Märkisch-Oderland - Grundstein für Hightech-Brücke über die Oder gelegt

Di 16.11.21 | 13:47 Uhr
  11
So soll die neue Oderbrücke bei Küstrin-Kiez einmal aussehen, wenn sie Ende 2022 fertig werden soll. (Quelle:MediaPortal der Deutschen Bahn)
MediaPortal der Deutschen Bahn
Video: rbb|24 | 16.11.2021 | Material: Deutsche Bahn AG | Bild: MediaPortal der Deutschen Bahn

Wenn sie Ende 2022 wie geplant fertig wird, wird sie eine Weltneuheit sein: die erste Netzwerkbogenbrücke mit Carbon-Elementen. Sie soll Brandenburg mit Polen verbinden - und den Zugverkehr beschleunigen. Von Georg-Stefan Russew

Für 65 Millionen Euro wird nach Angaben der Deutschen Bahn (DB) bei Küstrin-Kietz (Märkisch-Oderland) eine neue Eisenbahnbrücke über die Oder gebaut. Am Dienstag wurde der Grundstein dafür gelegt.

Die alte Querung hatte das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht und wurde bereits abgerissen. Der Bund hat die Finanziung des grenzübergreifenden Projekts übernommen. Die Fertigstellung für die insgesamt 260 Meter lange Hightech-Brücke ist für Ende 2022 anvisiert.

Weltneuheit: Tragseile aus Carbon werden verbaut

Die Eisenbahnüberquerung ist als Umleiter- und Ausweichstrecke für die Verbindung von Berlin nach Warschau essenziell. Züge können so Poznań erreichen und von dort ihre gewohnte Strecke weiterverfolgen. Nach Angaben der Deutschen Bahn ist künftige Eisenbahnüberquerung weltweit einzigartig: Bei der 260 Meter langen Netzwerkbogenbrücke sind die Tragseile, die sogenannten Hänger, aus Carbon gefertigt. Das Hightech-Material ist im Vergleich zu Stahl der deutlich elastischere Werkstoff. Die innovative Bautechnik ermöglicht eine besonders schlanke, materialsparende und umweltfreundliche Konstruktion.

"Diese Brücke ist ein Symbol für das Zusammenwachsen Europas - ganz im Sinne des Europäischen Jahres der Schiene. Schon Ende 2022 werden die ersten Züge über diese einzigartige Konstruktion fahren und Pendlerinnen und Pendler komfortabel und umweltfreundlich in beide Länder bringen", sagte DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla am Rande der Grundsteinlegung.

Brücke in Zukunft mit Tempo 120 passierbar

Bereits vor sechs Jahren initiierte die Deutsche Bahn für das neue Brückenbauwerk einen Architektenwettbewerb. Das Berliner Büro Schüßler-Plan setzte sich durch und entwarf zusammen mit Londoner Kollegen die insgesamt 260 Meter lange Brücke. Im Einzelnen besteht sie aus einem 130 Meter langem Stromfeld, an das sich drei Vorlandbrücken bis zur alten Küstriner Festungsmauer am Ostufer auf polnischer Seite anschließen.

Nach Fertigstellung der neuen Brücke wird sie zweigleisig befahrbar sein und könne auch noch nachträglich elektrifiziert werden. Züge können das Bauwerk künftig mit Tempo 120 anstatt der bisher möglichen 30 Stundenkilometer passieren. Fahrgäste der RB26 von Berlin über Müncheberg nach Kostrzyn (Polen) wieder durchgehend nutzen. Seit Ende 2020 besteht ab Küstrin-Kietz aufgrund der bauvorbereitenden Maßnahmen und Bauarbeiten Schienenersatzverkehr mit Bussen.

Woidke: Auch nach Fertigstellung bleibt viel zu tun

Für den Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) ist das neue Brückenbauwerk nach seiner Aussage ein Beleg, dass Deutschland und Polen ein Stück weit näher zusammenrücken. "Denn je vielfältiger und selbstverständlicher unser Zusammenwachsen in der Grenzregion, desto leistungsfähiger müssen die Verkehrswege sein, um die Menschen zu verbinden", so Woidke. Aber auch nach Fertigstellung der Netzwerkbogenbrücke bleibe noch viel zu tun. "Das Ziel von Brandenburg, Berlin und der Woiwodschaft Lubuskie bleibt, dass die stark nachgefragte Bahnverbindung Berlin-Küstrin einmal durchgehend elektrifiziert und zweigleisig mit Tempo 160 befahren werden kann", betonte er. Dafür wolle er sich auch als als Polen-Koordinator der Bundesregierung einsetzen.

