Eröffnung frühestens Mitte 2022 - Neues Schiffshebewerk in Niederfinow befindet sich im Dauertest

Schiffshebewerk in Niederfinow
Audio Antenne Brandenburg | 05.10.20 | Michael Lietz | Bild: rbb

Kaum zu glauben, aber wahr: Der Neubau des Schiffshebewerks Niederfinow ist auf der Zielgeraden. Nach jahrelanger Verzögerung befindet sich der Koloss im Probebetrieb. Doch erst wenn alles wie am Schnürchen läuft, soll eingeweiht werden.

Sieben Jahre nach der angepeilten Inbetriebnahme des neuen Schiffshebewerks in Niederfinow (Barnim) konnte nun der Probebetrieb starten.

Täglich mehrmals hebt sich nun der Trog, in dem Binnenschiffe das Gefälle am Oder-Havel-Kanal überwinden. 9.850 Tonnen Stahl und Wasser müssen dafür in die Höhe gehievt und später wieder heruntergelassen werden. Über 13 Jahre nach der Grundsteinlegung können die Erbauer nun sagen, der neue Schiffsfahrstuhl funktioniert.

Wasserwanne des Schiffshebewerks in Niederfinow
Blick in den neuen Transporttrog. | Bild: rbb

Fehlersuche im Fokus des Probebetriebs

Doch vorerst befindet sich das neue Hebewerk im Dauertest, bis auch das letzte Bauteil ruckelfrei läuft und die Sensorik millimetergenau eingestellt ist. "Die Fehlersuche, die man jetzt macht und die Probleme, die man jetzt beheben kann, ersparen uns hinterher jede Menge Ärger, wenn das Hebewerk schon in Betrieb ist", erklärt Raphael Probiesch vom Berliner Wasserstraßen-Neubauamt (WNA).

"Deswegen lassen wir den Probebetrieb lieber ein paar Monate länger laufen, dass wir ganz sicher wissen, dass die Anlage zuverlässig läuft", ergänzte Probiesch. Das sei ihm ganz wichtig. Insgesamt erklärte as WNA die Verzögerungen am neuen Hebewerk mit Ausführungsproblemen, Nachunternehmerinsolvenzen und auch Fachkräftemangel.

Normalbetrieb künftig nur mit einem Mitarbeiter

Gesteuert wird das neue Schiffshebewerk von ganz oben. Der Bedienstand liegt fast 50 Meter über dem Erdboden. Um alles am Laufen zu halten, wird im Normalbetrieb künftig nur noch ein Mitarbeiter benötigt. Sämtliche Steuerungsprozesse laufen automatisch, wenn es alles reibungslos funktioniert.

Und der Probebetrieb hat schon jetzt ein paar Ecken und Kanten zutage gefördert: Aktuell dauere es zu lange, bis Kanal und Trog miteinander verbunden sind. "Da ist ein Relais ausgefallen. Das kann am Anfang schon passieren. Dann muss es einfach schnell ausgetauscht werden", sagt Probiesch. Dass dieser Fehler so schnell gefunden wurde, sei auch Glückssache. So bekomme man das Werk zügiger flott, auch weil die Kollegen vor Ort alles so hinterher seien, betonte der Aufsichtsingenieur.

Schiffshebewerk in NiederfinowBlick aus 36 Meter Höhe nach unten.

Kostenexplosion auf rund 500 Millionen Euro befürchtet

Das Schiffshebewerk verbindet den Ostseehafen in Stettin mit der Berliner Hauptstadtregion. Der Neubau ist erforderlich geworden, weil das alte Hebewerk aus dem Jahr 1934 zu klein ist für moderne Küstenmotor- und Containerschiffe. Im neuen Trog können Binnenschiffe mit einer Gesamtlänge von 110 Metern transportiert werden. In den alten Schiffsfahrstuhl passten nur Schiffe mit einer Gesamtlänge von bis zu 82 Metern.

Es überwindet ein Gefälle von 36 Metern. Seit 2008 wird in Niederfinow bereits gebaut. Ursprünglicher Fertigstellungstermin sollte im Jahr 2014 liegen. Doch daraus wurde nichts. Und auch die Kosten schnellten mit der Zeit von rund 300 Millionen auf möglicherweise eine halbe Milliarde Euro in die Höhe.

