Ärztemangel in Brandenburg - Städte locken Mediziner mit Prämie bis zu 55.000 Euro

Mi 15.12.21 | 13:56 Uhr
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Eine Aerztin legt einem Mann Kinesiotape am Knoechel an. (Quelle: dpa/Christin Klose)
Audio: Antenne Brandenburg | 15.12.2021 | Bild: dpa/Christin Klose

Einige Städte und Gemeinden in Brandenburg verzeichnen einen Mangel an niedergelassenen Ärzten. Deshalb suchen etwa Prenzlau und Eberswalde online nach Fachkräften und locken mit Anreizen.

Die Stadt Prenzlau (Uckermark) will in Zukunft die Ansiedlung von Ärzten finanziell fördern. Dafür stellt die uckermärkische Kommune eine Prämie bereit. Außerdem wirbt die Stadt auf dem Online-Portal "Ort sucht Arzt" der Kassenärztlichen Vereinigung um die Ansiedlung neuer Ärzte.

Nachwuchs: Mangelware

In drei Jahren geht der Prenzlauer Kinderarzt Detlef Reichel in den Ruhestand. Um einen Nachfolger für ihn und anderen Kollegen zu finden, lobt Prenzlau jetzt eine Versorgungsprämie von bis zu 55.000 Euro aus. Die Stadt will mit der Förderung die medizinische Versorgung sichern.

Dazu sagte der Bürgermeister Hendrik Sommer (parteilos) dem rbb: "Die Stadt würde die entsprechenden Mittel für die Übernahme bestehender Arztpraxen, für die Erweiterung einer Arztpraxis oder für die Schaffung einer komplett Neuen zu Verfügung stellen." Auch müsste die Prämie nicht zurückgezahlt werden.

Seit 20 Jahren fehlt in der uckermärkischen Kreisstadt ein Hautarzt, aber auch einige Hausarztstellen konnten in der Vergangenheit nicht wieder besetzt werden. "Es muss einen Anreiz geben, weil wir kein Fördergebiet sind", so Sommer weiter. "Und bis wir mal zur Förderregion werden, würde die Stadt Gelder bereitstellen."

Um auch angehenden Ärzte von Prenzlau zu überzeugen, habe die Stadtverwaltung nun Studierenden von der Medizinischen Hochschule Brandenburg eingeladen, die sich über Möglichkeiten für eine Ansiedlung informieren können. Bereits dafür stehen finanzielle Anreize zur Verfügung.

Eberswalde gehen Fachärzte aus

Neben Prenzlau suchen auch Städte wie Eisenhüttenstadt (Oder-Spree), Guben (Spree-Neiße), Senftenberg (Oberspreewald-Lausitz) oder Eberswalde (Barnim) über die Plattform "Ort sucht Arzt" nach Ärzten. Die Eberswalder Verwaltung befürchtet etwa, dass in den kommenden Jahren Personal in bestimmten Fachbereichen fehlen werden.

Grund für den Ärztemangel sei der Anstieg der Einwohnerzahl, fehlende Praxen in der Umgebung wie auch Ärzte, die in Ruhestand gehen und eine Nachfolge für ihre Praxis suchen, sagte Jan König, Sozialdezernent in Eberswalde.

Betroffen seien vor allem drei Fachrichtungen. "Die Stadt hat von der Kassenärztlichen Vereinigung gewisse Anteile zugewiesen bekommen", sagt König. "Da sind wir noch nicht bei 100 Prozent, zum Beispiel bei den Kinderärzten, bei den Hausärzten und auch bei der Frauenheilkund. Perspektivisch kommen auch noch Hautärzte dazu."

Stadt bietet Unterstützung bei Zuzug

Aus diesem Grund wolle die Stadtverwaltung Eberswalde mit einem besonderen Unterstützungsangebot für Ärzte attraktiv machen. Es gebe ähnlich wie in Prenzlau Ansprechpartner, die potentielle Interessenten etwa bei der Wohnungssuche oder der Unterbringung von Kindern unterstützen können, so der Sozialdezernent weiter.

Sendung: Antenne Brandenburg, 15.12.2021, 14:40 Uhr

Mit Material von Riccardo Wittig

10 Kommentare

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  1. 10.

    Ich würde auch nicht in die ländlichen rechten Hochburgen ziehen, schon gar nicht als gut ausgebildeter Allgemeiner oder Facharzt. Geld verdienen alle gut, wer da jammert, jammert auf extrem hohen Niveau. Auch das Erzgebirge bekommt keine Fachkräfte und auch dort will sich niemand ansiedeln. Wer will sich schon täglich von rechten Gruppierungen bedrohen und bedrängen lassen, gerade jetzt, inmitten der Pandemie. Fachkräfte siedeln sich dort an, wo sie willkommen sind. Fachärzte erzielen durch die IGeL Leistungen extrem hohe Gewinne, weil man sich die Behandlung zur kassenärztlichen Versorgung regelrecht freikaufen muss. Wer es ablehnt, braucht die Praxis mancher Fachärzte nicht mehr betreten.

  2. 9.

