Oder-Spree - Landwirt experimentiert mit Humus-Aufbau auf dem Acker für weniger CO2

Do 25.11.21 | 17:41 Uhr
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Spaten im Acker für lockeren Boden und Humus gegen CO2 in der Landwirtschaft
Isabel Röder/ rbb
Audio: Antenne Brandenburg | 25.11.2021 | Isabel Röder | Bild: Isabel Röder/ rbb

Angesichts des Klimawandels sucht die Bundespolitik nach Wegen, auch die Landwirtschaft CO2-freundlicher zu gestalten. Das soll unter anderem mit lockeren Böden und dem Aufbau von Humus gelingen. Daran versucht sich auch ein Bauer aus Oder-Spree.

14 Millionen Tonnen weniger CO2 soll die Landwirtschaft bis 2030 ausstoßen. Dafür hat das Bundeslandwirtschaftsministerium zehn Maßnahmen entwickelt, und eine davon heißt "Humusaufbau im Ackerland". Ein Landwirt in Buchholz bei Steinhöfel (Oder-Spree) probiert aktuell genau das aus.

In den Boden bis es nicht mehr weitergeht

Aus dem Acker bei Steinhöfel sprießen bereits zarte Weizen-Halme. Benjamin Meise, Geschäftsführer der Fürstenwalder Agrarprodukte GmbH Buchholz, steht mitten auf dem Feld und hält einen Spaten sowie eine Bodensonde in der Hand. "Das ist im Prinzip ein einfacher Stab, den kann man in den Boden einführen und merkt dann, wie der Eindring-Widerstand ist. Da, wo ich mit der Sonde nicht mehr weiterkomme, da kommen auch die Pflanzenwurzeln nicht mehr weiter."

Um wirklich sicherzugehen, dass der Stab tatsächlich nicht weiter in den Boden rutscht, lehnt sich Meise mit seinem ganzen Gewicht auf die Metallstange. Nach einem halben Meter ist Schluss. Bereits diese Tiefe ist für den Geschäftsführer ein erstes Zeichen des Erfolgs für einen lockeren Boden. Noch vor wenigen Jahren waren es nur 20 Zentimeter. Denn auf eben jenem Feld probiert Meise seit zwei Jahren mit seinem Betrieb eine neue Strategie aus. Dazu gehört unter anderem, seltener mit schweren Maschinen über den Acker zu rollen.

Außerdem verzichte er auf die Bodenbearbeitung. "Wenn ich jetzt das Feld pflüge, kommt viel Luft in den Boden, damit werden die Bodenbakterien angeregt, den Humus aufzufressen und daraus Salze zu machen."

Die Zukunft liegt im Humus

Doch genau den Humus will der Agrarwirt aus Buchholz erhalten. Denn ein Boden, mit viel organischer Substanz – also viel Humus - hat mehrere Vorteile, sagt Agrarforscher Claas Nendel vom Zentrum für Agrarlandforschung in Müncheberg (Märkisch-Oderland). "Zum einen wird CO2 in den Böden gespeichert, zum anderen verbessert sich die Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens und die natürliche Fertilität - also die Fähigkeit, Pflanzen zu ernähren."

Argarwirt Meise bezeichnet das als Win-Win-Situation für seinen Anbau und das Klima. Auf vier seiner 3.000 Hektar untersucht er die neue Methode. Dazugehört auch eine spezielle Folge von Zwischenfrüchten, die genau zum Boden passt. "Der Boden ist ein sehr komplexes Gebilde. Das heißt, wir haben am Ende tausende verschiedene Lebewesen, die da wohnen. Das ist etwas tricky."

Aufgabe für Generationen

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hofft, mit der Humus-Anreicherung bis zu drei Millionen Tonnen CO2 in der Landwirtschaft einzusparen. Doch der Müncheberger Agrarforscher Nendel ist skeptisch, ob diese Rechnung tatsächlich aufgeht: "Wenn ein Landwirt für seinen Humus sorgt, der dann irgendwann seinen Hof an seinen Nachfolger übergibt und dieser dann eine andere Philosophie verfolgt, dann wird dieses über einen langen Zeitraum gespeicherte CO2 sehr schnell abgebaut werden." Zudem brauche Humusaufbau jede Menge Geduld. Benjamin Meise von der Fürstenwalder Agrarprodukte Gesellschaft rechnet damit, dass sich in frühestens zehn Jahren der Humusgehalt spürbar erhöht hat.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.11.2021, 15:10 Uhr

Mit Material von Isabel Röder

7 Kommentare

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  1. 7.

    Konkrete Zahlen fehlen im Bericht, aber bessere Wasserspeicherung und Fertilität, klingt nicht zwingend nach weniger Ertrag. Bei unseren inzwischen ziemlich ausgelutschten Böden ist natürliche Humusanreicherung sicher nicht verkehrt.

  2. 6.

    Sie haben da einen kleinen Denkfehler: Bodenschonende Landwirtschaft ist nicht gleich Öko. Das kann sich sogar ins Gegenteil verkehren, da konventionell wirtschaftende Betriebe ohne wendende Bodenbearbeitung oft ordentlich Glyphosat anwenden.

  3. 5.

    Wenn sie auch versucht haben, mit Ihrer Antwort, zu geistigen Höhenflügen anzutreten.....Wie lautet die Antwort auf meine Frage?

  4. 4.

    Ich sehe schon vor mir, wie Sie in Hose und Hemd aus deutscher Baumwolle in Ihrem Auto aus deutschem Aluminium und deutschem Chrom-Nickel-Vanadium-Stahl, das Diesel aus deutschem Erdöl verbrennt, zur Würstchenbude fahren. Die Bratwürste und Nackensteaks, die Sie dort verzehren, stammen aus deutscher Produktion, d.h. die Schweinchen wurden mit deutschem Sojaschrot gefüttert. Der Phosphatdünger für den Sojaanbau stammt ebenfalls aus Deutschland. Natürlich stecken in Ihrem deutschen Fernseher und Ihrem deutschen Smartphone auch nur Schaltkreise aus deutscher Fertigung, die mit deutschem Kupfer, deutschem Tantal und deutschem Gold hergestellt wurden.

  5. 3.

    Mehr Fläche gibt es nicht. Die Koalition hat gestern mitgeteilt, dass 2% der Flächen für Windmühlen zu reservieren sind.

  6. 2.

    Wie hoch sind hier die die Erträge im Vergleich zur "konventionellen" Landwirtschaft? DE ernährt mit seiner Landwirtschaft doch nicht nur sich selbst, sondern durch die Getreideexporte, hunderttausende andere Menschen. Öko-Landwirtschaft braucht mehr Fläche für die gleichen Erträge wie bisher. Oder wir kümmern uns nur noch um uns selbst und der Rest der Welt ist uns egal. Wäre mir übrigens ganz recht-in jeder Beziehung!

  7. 1.

    Im Englischen wird diese Methode übrigens "No-Dig" (nicht Graben) genannt.

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