Angermünde (Uckermark) - Raumstipendien sollen leerstehende Häuser füllen

Do 25.11.21 | 13:07 Uhr | Von Riccardo Wittig
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Die ehemalige Kommandantur des Brandenburger Infanterie-Regimentes in der Schwedter Straße in Angermünde.
rbb / Riccardo Wittig
Audio: Antenne Brandenburg | 25.11.2021 | Autor: Riccardo Wittig | Bild: rbb / Riccardo Wittig

In Angermünde ist ein besonderes Projekt gestartet, um eine leerstehende Villa zu beleben. Mit der Vergabe von Raumstipendien sollen neue Nutzer gefunden werden. Das Experiment dient als Vorlage für weitere ungenutzte Objekte in Kommunen und auf dem Land. Von Riccardo Wittig

Wer ganz genau hinschaut, der sieht den Putz der zweigeschossigen Villa bröckeln. Seit Jahren steht das Gebäude leer. Doch ganz verwaist ist die ehemalige Kommandantur des Brandenburger Infanterie Regimentes in der Schwedter Straße in Angermünde (Uckermark) nicht. Studierende der Eberswalder Hochschule für nachhaltige Entwicklung beleben immer wieder einige Räume. Dozent Jan Lindenberg führt mit seinen Studierenden dort Praxis-Seminare durch.

Raus aus dem Hörsaal, rein in die Praxis - seit 2019 nutzen Studentinnen und Studenten die Räume als Reallabor für ihre wissenschaftliche Arbeit. Dabei untersuchten sie, welche Nutzungsmöglichkeiten für dieses Haus bestehen. "Es war früher mal eine Kindertagesstätte, und es war noch früher in militärischer Nutzung. Wir versuchen jetzt Kreativität reinzubringen", sagt Jan Lindenberg und sieht für das alte Haus eine blühende Zukunft.

Experiment soll Impulse setzen

Eigentümerin des Hauses ist die Stadt Angermünde und sie will das Gebäude nicht verkaufen, obwohl es genug Interessenten gibt. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung, die Kommune und das Kreativbüro "Stadt-Land-Oder" wagen sich gemeinsam an die außergewöhnliche Idee. "Wir erhoffen uns mit diesem Experiment Impulse, wie wir zukünftig mit Leerstand umgehen können", sagt Christin Neujahr aus der Stadtverwaltung Angermünde. Für sie ist dieses Projekt eine neue Erfahrung. "Das sind Dinge, die tun wir nicht so oft."

Studenten der Eberswalder HNEE beleben einige Räume der alten Villa.Studierende der HNEE beleben einige Räume der alten Villa in Angermünde.

Nutzer finden mit Raumstipendien

Angebote für Senioren und Seniorinnen gibt es in Angermünde genug, was fehlt sind Angebote für junge Menschen und Platz für neue Ideen. So sollen hier in der Villa Selbständige, Gründer, Handwerker, Kunst- und Kulturschaffende Platz finden. 600 Quadratmeter Fläche stehen den zukünftigen Nutzern zu Verfügung. "Dieses Haus bietet so viel Raum und Möglichkeiten generationsübergreifend Menschen zu vernetzen, dass wir hier wirklich ein Kreativhaus der Zukunft schaffen können", sagt Nadine Binias, die Ideengeberin und Gründerin des Netzwerkes "Stadt-Land-Oder".

Raummiete drei Euro pro Quadratmeter

Damit sich die Räume ab Januar 2022 mit Leben füllen, wollen die Projektinitiatoren mit der Vergabe von Raumstipendien Nutzer finden. "Wir ermöglichen unterschiedlichen Menschen ihre Ideen zu verwirklichen. Sie können die einzelnen Räume allein nutzen, aber auch gemeinsam und sie zahlen nur die Nebenkosten", sagt Jan Lindenberg. Die Nebenkosten liegen bei drei Euro pro Quadratmeter im Monat. Bis kommenden Sonntag kann man sich in Angermünde online um ein Raumstipendium bemühen [hausmitzukunft.info].

Sendung: Antenne Brandenburg, Antenne am Nachmittag, 26.11.2021, 15:10 Uhr

Beitrag von Riccardo Wittig

4 Kommentare

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  1. 4.

    Es könnte auch ein Mutter-Kind-Heim werden oder ein Frauen/Männer-Haus.
    Wenn sich da schon Studierende einer Hochschule überlegen, was man daraus machen könnte, vielleicht fällt denen ja mal ein aus den oben genannten Beispielen ein Hilfsprojekt und Start-Up zu gründen.

  2. 3.

    Früher war das ein FDJ-Projekt und nannte sich Ausbau-Wohnung
    Das Wohnungspauorogramm kommt ja auch wieder.
    Ich finde es gut.

  3. 2.

    Das mit den leerstehenden Objekten war mal, ist auch schon abgegrasst.

  4. 1.

    "Wer ganz genau hinschaut, der sieht den Putz der zweigeschossigen Villa bröckeln. ". Ich sehe da noch mehr, was bröckelt. Eine tragfähige wirtschaftliche Idee ist für mich nicht erkennbar. Die Hauptkosten trägt die Kommune, wieviel steht leider nicht da.. So eine 600 Quadratmeter Villa zu unterhalten ist teuer. Irgendwann wird die Kommune die Immobilie abstoßen müssen, da den Kosten nicht entsprechende Erträge gegenüberstehen.

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