Unangemeldete Corona-Demo - Toter in Wandlitz war Mitglied der Band "In Extremo"

Mi 26.01.22 | 12:46 Uhr
Boris Pfeiffer bei einem Auftritt seiner damaligen Band In Extremo. (Quelle: Andre Havergo/Geisler-Fotopress/pa)
Bild: Andre Havergo/Geisler-Fotopress/pa

Bei dem Mann, der am Montag am Rande einer unangemeldeten Corona-Demo in Wandlitz (Barnim) gestorben ist, handelt es sich nach rbb-Informationen um Boris Pfeiffer, ehemaliges Mitglied der Mittelalter-Rockband "In Extremo". Zuerst hatte die "Märkische Oderzeitung" darüber berichtet, dass es sich bei dem 53-Jährigen um Pfeiffer handelt.

Auf Facebook schreibt die Band in einem Post vom Dienstagabend [facebook.com]: "Bestürzt und mit Bedauern haben wir vom Tod unseres langjährigen Weggefährten Boris erfahren. 24 Jahre gemeinsam auf der Bühne waren mehr als nur ein Moment. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie! Wir hoffen, dass es Dir gut geht wo Du jetzt bist!"

Pfeiffer verließ im Mai 2021 "In Extremo"

Pfeiffer verließ die Band im Mai 2021 nach Differenzen. "In Extremo" verkündete, dass sie nach über 26 Jahren Bandgeschichte "leider" mitteilen müsse, dass sie vorerst mit nur noch sechs Mitgliedern durch die Lande ziehen werde. "Boris 'Yellow' Pfeiffer hat sich dazu entschlossen, andere Wege zu gehen und wird ab sofort nicht mehr Teil der Band sein. Über die vielen Jahre der Zusammenarbeit verändern sich Lebensumstände, Sichtweisen und Prioritäten", hieß es.

"In Extremo" hatten ihre Anfänge in den 1990er Jahren und sind unter Fans von Metal und Mittelalter-Rock sehr bekannt. Sie mischen mittelalterliche Jahrmarktmusik mit hartem Rock - mit großen Erfolgen in den Charts und internationalen Touren. Die Bandmitglieder haben schillernde Namen wie Das letzte Einhorn, Dr. Pymonte oder Flex der Biegsame. Pfeiffer spielte Dudelsack, Schalmeien und Nyckelharpa.

Todesermittlungsverfahren eingeleitet

Bei der Demonstration am Montagabend hatte der 53-Jährige laut Polizei zunächst versucht, eine Polizeikette zu durchbrechen. Die Beamten stoppten ihn und nahmen seine Personalien auf. Danach habe er seinen Weg frei fortsetzen können, hieß es weiter.

Auf dem Weg zu seinem Fahrzeug sei er dann zusammengesackt. Er sei in Folge des medizinischen Notfalls später im Krankenhaus gestorben, so die Polizei weiter. Weil die näheren Todesumstände unklar waren, hatte die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) ein Todesermittlungsverfahren eingeleitet und die Obduktion der Leiche veranlasst.

Nach dem Tod des 53-Jährigen zeigte sich auch der Bürgermeister des Ortes bestürzt. Oliver Borchert (Freie Bürgergemeinschaft Wandlitz) schätzte die Demonstration als "friedlich" ein. Er hoffe, dass aber in Zukunft solche Demonstrationen angemeldet werden.

Aufregung um Video in sozialen Netzwerken

Auf sozialen Netzwerken sorgte der Vorfall für Aufregung, weil die rechtsextreme Splitterpartei "Freie Sachsen" ein Video unter anderem auf Telegram veröffentlichte. Das Filmaterial sollte zeigen, wie der 53-Jährige von einem Polizisten zu Boden geschubst wurde, als er in Wandlitz eine Polizeikette durchbrach. Vorwürfe der Polizeigewalt wurden erhoben.

Die Brandenburger Polizei reagierte am Dienstag per Twitter, dieses Video stamme aus Bernau. Damit schloss die Behörde einen Zusammenhang zu der Demonstration in Wandlitz aus.

Das Ziel bei der Instrumentalisierung dieses Videos sei es "zu zündeln", sagte Markus Klein, Geschäftsführer des Brandenburgischen Instituts für Gemeinwesenberatung (Demos) am Dienstag dem rbb. Rechtsextreme würden versuchen, die Unzufriedenheit mit staatlichen Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung umzuwandeln in Systemfeindlichkeit.

Sendung: Antenne Brandenburg, 25.01.2022, 16:30 Uhr

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