Ostbrandenburg - Niederbarnimer Eisenbahn ersetzt Dieseltriebwagen durch Batteriezüge

Mo 15.11.21 | 15:37 Uhr | Von Georg-Stefan Russew
  31
Die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) bestellt 31 batteriebetriebene Fahrzeuge bei Siemens Mobility. (Quelle: Fotomontage-NEB-Siemens-FNoack)
Audio: Antenne Brandenburg | 15.11.2021 | Guido Beermann | Bild: Fotomontage-NEB-Siemens-FNoack

Ab 2024 sollen auf den Ostbrandenburger Strecken der Niederbarnimer Eisenbahn batteriebetriebene Züge fahren. Das Bahnunternehmen hat neue Fahrzeuge bestellt. Damit soll das Zeitalter der Verbrenner enden. Von Georg-Stefan Russew

Die Niederbarnimer Eisenbahn (NEB) setzt auf eine batteriebetriebene Zukunft ihres Schienenfahrzeugparks. Am Montag bestellte das Unternehmen 31 entsprechende Fahrzeuge bei Siemens, wie NEB-Geschäftsführer Detlef Bröcker erklärte. Sein Unternehmen plant ab 2024, auf allen Linien des Ostbrandenburger Netzes die Züge vom Typ "Mireo Plus B" verkehren zu lassen. Das Auftragsvolumen umfasst 200 Millionen Euro und erstrecke sich auch auf die Wartung und Instanhaltung der Triebwagen.

Ab 2024 mehr Zugverbindungen und weniger Emissionen

Damit kommen nach Angaben des Verkehrsverbunds Berlin Brandenburg (VBB) erstmalig batterie-elektrische Züge im Verbundgebiet zum Einsatz. Der Brandenburger Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) sprach in diesem Zusammenhang von einem "Meilenstein der technischen Verkehrswende auf der Schiene." Mit Blick auf Klimafreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit böten diese Züge einen Mehrwert gegenüber den noch häufig genutzten Zügen mit Verbrennungsmotoren.

VBB-Chefin Susanne Henckel erklärte, dass sich das Angebot für die Fahrgäste durch die neuen Fahrzeuge und Taktverdichtungen deutlich erhöhen solle.

Streckennetz der neuen Züge

  • RB12 Berlin Ostkreuz – Oranienburg – Templin Stadt
  •  
  • RB25 Berlin Ostkreuz – Werneuchen
  •  
  • RB26 Berlin-Lichtenberg – Müncheberg (bei jeder zweiten Fahrt montags bis freitags)
  •  
  • RB35 Fürstenwalde – Bad Saarow-Pieskow
  •  
  • RB36 Frankfurt (Oder) – Beeskow – Königs Wusterhausen
  •  
  • RB54 Rheinsberg – Löwenberg (– Berlin-Ostkreuz)
  •  
  • RB60 Eberswalde – Wriezen – Frankfurt (Oder)
  •  
  • RB61 Schwedt – Angermünde
  •  
  • RB62 Angermünde – Prenzlau
  •  
  • RB63 Joachimsthal – Eberswalde (– Berlin Hbf.)
  •  

Bislang Dieselantrieb auf den Nebenstrecken in Ostbrandenburg

Die NEB setzt in Ostbrandenburg auf Strecken ohne Oberleitungen Züge mit Dieselantrieb ein. Durch den Wechsel zur batteriebetriebenen Flotte sollen in Zukunft jährlich rund 4,4 Millionen Liter Diesel in der Region eingespart werden, so der VBB. Auch der Kohlendioxid-Ausstoß soll stark reduziert werden. Zudem sei ein signifikanter Rückgang an Feinstaubemissionen zu erwarten, hieß es weiter.

