Sie wunderbar repräsentativ für das Diskussionsverhalten von Rechtspopulisten, Neonazis und deren Wählern.

    Ihr Nickname-Diebstahl ist übrigens ebenfalls so dreist wie einfallslos...

  3. 33.

    Hier kommen mit den Flugzeug angereiste, keine Flüchtlinge. Herr Lukaschenko soll sich um die Gerufenen kümmern.

    P.S. Geld muss erarbeitet werden und nicht nur gedruckt, was ja leider geschehen ist und jetzt ist die Inflation da.

  4. 32.

    "Bei Ihrem Kommentar läuft es mir kalt über den Rücken."
    Das sollte es auch, denn das was er schreibt hat Hand und Fuß und ist ein Blick in unsere Zukunft.

    "...mit Ihrer populistischen Aussage für alle Arbeitnehmer zu sprechen.."
    Seine Aussagen sind weder populistisch noch hat er für alle Arbeitnehmer gesprochen. Er sprach von "Leuten, die der Meinung sind, dass man Geld nur drucken muss, wenn man welches braucht. Wer nie gearbeitet hat und sein Geld vom Sozialamt bekommt denkt so.", also von Leuten wie sie.

    "....da hauptursächlich die Industrienationen den durch Menschen verursachten Klimawandel zu verantworten haben...."
    dann sollten sie sich in die Steinzeit begeben wo sie hingehören und nehmen sie Sarah-Lee mit.

    "Ihr Versuch, unter anderem für mich zu sprechen, ist äußerst anmaßend und zudem gescheitert."
    Ich glaube nicht, dass sie irgendeinen Zeitgenossen finden, der für sie spricht. Aber er hat für mich gesprochen.

  5. 31.

    Inzwischen hat das polnische Parlament einschneidende Veränderungen beschlossen, Die Gesetzesänderung sieht vor, dass an der Grenze aufgegriffene, illegal eingereiste Migranten Polen verlassen müssen. Zudem kann gegen sie ein vorübergehendes Einreiseverbot für einen Zeitraum von »sechs Monaten bis drei Jahren« verhängt werden. Es wird auf der gesamten Länge der Grenze zu Weißrussland eine feste Grenzanlage gebaut. Außerdem ermöglicht die Neuerung es den polnischen Behörden, einen nach einem illegalen Grenzübertritt gestellten Asylantrag »ungeprüft« zu lassen, wenn der Asylsuchende nicht direkt aus einem Gebiet eingereist ist, in dem sein Leben und seine Freiheit bedroht sind.
    Letzteres lese ich so, dass für Ausländer, die über Weißrußland illegal nach Polen kamen, der Asylantrag nicht bearbeitet wird.

  6. 30.

    Bei Ihrem Kommentar läuft es mir kalt über den Rücken. Wieso erdreisten Sie sich, mit Ihrer populistischen Aussage für alle Arbeitnehmer zu sprechen? Sie ignorieren außerdem, dass sich nicht alle Fluchtursachen (Stichwort: Klimawandel) eben nicht vor Ort lösen lassen, da hauptursächlich die Industrienationen den durch Menschen verursachten Klimawandel zu verantworten haben. Ihr Versuch, unter anderem für mich zu sprechen, ist äußerst anmaßend und zudem gescheitert. Also danke für nichts.

  7. 29.

    Denkt man nicht an die Kinder die der Kälte und Hunger ausgesetzt sind
    Kaltherzig und gefühllos das ist Menschenverachtung?
    Sagen Sie das mal den Eltern, die mit Baby, Kinder Flüchten. Egal ob über Wasser oder Landweg. Hauptsache nach Deutschland kommen...

  8. 28.

    Es ist die Politik der NATO, die sich ändern müsste. Das Elend der Flüchtlinge ist auch vom Westen verursacht worden. Fragt doch mal die Rüstungsindustrie nach Hilfsgeldern.

  9. 27.

    NEIN. Er darf in Polen einen Antrag stellen, dass wollen die aber nicht. Sie wollen nach Deutschland, zumindest alle die bisher im tv interviewt wurden.

