Geflüchtete aus Belarus - Wie die aktuelle Situation an den Grenzen in Polen wahrgenommen wird

Mi 27.10.21 | 16:42 Uhr | Von Jakub Paczkowski
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Eisenhüttenstadt: Flüchtlinge stehen vor einem Zelt in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber
Audio: Antenne Brandenburg | 27.10.2021 | Jakub Paczkowski | Bild: dpa

Die Zahl der Menschen, die von Belarus über Polen fliehen, steigt rasant. Am Dienstag hat die polnische Regierung härtere Maßnahmen gegen illegale Geflüchtete beschlossen. Das strenge Vorgehen der Regierung stößt medial auf Kritik. Von Jakub Paczkowski

Jakub Dreczka ist Reporter bei TVN, einem regierungskritischen Fernsehsender aus Warschau. Mit seinem Team besucht er die Erstaufnahmestelle in Eisenhüttenstadt (Oder-Spree). Er sagt, dass die Geflüchteten in den polnischen Medien unterschiedlich wahrgenommen werden: "Es gibt Medien, die positiv eingestellt sind. Sie schauen mit Sorge auf das Geschehen. Sie berichten über das, was an der polnisch-belarussischen Grenze passiert."

Außerdem gebe es Freiwillige, die den Geflüchteten helfen wollen und sie mit Decken, Essen und Wasser versorgen. Aber es gebe eben auch Medien, die in ihren Berichten Angst schüren und die Migrant:innen als Bedrohung darstellen.

"Auf der globalen, politischen Ebene haben wir Angst"

Am Dienstag hat die polnische Regierung neue, strengere Regeln zum unerlaubten Grenzübertritt erlassen. Auch eine Mauer an der Grenze zu Polen soll errichtet werden. Aktuelle Umfragen zeigen, dass die polnische Gesellschaft mehrheitlich für die verstärkte Sicherung der Grenze zu Belarus und eine Begrenzung der Migration ist.

Gleichzeitig ist aber auch die Hilfsbereitschaft der Bevölkerung und der katholischen Kirche groß. Jakub Dreczka erklärt sich diese Diskrepanz so: "Auf der globalen, politischen Ebene haben wir Angst. Aber auf der individuellen Ebene haben wir sehr viel Empathie für die Geflüchteten übrig. Wir haben es schließlich vor einigen Jahrzehnten selbst erlebt."

Ausnahmezustand in Grenzregion

An der belarussischen Grenze hat die polnische Regierung den Ausnahmezustand verhängt. Demnach dürfen sich nur Anwohner:innen näher als drei Kilometer der Grenze nähern. Alle anderen dürfen die "Sperrzone" nicht betreten. Wer dagegen verstößt, muss mit Verhaftungen und Anzeigen rechnen. Auch polnischen sowie ausländischen Medien ist der Zutritt verboten. Trotzdem unternehmen Journalist:innen immer wieder Versuche, von dort zu berichten. Einschüchterungsversuche durch den Grenzschutz und die Polizei sind an der Tagesordnung.

Der Kameramann Tomek Mielcarz war kürzlich im Grenzgebiet - außerhalb der Sperrzone - und beschreibt seinen Besuch als bedrückend: "Es war traurig. Menschen, die allein im Wald gelassen wurden. Bei diesem Wetter, bei Frost, im Regen. Diese Menschen müssen dort allein klarkommen."

 

Sendung: Antenne Brandenburg, 27.10.2021, 15.10 Uhr

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Beitrag von Jakub Paczkowski

21 Kommentare

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  1. 21.

    Bitte sprechen Sie nicht im Namen aller Polen, Sie haben so gar keine Ahnung, was Menschen dort erleben müssen und wie Minderheiten dem Hass ausgesetzt werden, auch durch die katholische Kirche. Denken Sie an die Justizreform, das Abtreibungsverbot, den Hass auf Homosexuelle. Da hilft auch kein Kindergeld, welches die Gemüter besänftigen soll, nationalistisches Denken, Frau ins Heim und an den Herd. Der Pole und die Polin sind nicht zufrieden. Die Hälfte der Polen wünscht die Absetzung der alten Bischöfe, was meinen Sie, warum das so ist?

  2. 20.

    DDR-Bürger galten als deutsche Staatsbürger. Sie genossen a priori legales Aufenthaltsrecht in der BRD und waren nach bundesdeutschem Recht deutsche Staatsbürger. Es ging nur darum, ob man sie rauslässt, nicht ob man sie in die BRD reinlässt. Dazu waren sie jederzeit berechtigt.

  3. 19.

    Nein, ich meine wohlmeinende Menschen. Hab ich doch so geschrieben. Und das hat nichts mit Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht oder Sonstigem zu tun.

  4. 18.

    ob pro oder contra : die Kommentare sind eigentlich nutzlos, so lange die Regierung an ihrer Migrations"politik" festhält

  5. 17.

    wohl Neu - wa? Es handelt sich um Menschen mit dem ganz natürlichen Anspruch der gesamten Menschheit, menschlich behandelt zu werden.

  6. 15.

    Und das ist der Grund, warum hier einige so laut krähen.
    Mann sollte misstrauisch werden, wenn einige kritiklos den Zuzug fordern.Viele leben von den Flüchtlingen. Ob als billige Arbeitskraft, willkommene Mandanten oder durch die Vermietung von Unterkünften. Ich habe im Raum Potsdam Bekannte. In ihrer Gemeinde gibt es ein Hotel, dass 2015 Insolvenz anmelden wollte und seitdem einen guten Vertrag hat. Soll man dazu noch was sagen?

  7. 14.