Batterieleistung reicht für 90 Kilometer aus

Die Mireo-Züge sind sogenannte Batteriehybrid-Triebwagen, die ihre Energie auf elektrifizierten Streckenabschnitten aus der Oberleitung beziehen und dort auch ihre Lithium-Ionen-Batterien aufladen. Endet die Elektrifizierung, übernehmen die Batterien die Energieversorgung. Zusätzlich wird zurückgewonnene Bremsenergie für den Antrieb genutzt. Der zweiteilige Triebwagen hat batterie-elektrisch somit eine Reichweite von mehr als 90 Kilometern. Um energietechnisch Betriebssicherheit herzustellen, werden zusätzlich in Wriezen (Märkisch-Oderland), Templin (Uckermark) sowie Beeskow (Oder-Spree) Aufladestationen errichtet.

Kostenloses Wlan in den Zügen

Die Mireo-Züge bringen für Fahrgäste nach VBB-Angaben auch mehr Komfort. Die neuen Triebwagen verfügten auf jeder Seite über drei Türen, Rollstuhlfahrende oder Eltern mit Kinderwagen sollen so besser ein- und austeigen können. Insgesamt stünden 128 Sitzplätze sowie zwölf Stellplätze für Fahrräder, Rollstühle und Kinderwagen zur Verfügung. Kostenloses W-Lan gehöre dann auch zur Zugausstattung genauso wie rund 60 Steckdosen, USB-Ladebuchsen und eine Funktion zum induktiven Laden.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.11.2021, 16:30 Uhr

 

Beitrag von Georg-Stefan Russew

31 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 31.

    Das ist Unsinn! Die Gleise werden in der Regel als einzelne Schienen verlegt. Andere Spurweite also kein Problem

  2. 30.

    Die zweiten Gleise wurden nach dem 2. Weltkrieg abgebaut, weil es Reparationsleistungen waren. Da in der Sowjetunion aber eine andere Spurweite herrscht, konnten sie nicht genutzt werden und vergammeln dort bis heute.

  3. 29.

    Schade, daß die Heidekrautbahn nicht berücksichtigt wurde/werden konnte.

  4. 28.

    Das kann man auf Wikipedia schnell nachschauen: 39 Triebwagen insgesamt. Davon 11 PESA Link, die weiterhin für die Strecke nach Polen in Betrieb bleiben (müssen), da bis auf ein paar km in Berlin gar nicht elektrifiziert. Da reicht der Akku nicht.

    Also 31 neue Züge sind schon ein Großteil der Flotte und zugleich ein Ausbau selbiger. Dazu kommen ab 2024 ebenfalls 6 Wasserstoff-Züge für den RB27 als Pilotprojekt mit lokaler H2-Herstellung. Siehe: https://www.neb.de/wasserstoffzug/

  5. 27.

    Übwrzeugten MIVlern ist vielfach noch nicht aufgefallen, dass nicht nur die NEB mehrere Triebwagen zu längeren Einheiten zusammenkoppelt. Bei der S-Bahn in Berlin ist das schon seit Beginn der Elektrifizierung üblich, auch andere Eisenbahnen praktizieren das schon lange. Es werden sogar Triebzüge geflügelt und zu unterschiedlichen Endbahnhöfen gefahren. Die Möglichkeit zum Gelegenheitsladen ermöglicht dabei den Einbau kleinerer Traktionsbatterien.

  6. 26.

    Wasserstoff hat in der Tat eine Zukunft bei der Eisenvbahn - in der immer kleiner werdenden Nische längerer nicht-elektrifizierter Nebenstrecken. Heute FC-Züge fahren dabei meist mit grauem Wasserstoff. Ansonsten ist der Wirkungsgrad einfach zu schlecht. Im Süden Deutschlands wird gerade eine grosse Lücke auf einer Hauptstrecke geschlossen, bleibt auf denen dann fast nur noch der Hindenburgdamm.

  7. 25.

