Geplante Preiserhöhung in Brandenburg - VBB lässt es auf Urabstimmungen zum Semesterticket ankommen

Sa 06.11.21 | 16:47 Uhr | Von Georg-Stefan Russew
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Archivbild: Studierende demonstrieren vor der VBB-Zentrale am Berliner Ostbahnhof. (Quelle: Camilo Toledo/rbb)
Bild: Camilo Toledo/rbb

Das Semesterticket in Brandenburg für Studierende steht möglicherweise vor dem Aus. Während der VBB auf einer Preiserhöhung besteht, wehren sich die Studierenden und stimmen über einen Ausstieg aus dem Ticket ab. Von Georg-Stefan Russew

Studierende verschiedener Hochschulen wollen in Urabstimmungen über den Verbleib im Semesterticket treten. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und das Brandenburger Infrastrukturministerium zeigen sich in der Auseinandersetzung um den Abschluss eines neuen Semestertickets allerdings unbeeindruckt.

Der VBB strebt eine Preiserhöhung beim Semesterticket an. Vertreter der Studierendenschaft hatten immer wieder darauf hingewiesen, dass die Hochschüler in der Corona-Krise finanziell gebeutelt waren und die Preiserhöhungen deshalb nicht mittragen könnten. Deshalb werde die Urabstimmung notwendig.

Bisherige Preise

Berliner Hochschulen/Unis

193,80 EUR (Tarif Berlin ABC)

Brandenburger Hochschulen/Unis

Uni Potsdam, Filmuni Babelsberg, FH Potsdam

188,16 Euro (VBB-Gesamtnetz)

Viadrina Frankfurt, HNE Eberswalde, BTU Cottbus-Senftenberg

170 Euro (VBB-Gesamtnetz)

(Quelle: IG SemTixBB)

VBB zeigt sich gelassen zu Urabstimmungen

Der VBB unterstrich gegenüber dem rbb noch einmal, nicht vom eingeschlagenen Kurs abweichen zu wollen. Bereits vor einem Jahr habe der Aufsichtsrat die Preise für das Semesterticket beschlossen, teile eine VBB-Sprecherin mit. Dass der Verbund zuletzt angekündigt hat, die allgemeinen Ticketpreise für 2022 nicht anheben zu wollen, stehe in keinem Zusammenhang mit dem Semsterticket.

Auch gegenüber den angekündigten Urabstimmungen zeigte sich der VBB unbeeindruckt. Dieses demokratische Mittel sei keine neue Entwicklung, so die Sprecherin. In der Vergangenheit hätten bereits viele staatliche Hochschulen eine Urabstimmung durchgeführt und sich letztlich für ein Semesterticket entschieden, teilte sie weiter mit.

Frankfurter Studierende stimmen kommende Woche ab

"Der VBB ist sich sehr sicher, dass wir den Vertrag mit den erhöhten Beiträgen so einfach unterschreiben", sagte Ira Helten, Chefin des Allgemeinen Studentenausschusses (Asta) der Europa-Universität Frankfurt (Oder). Das sei aus ihrer Sicht nicht abgemacht. "In der Urabstimmung vom 8. bis 12. November kann sich eine Mehrheit gegen die erhöhten Kosten aussprechen. Und das hätte harte Konsequenzen für den Wissenschaftsstandort Frankfurt", unterstrich sie.

Generell fühlten sich die Frankfurter Studierenden vom VBB massiv unter Druck gesetzt, sagte Helten. Denn bis Ende November verlange der eine Erklärung der Studierenden, ob sie den vorgelegten Vorschlag annehmen würden oder nicht.

Geplante Preise

Berliner Hochschulen/Unis

193,80 EUR (Tarif Berlin ABC)

Brandenburger Hochschulen/Unis

Ab dem SoSe 2022 soll der Preis in Potsdam auf 222 Euro steigen, ein Jahr später dann auf 243 Euro. Das entspräche einer Steigerung von rund 55 Euro.

In Cottbus, Frankfurt und Eberswalde soll der Preis ebenfalls schrittweise bis zum SoSe 2023 auf 245 Euro steigen, das entspricht einer Steigerung um 75 Euro.

(Quelle: IG SemTixBB)

Auch andere Brandenburger Hochschulen stehen in den Startlöchern

Nicht nur in Frankfurt soll es deshalb zur Urabstimmung kommen. "Auch an der Uni Potsdam ist dieser Schritt geplant. Weitere Hochschulen im Land sind im Vorbereitungsprozess", ergänzte Matthias Weingärtner, einer der Verhandlungsführer der Studierenden von der IG SemTixBB.