    "Die Polen sind mehrheitlich konservativ und katholisch, durchaus hilfsbereit, aber nicht bis zur Selbstaufgabe und auch nur gegenüber wohlmeinenden Menschen. "

    Sie meinen Menschen gleicher Hautfarbe und Religion.

  8. 13.

    So? Die Begündung warum bleiben sie uns natürlich schuldig. Das passt wahrscheinlich nicht in ihr völkisch-nationales Weltbild aber der DDR Flüchtlingen hat man sehr unbürokratisch geholfen, unter Auslassung des normalen Dienstweges.

    Ich bekomme noch heute eine Gänsehaut wenn ich Genscher vom Balkon der Prager Botschaft höre.

    Man hat halt nicht so unmenschlich wie sie reagiert.

    Genau wie die Ungarn, die hätten die DDR Bürger auch zurückschicken und verlangen können in der DDR einen Ausreiseantrag zu stellen.

  9. 12.

    So? Die Begündung warum bleiben sie uns natürlich schuldig. Das passt wahrscheinlich nicht in ihr völkisch-nationales Weltbild aber der DDR Flüchtlingen hat man sehr unbürokratisch geholfen, unter Auslassung des normalen Dienstweges.

    Ich bekomme noch heute eine Gänsehaut wenn ich Genscher vom Balkon der Prager Botschaft höre.

    Man hat halt menschlich reagiert und nicht so wie sie.

  10. 10.

    Ja, völlig richtig. Und Menschen müssen sich an Regeln und Gesetze halten. Illegale Grenzübertritte sind das nicht. Schleusungen nach Deutschland sind auch gesetzeswidrig. Auch ein Recht auf die freie Wahl eines Ziellandes gibt es nicht. Wenn wir das nicht mehr beachten haben wir verloren.

  11. 9.

    Sie vergleichen nicht Äpfel mit Birnen, sondern Kirschen mit Kürbissen.

  12. 8.

    Was passiert denn in Polen? Die meisten Polen sind mit der Politik ihrer Regierung recht zufrieden. Es ist ja auch eine gewählte Regierung. Die Justizreform gefällt mir zwar auch nicht, aber mir fallen kaum weitere Kritikpunkte ein, so wie einer Mehrheit der Polen. Die Polen sind mehrheitlich konservativ und katholisch, durchaus hilfsbereit, aber nicht bis zur Selbstaufgabe und auch nur gegenüber wohlmeinenden Menschen. Polen hat z.B. eine sehr große Zahl ukrainischer Flüchtlinge aufgenommen. Das thematisiert man aber bei uns nicht so gerne, weil wir die Fluchtgründe mitverursacht haben.

  13. 7.

    Menschen müssen wie Menschen behandelt werden. Egal wo und egal warum sie hier sind. Wenn uns das verloren geht, haben wir verloren.

  14. 6.

    Der Ehrlichkeit halber muss man aber auch zugeben, dass sich die Migranten sehr bewusst in diese Situation begeben und wenn die EU nachgibt, werden es viele mehr dem gleich tun. Was dort gerade läuft, ist eine moralische Erpressung, die die EU nicht gewinnen kann. Die Migranten können nicht direkt mit dem Tode bedroht bedroht sein, sonst hätten sie keine Visa und hätten es im Heimatland nicht in ein Flugzeug geschafft. Auch in Weißrussland sind sie nicht direkt bedroht sondern werden "nur" als Verhandlungsmasse missbraucht. Wenn die Erpressung nicht funktioniert, wird Lukaschenko sie schnellstens wieder außer Landes bringen lassen, er will sie ja auch nicht haben.
    Dass die EU sich momentan trotz der schlimmen Situation für die Migranten so zurück hält, ist dass man Angst vor einer Wiederholung von 2015 hat. Die meisten Mitgliedsstaaten werden das in der Form nicht noch einmal akzeptieren. Hier treffen Moral und Realpolitik hart aufeinander.

  15. 5.

    "Als "Halbpole", wenn ich das mal so sagen darf. wollen die meisten Polen, von denen ja auch etliche in Berlin und in Westdeutchen Städten unterwegs sind, nicht die dort beobachten Zustände. "

    Was für ein rechtspopulistischer Quatsch! Wirtschaftsflüchtlinge, die aus ihrem Land gedlüchtet sind stellen sich also gegen "echte" Flüchtende?

    An Polen kann man sehen was passiert wenn ein völkisch-nationalistische und rechtspopulistische "Partei" das Sagen hat.

  16. 4.

    Man muß kein Wähler der rechtsextremen AfD sein um gegen Menschenrechte zu sein. Es gibt ja auch noch die NPD.

    Hätten wir damals mit den DDR Flüchtlingen in Prag und Ungarn auch so menschenverachtend umgehen sollen?

  17. 3.

    Als "Halbpole", wenn ich das mal so sagen darf. wollen die meisten Polen, von denen ja auch etliche in Berlin und in Westdeutchen Städten unterwegs sind, nicht die dort beobachten Zustände. Der Konfrontationskurs Brüssels gegen Warschau hat dabei offenbar negativen Einfluss auf die EU-freundliche „Bürgerkoalition“. Das Oppositionsbündnis, dem auch die Bürgerplattform von Donald Tusk angehört, hat nach einer aktuellen Umfrage von United Surveys im Zeitraum vom 8. zum 22. Oktober drei Prozentpunkte verloren. Die Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ verbesserte sich um einen Prozentpunkt.

  18. 2.

    Polen sollte finanzielle Unterstützung für den Bau einer Mauer erhalten. Sie haben wenigstens den Mut etwas zu unternehmen und schauen nicht nur zu!
    Und nein, ich bin kein AfD Wähler!

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