    Noch mehr PESA-Link? Diese Züge sind doch äußerst Störungsanfällig. Und warum diese ohnehin problematische Strecke noch bis Gorzów verlängern? Sinnvoller wäre es, die RB 26 dauerhaft in Kietz enden zu lassen und ab hier der PKP die Verkehrsdurchführung zu übertragen. Ggf. sollte es morgens ein bis zwei Züge von Gorzów nach Berlin ohne Halt zwischen Kostrzyn und Lichtenberg bzw. abends entsprechend in die Gegenrichtung geben.

  8. 24.

    @1: Hier gehts nicht nur darum, daß was leuchtet, sondern um CO2+Dieseleinsparung und Umwelt+Klimafreundlichkeit. @6: Die Elektrifizierung aller Strecken lohnt sich nicht. Das kostet nicht nur Geld, sondern belastet auch das Klima durch die Fundamente für Fahrleitungsmasten, Erzeugung von Kupfer und Stahl usw. Bei geningem Verkehrsaufkommen sind Batteriezüge besser. @RBB: Ist das ein Schreibfehler, daß die RB26 nur zwischen Berlin-Lichtenberg und Müncheberg umgestellt wird? Die fährt doch zwischen Berlin-Ostkreuz und Küstrin.

  9. 23.

    Na dann versuche ich es Dir nochmal zu erklären, damit auch Du mich verstehst.
    Ich bin für eine absolute Elektrifizierung der Bahn und halte Diesel für ein Relikt aus der Vergangenheit das es nicht mehr geben darf.
    Und, verstanden?

  10. 22.

    Richtig "Cool" wäre es wenn man mit der Bahn aus Berlin kommend von Werneuchen weiter über Wriezen und die als Fahrradbrücke wiederhergestellte ehemalige Eisenbahnbrücke über die Oder nach Mohrin, Königsberg und Pyritz fahren könnte. Das wäre umweltfreundlich und würde CO2 und Ruß des jetzt motorisierten Individualverkehrs (MIV) sparen ..

  11. 21.

    Guido Beermann (CDU) sprach in diesem Zusammenhang von einem "Meilenstein der technischen Verkehrswende auf der Schiene." Mit Blick auf Klimafreundlichkeit und Wirtschaftlichkeit böten diese Züge einen Mehrwert.....

    Ja saach ma - und gleichzeitig lese ich, dass am BER ab Dezember eine 2. Startbahn in Betrieb gehen soll - aaah ja Verkehrswende also. Wie blöd kommts eigentlich noch?

  12. 20.

    Sie vielleicht nicht aber ich.
    So ist das eben wenn man mit Metaphern agiert, geht man das Risiko des Missverständnis ein.
    Was auch immer Sie zum Ausdruck bringen wollten, bleibt somit für mich immer noch offen.
    Vielleicht haben wir beide uns missverstanden und sind eigentlich der gleichen oder ähnlichen Ansicht?

  13. 19.

    Weil das lohnt sich nicht für das Fahrgastaufkommen, weil die Verfahren zu lange dauern, weil die Anwohner und Umweltverbände klagen... Oberleitung ist viel zu teuer und zu anfällig für Umwelteinflüsse und Unwetter.
    Ich glaube nicht, dass Fahrleitungen die nächsten 50 Jahre überstehen werden. Das WAR mal eine Technologie, die längst überholt ist aber wie die Telekom ihre Kupferleitungen hat es die Bahn mit den Fahrleitungen.
    Ich schätze in 10 bis 20 Jahren geht die Umstellung auf Wasserstoff los. Dann ist auch die Erzeugung viel effizienter und genug davon da.

  14. 17.

    Bis der Letzte verstanden hat, dass Elektromobilität nichts mit Klima oder Umweltschutz zu tun hat, ist es womöglich schon zu spät.

  15. 16.

    ---4,4 Millionen Liter Diesel ist doch ein vergleichsweise großer Tropfen.---
    Ich habe meine Aussage, mit dem Tropfen auf dem heißen Stein, nicht auf den Diesel bezogen.
    Ich verstehe nicht warum einige hier immer alles missverstehen.