Für Aufsichtsingenieur Klaus Winter ist Niederfinow die zeitlich bislang längste Baustelle in seiner Karriere. Er arbeitet bereits seit der Grundsteinlegung hier. Nun also geht "seine Maschine" samt Trog endlich in den Probebetrieb. "Man ist auf der einen Seite ganz doll stolz, dass man dabei sein durfte. Es sind nicht nur die 13 Jahre Bauzeit, sondern davor wurde ja auch schon lange geplant. Zum anderen war ich auch sehr aufgeregt, ob alles auch so klappt, wie man sich das vorgestellt hat", so Winter weiter.

Altes Werk soll noch einige Zeit betriebsbereit gehalten werden

Mehrere hundert Mal muss der Schiffstrog nun störungsfrei hoch- und runterfahren. Erst wenn das sichergestellt ist, soll das neue Schiffshebewerk offiziell in den Dienst gestellt werden, hieß es. Das alte Werk soll den Angaben zufolge so lange betriebsbereit gehalten werden, bis die Gewährleistungszeit des Neuen abgelaufen ist. Diese Frist umfasst insgesamt fünf Jahre. Wie es jetzt heißt, soll im dritten Quartal 2022 das neue Werk in Niederfinow eingeweiht werden.

Sendung: Brandenburg Aktuell, 05.10.2021, 19:30 Uhr

7 Kommentare

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  1. 7.

    >"Man bedenke; damals war kein weiteres Werk für alle Fälle vorhanden."
    Doch schon: Das Schiffshebewerk Magdeburg Rothensee. Aus der selben technischen Generation wie das Schiffshebewerk Niederfinow.

  2. 6.

    Das mit der Troglänge von 110 Metern finde ich schon alleine eine Fehlkonstruktion. Auf dem Oder-Havel-Kanal fahren überwiegend die Polen mit Schubschiff Bizon (Länge 21,15 Metern) und bis zu 3 Schubprahmen von je mindestens 32 Metern. Da passen nicht alle zusammen rein (117 Meter). Selbst mit den aus der DDR stammenden KSS 24 geht das nicht (Länge 16,5 Meter) mit dann insgesamt 112,5 Metern. Lediglich das ältere aus der DDR stammende KSS 23 (14 Meter) würde dann – aber ganz knapp – komplett reinpassen. @rbb24: Vielleicht sollte man das noch einmal recherchieren?

  3. 5.

    Würde ich auch gerne Wissen, die paar polnischen Schubverbände die auf dem HOK Unterwegs sind ist ja wirklich Traurig. Zumal der Kanal ja Ordentlich Ausgebaut wurde/wird.

  4. 4.

    Darf man fragen ob sich das überhaupt lohnt? Wurde dort in letzter Zeit noch wirklich was auf der Wasserstraße transportiert oder verbessert sich das eventuell demnächst mit dem neuen Hebewerk?

    Hier an der Elbe ist das mit der Binnenschifffahrt nur noch ein sinnloses Trauerspiel.

  5. 3.

    Mich begeistert das alte Hebewerk ebenfalls. Schon ab dem 1.- Besuch während der Grundschulzeit. Man bedenke; damals war kein weiteres Werk für alle Fälle vorhanden. Made in Germany; darauf war damals Verlass.

  6. 2.

    Sorry ob da jetzt weniger Besucher kommen oder nicht ist das geringste Problem. Fakt ist man benötigt ein leistungsfähiges Hebewerk. Es ist echt nervig und zeitaufwendig jedes Mal den Schubverband zu trennen und einzeln abzufertigen. Das alte wird sich aufgrund der Kosten und Auflagen nicht parallel betreiben lassen.

  7. 1.

    Da es gerade das charmante wie geniale Industriedenkmal des alten Schiffshebewerks ist, das jährlich Scharen von Besuchern anzieht (und nicht etwa der hässliche Betonklotz daneben!), wäre es sehr unklug, dieses nicht mehr weiter zu betreiben. Die normale Schiffahrt kann ja über das neue abgeregelt werden - für die Touristen sollte das alte in Betrieb beliben. Das müsste doch problemlos machbar sein, zumal erst kürzlich die Stahltaue am alten Schiffshebewerk erneutert wurden.

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