  10. 26.

    Das sehe ich ganz genauso. Was soll Frontex bewirken?

    Sie könnten bei der Registrierung helfen, damit die Staus sich entkrampfen und es schneller geht, bis alle in Deutschland angekommen sind, wo sie hinwollen. Sie würden den jetzt schon bestehenden Sog dadurch vergrößern. Sie würden auf keinen Fall die Durchlässigkeit der polnischen Grenze zu  Weißrussland verringern. Das haben sie im Mittelmeer auch nicht getan/geschafft. Italien und Griechenland stöhnen und in Frankreich formiert sich Widerstand.

    Es gibt im mittleren und nahen Osten sowie in Afrika viele Millionen potentieller Flüchtlinge. Alles  "politisch Verfolgte" nach Ansicht von Leuten, die der Meinung sind, dass man Geld nur drucken muss, wenn man welches braucht. Wer nie gearbeitet hat und sein Geld vom Sozialamt bekommt denkt so. Dem Rest läuft ein Schauer über den Rücken. Es sind aber Klima-/Wirtschaftsflüchtlinge. Man muss die Fluchtursachen bekämpfen und zwar vor Ort, wo ihre Heimat ist.

  11. 25.

    Wer an der Grenze der EU ein Asylgesuch stellt, dem ist nach europäischem Recht und der Genfer Flüchtlingskonvention der Zugang zum Territorium der EU und einem entsprechendem Verfahren zu ermöglichen. Illegal ist das Handeln der polnischen Behörden, Polizei und Grenzschützer, die dennoch die Einreise verweigern. Illegal ist das Handeln der polnischen Behörden, Polizei und Grenzschützer, die sogar humanitäre und medizinische Hilfe verweigern und es im Namen des polnischen Nationalismus drauf ankommen lassen, das Menschen an dieser Grenze sterben müssen.

  12. 24.

    Im ersten Satz steht "Die Zahl der illegalen Einreisen nach Deutschland über Belarus steigt weiter an."
    Illegal ist illegal, ohne jeden Rechtsanspruch. Wer das umgekehrt hat ein Verfahren wegen Rechtsbeugung am Hals.

  13. 23.

    Das ist doch schonmal ein wichtiger und richiger Schritt in Anerkennung der Regelung über sichere Drittstaaten. Denn genau die "Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten" dürfte nur in wenigsten Herkunftsländern "sichergestellt" sein.

  14. 22.

    Lesen sie sich erstmal den Beitrag durch.
    Mehr darf man hier heute nicht mehr schreiben, obwohl der Netiquette entsprechend.


  15. 21.

    "Gekostet" hat in Afgh. der Irrglaube, mit Militäreinsätzen von außen , gesellschaftliche Umwandlung , im Sinne einer westlichen Demokratie zu erreichen.
    Wenn was wandeln, denn die dorte Beteiligten selber!
    Und, es muss nicht unbedingt unseren Vorstellungen entsprechen !
    Wir haben mit uns selber genug zu tun !

  16. 20.

    Die sind aufzunehmen, zu prüfen, ob sie einen Asylantrag stellen wollen und dann nach den geltenden gesetzlichen Bestimmungen zu handeln. Bei uns gilt GG 16a, dafür bin ich. Aber eben auch "nur" dafür.

  17. 18.

    " wenn Flüchtlinge nicht erwünscht sind sollte man das vorher regeln damit es nicht zu solchen Dramen kommt "

    und wie sollte das geschehen mit den Migranten, die im Mittelmeer aus Schlauchbooten aufgenommen wurden ??

  18. 17.

    Noch besser wäre, sie blieben in ihrer Heimat und beseitigen die Fluchtursachen selber, ohne Einmischung der verschiedensten Interessengruppen von außen.
    So läuft eigentlich gesellschaftliche Entwicklung, denke ich.
    das ist sicher der schwerste, opferreichste, aber nachhaltige und erfolgreiche Weg.
    Meine Meinung.

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