  16. 15.

    Sehr geehrter Thorsten,
    vor allem die Strecke Königs Wusterhausen - Frankfurt/Oder über Storkow.
    Mit freundl. Grüßen

  17. 13.

    Erst einmal finde ich das Konzept der NEB prinzipiell gut. Manche Dinge bedürfen aber auch mehr Erklärungen wo auch Fragen entstehen, wie auch hier. Nehmen wir einmal als Beispiel die RB 26, heute von Berlin-Ostkreuz nach Küstrin (Kostrzyn), früher durchgängig bis Königsberg (Kaliningrad) zweigleisig befahrbar. Leider wurden ab 1945 auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone und späteren DDR, bei sehr vielen vorhandenen Eisenbahnstrecken das zweite Gleis abgebaut und wurde bis heute, trotz des inzwischen höheren Bedarfs, nicht wieder neu errichtet. Hauptsächlich früher wegen der Änderung der Grenzen, der Verkehrswege und vorhandenen Materialmangels, heutzutage aus Kostengründen. Da es derzeit nur noch um eine Nebenbahn handelt, rechnete sich der vollständige Ausbau sowie eine Elektrifizierung bislang bei den verbliebenen Strecken aufgrund des Verkehrsaufkommens und der Passagierzahlen nicht. Andere abgehende Strecken entlang der RB 26 wurden gar ganz stillgelegt und später abgebaut, wie nach Herzfelde, Rüdersdorf (nur noch Güterverkehr zum Zementwerk) oder nach Altlandsberg. Leider gilt das nicht nur für die RB 26 nicht nur, sondern bei vielen Strecken in den neuen Bundesländern. Eine moderne effektive bedarfsgerechte Linienführung wie zum Beispiel in Düsseldorf und Köln könnte aus meiner Sicht eine spürbare Entlastung auf den Straßen bringen. Ich finde es übergangsweise gut, die inzwischen ungeliebten Dieseltriebzüge durch Batteriezüge abzulösen, zumal die Deutsche Bahn Netz erst in einigen Jahren vorhat, manche Strecken, aber nicht alle, hier zu elektrifizieren. Die Frage welche bei mir bleibt, ist wie verhalten sich die Batterien bei Alterung und erheblichen Minusgraden. Das wird die Zeit zeigen. Besser, so meine ich, wäre ein kompletter Ausbau und eine vollständige Elektrifizierung mit allem Drum und dran. Da muss die DB - Netz ran und Stellung beziehen, als Eigentümer. Aber von der Planung, Bedarfsermittlung bis Realisierung vergehen oft mehr als 10 Jahre. Die NEB ist (nur) der Betreiber der Züge, kommt so auf eine bessere Umweltbilanz und den Passagieren bzw. Anwohnern kommt es zugute. Sie werden sich freuen auch über leisere modernere Fahrzeuge, ohne Dieselabgase... Ich wünsche der NEB einen problemlosen unfallfreien Betrieb mit ihren neuen Zügen!

  18. 12.

    So erfreulich dieser Fortschritt auch ist – ausgerechnet auf der wichtigsten Linie des Netzes bleibt alles beim Alten. Die RB26 fährt auch in Zukunft mit PESA Link; es werden sogar noch drei neue Züge dieses Typs beschafft. Aber das kann man nicht der NEB vorwerfen, denn diese Strecke ist für eine Batterie-Lösung zu lang. Die Strecke müsste zweigleisig ausgebaut, elektrifiziert und bis Gorzów verlängert werden. Doch solange DB Netz, deutsche und polnische Regierung, Bundesländer und Wojewodschaften einander den Schwarzen Peter zuschieben, werden die Bahnkunden weiterhin mit lauten, unzuverlässigen Zügen und mangelnder Pünktlichkeit leben müssen.

Nächster Artikel