In diesem Kontext verwies Weingärtner auf Berlin. Dort hatte der alte Senat vor der Abgeordnetenhauswahl signalisiert, den Status Quo bei den Ticketpreisen für Berliner Studierende für 2022 beibehalten zu wollen. "Das wäre zumindest ein Ansatz auch in Brandenburg. Das bisher bremsende Infrastrukturministerium müsste sich einen Ruck geben", so Weingärtner weiter. Um diesen Prozess zu forcieren, planen die märkischen Studierenden für den 11. November eine Demonstration vor dem Ministeriumsgebäude.

Ministerium erklärt sich für nicht zuständig

Allerdings erklärte eine Ministeriumssprecherin, dass ihr Haus gar nicht zuständig sei. "Vertragspartner des solidarfinanzierten Semestertickets sind die Studierendenschaften der jeweiligen Hochschulen, die leistungserbringenden Verkehrsunternehmen und die VBB GmbH", so Simone Engler gegenüber rbb|24.

Das Infrastrukturministerium sei davon überzeugt, dass das Semesterticket nach wie vor "ein gutes und faires Angebot für die Brandenburger Studierende" ist. Bei erneutem Vertragsabschluss würden die Studierenden ab dem Sommersemester 2022 durchschnittlich 1,18 Euro pro Tag zahlen. Das würde im gesamten VBB-Gebiet mit allen Verkehrsmitteln gelten. "Andernfalls müssten die Studierenden ein teureres Ticket aus dem VBB-Tarifangebot erwerben", so Engler weiter.

Sendung: Antenne Brandenburg, 05.11.2021

Beitrag von Georg-Stefan Russew

22 Kommentare

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  1. 22.

    Schön wie sie Apfel und Birnen vergleichen. Zur Erinnerung Lehrlinge arbeiten und zahlen Steuern, Studenten machen beides nicht.

  2. 21.

    Sind Studenten auch bei den Friday for future Demos dabei? Meine nur wegen dem bla, bla Forderung zur Verkehrswende.
    Zum Nulltarif?

  3. 20.

    Warum sollen ALLE Studierende ca. 200 Euro pro Semester (also 400 Euro pro Jahr) zahlen und Schüler:innen und Auszubildende (die ein echtes Einkommen von durchschnittlich 1000 Euro haben / Stand 2020 haben) 365 Euro pro Jahresticket, und nur wenn sie es möchten?
    In den Kommentaren wird immer wieder gesagt, "seid doch froh, dass es ein Semesterticket gibt", "welchen Nachteil hat der VBB": Ohne Semesterticket und mit dem 365 Euro Education-Ticket wär es nicht nur günstiger für alle Studierende, sondern sie könnten außerdem selbst entscheiden, ob sie es wollen oder lieber Rad fahren = weniger Einkommen durch weniger Zahlende für den VBB.
    Außerdem finde ich super despektierlich, wie in den Kommentaren über Studierende gesprochen wird. Viele bekommen kein Bafög, weil die Einkommensgrenzen so gering sind (2900/Monat Gesamteinkommen bei Verheirateten). Ich z.B. studiere Vollzeit und arbeite Teilzeit, um mein Leben zu finanzieren, bekömme weder Unterhalt, noch sonstige Untertsützung ;)

  4. 19.

    Sie sind da leider mehr als schlecht informiert, wenn Sie meinen es ginge nur um Einkommensschwächste. Es gibt leider sehr viele Gutverdienende die sich nur an der Uni einschreiben um dies Tickets abzugreifen. So was ist voll asozial. In Zeiten des Klimawandels wo der ÖPNV jedem Cent brauch sollten die Sudeten auch ihren Beitrag leisten und nicht auf alte Privilegien pochen.

  5. 18.

    Früher hätten sich Student*innen über e in n Semesterticket gefreut. War doch damals schon ein Abo teuer und Bafög gering.

    Wenn Student*innen wenigstens für kostenlosen ÖPNV eintreten würden...

  6. 17.

    Die Verkehrswende müssen ALLE bezahlen. Also auch die Studierenden. Warum allerdings die Brandenburger Unis und FHs für das Gesamtnetz ein günstigeres Ticket erhalten als die Berliner verstehe ich nicht. Auch ist die Berechnung der Kosten pro Tag nicht ganz korrekt, weil die Vorlesungszeit ohne die Ferien betrachtet werden muss. Außerdem könnte man das Ticket auf Mo-Fr. begrenzen und das Fahrrad bei den Tickets definitiv herausnehmen. Außerdem sollte unbedingt Studierenden hier die Möglichkeit gegeben werden, das Ticket per APP zu nutzen und so den logistischen Aufwand noch einmal mehr zu reduzieren.
    Hamburg setzt z.B. schon im allgemeinen ÖPNV die APP ein und Nutzer erhalten 12% Rabatt.

  7. 16.