Polen an weiteren deutsch-polnischen Bahnstrecken dran

Der Abteilungsleiter im polnischen Infrastrukturministerium, Jakub Kapturzak, fügte hinzu, dass ein weiteres Bahnprojekt in der Pipeline sei. "Der Streckenausbau zwischen Stettin und Berlin wird bald beginnen. Dies wird Anlass für ein weiteres polnisch-deutsches Treffen sein", betonte er. Auch auf polnischer Seite werde gerade die Modernisierung und Elektrifizierung der Strecke von Szczecin Gumieńców bis zur Staatsgrenze bei Tantow vorbereitet.

Die alte Oderbrücke bei Küstrin-Kietz wurde ursprünglich 1867 erbaut und nach Beschädigungen in zwei Weltkriegen immer wieder repariert. Zuletzt wurde sie 1920 grunderneuert und in diesem Herbst abgerissen. Das Bauwerk liegt übrigens auf der historischen Ostbahn, die früher Berlin und das ostpreußische Königsberg (heute Kaliningrad) verband.

Sendung: Antenne Brandenburg, 16.11.2021, 06:30 Uhr

11 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 11.

    Daß hier nach dem 2.Wk Teile der Karniner Hubbrücke, wurden, finde ich interessant und wußte es bisher noch nicht. Darf ich dazu Quellenangaben erfahren? Gibt es dazu Literatur?

  2. 10.

    Sie haben vollkommen Recht! Auch beim Schutz gegen Hochwasser an der Oder ist man in Polen deutlich weiter als bei uns.

    Wir überlegen lieber und verirren uns in merkwürdigen Theorien.

    Der Grenzbahnhof Küstrin-Kietz war tatsächlich etwas ganz Besonderes. Heute ist dort ein Parkplatz für Pendler.

  3. 9.

    Sieht irgendwie fast schon filigran aus. Auf jeden Fall besser als so'n marodes Stahlmonster mit dem Betonklops im Fluss. Die Überblendung am Ende des Video macht das ganz gut deutlich. Ich find's gut.

  4. 8.

    Das Buch Grenzbahnhof sei jedem der etwas mit der Region anfangen kann oder möchte empfohlen.
    Fiktive Agentengeschichte in der DDR Zeit rund um den Grenzbahnhof Kietz.
    Die alte Brücke wurde übrigens nach dem Krieg mit Elementen der Hubbrücke Karnin (Usedom) provisorisch wieder aufgebaut.
    Auch hier ist zu befürchten, dass unsere Nachbarn ihrerseits alles fertig bauen und wir Deutschen bis auf diese Brücke auf unserer Seite nix auf die Reihe bekommen. Beim Bund steht die Ostbahn ziemlich weit unten auf der Liste.
    Ähnlich zu den Alpenpassagen, wo inzwischen auch die Italiener schneller planen und bauen als wir. Über die Zuverlässigkeit der Schweizer muss man ja nicht mehr reden.

  5. 7.

    Vielleicht weil die Personenwagen eh auf beiden Seiten der Grenze halten? Da macht Beschleunigen auf 160 vielleicht auch weniger Sinn?

  6. 6.

    Man muss auch bedenken, es ist eine Brücke die neu konstruiert wurde mit carbon Seilen etc. 120km/h wird ein Sicherheitsaspekt sein man kann später immer noch erhöhen. Klar es werden Simulationen etc gemacht aber nichts kann wirklich die Realität simulieren (Wetter Einflüsse und und und

  7. 5.

    Nein. Da rbb24 kein Printmedium ist, maximal ein Tippfehler.

  8. 4.

    Also 120 Km/h finde ich gegenüber den bisherigen 30 km/h schon eine deutliche Steigerung aber im Hinblick auf eine zukünftige Elektrifizierung und dann möglichen 160 km/h hätte man sicher zumindest über diese 160 km/h nachdenken können wo es doch heute auch Brücken gibt die für bis zu 300 km/h zugelassen sind .

  9. 3.

    Die Brücke soll mit 120 km/h passiert werden, die Strecke an sich auf 160 km/h ausgebaut. Für die paar km von Küstrin Kietz bis Kosztryn wird zu verschmerzen sein, dass die 160 km/h nicht erreicht werden.

  10. 2.

    Eine Hightech-Brücke, die mit weltrekordverdächtigen 120 km/h überfahren werden kann, für eine als Umleitungsstrecke vorgesehene nicht-elektrifizierte Bahnlinie! Habe ich das richtig verstanden? Das muss die Zukunft sein, ich bin mal wieder tief beeindruckt von Tempo und Umfang des Ausbaus der deutschen Bahn. Weiter so und Japan wird vor Neid erblassen...

  11. 1.

    Tempo 120km/h? Ist das ein Druckfehler?

Nächster Artikel