    Ich versuche mich gerade als zusätzlicher Hausarzt in Brandenburg anzumelden, da meine Kollegin trotz 6Tage Woche keine Patienten mehr annehmen kann, trotz einer Vielzahl von Patientenanfragen. Statt irgendeinem Willkommensbonus kriege ich nur jedemenge Papier zu bearbeiten und einen Gebührenbeschied über mindestens 920€. Ob ich dann noch Lust haben werde täglich 2x90min zu pendeln, falls der ÖPNV störungsfrei läuft?
    Ich würde mir wünschen, dass ich mich an eine statt an 3-4 Stellen wenden kann und würde erwarten, dass ich keine hohen Anmeldegebühren zahlen muss.

  3. 8.

    Ich versuche mich gerade als zusätzlicher Hausarzt in Brandenburg anzumelden, da meine Kollegin trotz 6Tage Woche keine Patienten mehr annehmen kann, trotz einer Vielzahl von Patientenanfragen. Statt irgendeinem Willkommensbonus kriege ich nur jedemenge Papier zu bearbeiten und einen Gebührenbeschied über mindestens 920€. Ob ich dann noch Lust haben werde täglich 2x90min zu pendeln, falls der ÖPNV störungsfrei läuft?
    Ich würde mir wünschen, dass ich mich an eine statt an 3-4 Stellen wenden kann und würde erwarten, dass ich keine hohen Anmeldegebühren zahlen muss.

  4. 7.

    Prenzlau hat doch eine Überversorgung mit Hausärzten (laut rbb-Recherche) erreicht.
    Prenzlau wird sicher eine Überversorgung mit Fachärzten schaffen.
    Auf jeden Fall ist Prenzlau in der Hinsicht sehr geschäftig.

  5. 6.

    Prämie bis zu 55.000 Euro klingt gut, aber schon die medizin-techn. Ausrüstung einer Arztpraxis kostet ein Vielfaches,"
    Nun kann es ja nicht so sein, das die Gesellschaft der Frau Dr. oder dem Herrn Dr. eine nagelneu ausgerüstete Praxis umsonst zur Verfügung stellt.
    Obwohl sich einige das wohl durchaus wünschen würden und sicherlich auch "gute" Argumente dafür finden würden.

  6. 5.

    Es ist die Kombination vieler Faktoren. Der Verdienst ist eher mäßig, die Arbeitsbelastung hoch. Dazu hat die Kleinstadt einfach weniger zu bieten als die Großstadt: Überall muss man mit dem Auto hin, alles ist weiter weg, für viele Dinge muss man eh in die Großstadt fahren. Das wollen viele gut ausgebildete Menschen heutzutage einfach nicht mehr. Wer sich die Mieten leisten kann wohnt lieber in der Großstadt.

  7. 4.

    Ärzte kennen ihr Budget und die maximale Patientenzahl vorher. Wenn ein Arzt diese nicht eunhalt, wird er in Regress genommen

    Vielleicht wäre eine finanzielle Eigenbeteiligung bei jedem Arztkontakt eine Lösung? Oder aber das Streichen verschiedener Leistungen aus dem Leistungskatalog? Fakt ist, dass jeder Bürger eine gute Versorgung möchte. Leider wird diese immer teurer...

  8. 3.

    " dass keiner der Ärzte nicht gern in einer ruhigen Kleinstadt wohnen und arbeiten wollen würde. "

    mag sein, aber woher MFA in einer Kleinstadt nehmen wenn es schon in großen Städten damit Probleme gibt ?
    ( MFA= mediz. Fach Angestellte ) die werden aller Orten händeringend gesucht . Insofern ist der Betrieb von Ärztehäusern
    durch die Stadt oder Gemeinden sinnvoll.
    Prämie bis zu 55.000 Euro klingt gut, aber schon die medizin-techn. Ausrüstung einer Arztpraxis kostet ein Vielfaches, je nach Facharzr, Radiologen, Orthopäden & Gastroenterologen sowie Augenärzte können darüber nur lächeln

  9. 2.

    seit wohl > 20 Jahren wird " abgestaffelt " wenn das zugeteilte Budget überschritten wird , d.h. für jede Behandlung, die das Budget überschreitet gibt es weniger Geld . Einer der Hauptgründe für lange Wartezeiten auf Arzttermine. Hinzu kommen finanzielle Rückforderungen von der KV wenn das Vergleichsbudget bei Medikamenten ausgereizt ist , dabei geht es nicht selten um 5 stellige Beträge

  10. 1.

    Vielleicht sollten Städte in Deutschland einfach mal wieder in Erwägung ziehen, Ärztehäuser selbst zu betreiben und die gewünschten Ärzte angestellt zu beschäftigen, so wie es in anderen Ländern auf dem Land sehr erfolgreich praktiziert wird. Das Problem liegt doch nicht darin, dass keiner der Ärzte nicht gern in einer ruhigen Kleinstadt wohnen und arbeiten wollen würde. Es ist das unternehmerische Risiko, verbunden mit dem auf dem Land deutlich größeren Aufwand pro Patient (Hausbesuche) und dem gerade für Hausärzte überschaubaren zu erwartenden Verdienst. Die bisherigen Ärzte haben das noch aus Pflichtbewusstsein zu Ende gebracht und sind froh, wenn sie endlich in Rente gehen können. Neue Mediziner findet man zu diesen Bedingungen nur noch schwer - Prämie hin oder her. Mediziner machen ihren Beruf natürlich mit viel Leidenschaft, aber eben nicht mehr um jeden Preis.
    Kenne selbst einen Arzt, von dem die Krankenkasse Rückzahlungen verlangt, weil er zu viele Patienten behandelt habe!

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