Abwaschbar und ohne Chemie - Prenzlauer entwickelt Anti-Graffiti-Schutz gegen Vandalismus

Sa 20.11.21 | 11:46 Uhr | Von Franziska Ritter
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Jens Schwenck und Lars Hermann entfernen Graffiti
Audio: Inforadio | 20.11.2021 | Franziska Ritter | Bild: Franziska Ritter/rbb

Das Ansprühen von Graffiti könnte an manchen Wänden bald schwierig werden. Ein Malermeister aus der Uckermark hat eine transparente Schutzschicht entwickelt, die künftig die Entfernung von Farbe erleichtern soll. Von Franziska Ritter

Für die einen ist es Kunst, für andere nur Schmiererei: In Berlin und anderen Städten sind Fassaden mit Graffiti übersät. Wer die Sprühereien nicht haben will, musste sie bislang mit Hilfe von Chemie entfernen lassen. Ein Unternehmer aus Prenzlau im Landkreis Uckermark vermarktet eine Alternative.

Trotz Graffiti wie neu

In einem tiefen Blau ist die Fassade des KFZ-Betriebs von Jens Schwenck in Berlin-Moabit gestrichen. In den vergangenen Jahren wurde die Mauer nahe der Putlitzbrücke immer wieder mit Graffitis beschmiert. Deshalb hat sich der KFZ-Meister für einen Anti-Graffiti-Schutz entschieden. "Ich habe nichts gegen Graffiti, aber meistens schmieren die nur, und meine Firma soll nicht mit solchen Schmierereien verunstaltet werden. Deshalb habe ich mich entschieden, das zu machen. Das kann man abwaschen und sieht aus wie neu."

Lars Hermann hat die transparente Schutzschicht vor ein paar Wochen aufgetragen. Um zu zeigen, was sie kann, wirft der Malermeister einen Hochdruckreiniger an und richtet den Wasserstrahl auf einen Fleck mit Sprühlack. "Dadurch können wir die ganzen Lackreste von der Fassade abspülen und brauchen keine neue Beschichtung." Wasser und Lackreste fängt er mit einem Malervlies auf, das er anschließend als Restmüll entsorgt.

Ohne den neuartigen Schutz müsste er die Wand mit chemischen Mitteln reinigen. "Im Normalfall müssen wir Chemie einsetzen, diese sozusagen auf die Wand und den Graffiti auftragen. Und diese Chemie greift die Farbe an, löst die an und dadurch kann man die wieder entfernen". Allerdings müsse alles in einem Becken aufgefangen, speziell entsorgt und die Wand neu gestrichen werden. Denn die Chemikalien setzen auch der Fassadenfarbe zu.

Schutz von Wahrzeichen und Kunst

Mit dem Anti-Graffiti-Schutz aus Silikonharz, den Bernd Tank vertreibt, soll das nun nicht mehr nötig sein. Der Unternehmer aus der Uckermark konnte schon einige Kunden vom Nutzen seines Produkts überzeugen. "Wir haben bisher in Erfurt die Brücken im Vorfeld der Bundesgartenschau und in Leipzig das Doppel-M geschützt. Fassaden und Brücken, mineralische und nicht-mineralische Untergründe können geschützt werden, also Farbwände oder Beton, Granit, Naturstein eben."

Der Schutz soll mindestens 20 Reinigungen standhalten. Wie viel er kostet, will Bernd Tank allerdings nur interessierten Unternehmen mitteilen. "Wenn ich die Wand geschützt habe, dann ist sicherlich der Quadratmeterpreis ein hoher. In Zukunft brauche ich keine Chemie mehr, muss meine Wand nicht erneuern und habe also meine optische Qualität. Und die bleibt erhalten, ich habe also keine weiteren Folgekosten."

Der Anti-Graffiti-Schutz, der in Deutschland produziert wird, kommt nicht nur auf Fassaden und Brücken zum Einsatz. Bernd Tank ist gerade mit Künstlern der East Side Gallery im Gespräch. Sein Produkt soll künftig ihre Kunstwerke auf der Berliner Mauer vor unerwünschtem Übersprühen schützen.

Sendung: Inforadio, 20.11.2021

Beitrag von Franziska Ritter

6 Kommentare

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  1. 6.

    Viel Freude wünsche ich dem-/derjenigen Besitzer:in in 10...20...50 Jahren bei einer eventuell gewünschten oder notwendigen Fassaden- Neugestaltung. Hoffentlich hat der hier gepriesene Unternehmer auch noch ein Ass im Ärmel, um diese Silikon-basierte Schicht entfernen oder neugestalten zu können...

  2. 5.

    Dem Mann gebührt das Bundesverdienstkreuz!
    Mein Dank ist ihm sicher.
    Es wäre so schön, wenn das pubertäre Reviermarkier-Geschmiere wirkich mal überall verschwinden würde, wo es nicht in Einvernehmen mit dem Besitzer der beschmierten Fläche geschah.
    Insbesondere aber z.B. auf Skulpturen und anderen Kulturgütern.
    Hier um die Ecke bringt man leider bereits Grundschulkindern bei, wie man einstmals schöne Natursteine/kl. Findlinge auf dem Schulweg vollkleckert.

  3. 4.

    Eine gute Produktentwicklung. Leider muss man noch extra Geld dafür bezahlen um Eigentum sauber und ordentlich zu halten.

  4. 3.

    Mal schauen, wie lange es dauert, bis die Graffiti-"Künstler" dann Farben finden, die auch auf diesem Untergrund halten ...
    Kreativität - jeder Art - findet da schon ihren Weg...

  5. 2.

    Sollte die Eisenbahn auch anwenden, die beschmieren Wagen sind unerträglich.

  6. 1.

    Ich finde ja nach wie vor die Idee der Anti-Graffiti-Mauer aus der Nackten Kanone nicht schlecht.

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