    Nachrichtenblitz: Infrastruktur lohnt sich nicht. Stellen Sie sich mal vor Straßen wären privatisiert und nicht vom Steuerzahlen subventioniert. Meinen Sie außerhalb der Großstädte gäbe es noch was andres als mautpflichtige Trampelpfade?

  8. 15.

    Ich kann nur unter einer Bedingung nachvollziehen, wieso man bei 10 Euro monatlicher Mehrkrosten einen solchen Aufstand macht.

    Die Studenten von heute sind auch ohne Ticket mobil. Und das kann ich mir gut vorstellen. Immer weniger nutzen Bafög und die Akademikerquote ist nachwievor hoch. Wenn Papa das Auto und die Tankfüllung der Mehrheit bezahlt, ist es doof, wenn man 50 € von seinem Taschengeld pro Monat für ein Semesterticket ausgeben muss.

    Ich studiere im übrigen Fern und zahle die 250 € pro Monat für meine Bildung. Der Trend geht halt zum Zweitstudium. Aber beim ersten wäre ich nie auf die däm... Idee gekommen, dass Ticket zu streichen.
    Aber auch hier wird die soziale Spaltung vertieft...wie traurig.

  9. 14.

    Die Verkehrswende läuft gut in Brandenburg...

  10. 13.

    Sicher dass das dort am Ticket liegt? Denke eher an Gebühren für Verwaltung und AStA, die auch semesterweise in einem Rutsch mit dem Ticket bezahlt werden. Ansonsten fällt mir nur ein, dass vlt ein separates Gutachten für die Region erstellt wurde, dass eben auf einen anderen fairen Preis kam.

  11. 12.

    Sehe ich auch so, ich musste das blöde Semesterticket auch mit bezahlen, obwohl ich es nicht gebraucht habe weil Auto Fahrer bzw. Fahrrad ...

    Da Studenten ja heutzutage eh nur noch mit dem Rad fahren, bzw. wir ja bald alle nur noch Rad fahren (sollen), abschaffen diesen Blödsinn.

  12. 11.

    Unverständlich bei der Planung des VBB ist lediglich, weshalb die Studierenden in Cottbus, Frankfurt und Eberswalde für die gleiche Leistung zwei Euro mehr als die in Potsdam zahlen sollen.

  13. 10.

    Tja, der VBB kann der Urabstimmung gelassen entgegen sehen. Ohne Semesterticket wird es für Studierende halt teuer, oder sie weichen auf PKW aus.

  14. 9.

    Man sollte allen die in der Regelstudienzeit ihr Studium beenden den Semester Tarif geben und allen ewigen Studenten nicht.

  15. 8.

    Eine private Firma würde den Auftragsumfang der BVG nicht ohne öffentliche Zuschüsse ausführen, im Unterschied zu dieser würden dann jedoch Steuergelder als Unternehmensgewinne abgeführt. Gut, dass es ist wie es ist.

  16. 7.

    Sie müssen sich entscheiden: Verkehrswende weg vom Auto oder einkomnensschwach. Beides zusammen wäre ein Widerspruch.

  17. 6.

    200,- für ein ganzes Semester. Schnäppchen. Im Schrank hab ich noch das Spiel des Lebens. Übrigens brauchen wir Fachkräfte, Pflegekräfte, Handwerker nicht den 5 Millionsten Gamedesigner. Man sollte mal den NC ein bisschen hochschrauben. Aber anderes Thema.

  18. 5.

    LOL ... genau über das gleiche habe ich mir auch gerade die Birne zerbrochen. Etwas Besseres als kein Semesterticket kann doch dem VBB nicht passieren. Dann bezahlen alle den Preis, den jeder andere auch bezahlen muss. Die Einnahmen hat die BVG bitter nötig. Bis zum Jahresende wird die BVG einen Schuldenberg von rund 1,3 Milliarden € angehäuft haben und das OBWOHL sie vieles nicht selber zahlen muss und auch diverse Subventionen erhält. Die Preise müssen generell deutlich steigen, weit über das hinaus, was man sich aktuell traut.
    Oder sie nutzen die ausufernden Radwege, was die überfüllten Verkehrsmittel entlastet. Der VBB macht also nur Gute. Pleite ist die BVG mit oder ohne Studenten. Nur der Senat hält den Insolvenzverwalter aus dem öffentlichen Hause BVG. Als private Firma wären die Tore schon längst dicht.

  19. 4.

    Ein Azubi kann sich ein 365-Euro-Ticket kaufen. Kann wohlgemerkt. Studenten müssen das Ticket, egal zu welchem Preis, egal ob man in fußläufiger Nähe wohnt, nehmen.

  20. 3.

    Das Brandenburger Semesterticket gilt für den gesamten VBB Bereich. Das Berliner Semesterticket nur für Berlin ABC. Brandenburger, die in Berlin studieren, müssen ein teures Zusatztickdt kaufen. Dies ist nicht nachgewiesen

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